Wollte das Crash 2019 sowieso schließen? Das behauptet die IHK!

Adrian Hoffmann

Womöglich müssen Crash und Drifter's 2019 schließen, die Betreiber machen der Stadtverwaltung Vorwürfe. Jetzt wirft ein Schreiben der IHK neue Fragen auf:



Die Clubs Crash und Drifter’s müssen wohl auf lange Sicht der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein weichen. Wie die Verwaltung berichtet, will die Grundstücke in der Schnewlinstraße an die IHK verkaufen, für 1,3 Millionen Euro – das geht aus einer Informationsvorlage für den Gemeinderat vor, die der Badischen Zeitung vorliegt. Die Betreiber der Nachtlokale reagieren verärgert. Kurios: Die IHK behauptet, die Betreiber des Crash hätten gegenüber der Stadtverwaltung erklärt, 2019 aufhören zu wollen.


Im Gespräch mit der Badischen Zeitung sagen die Betreiber, Holger Bührle und Mario Held, das glatte Gegenteil. Über einen Verkauf sei nie mit ihnen gesprochen werden. Die Behauptung, sie würden aufhören wollen, sei "komplett an den Haaren herbeigezogen und entbehrt jedweder Grundlage", so Held.

In einer Email an die Mitglieder der IHK-Vollversammlung schreiben IHK-Präsident Steffen Auer und Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff am Donnerstag: "Nachdem der jetzige Betreiber des Crash gegenüber der Stadt erklärt hat, dass er den Betrieb zur Jahresmitte 2019 seinerseits einstellen will, scheint sich erstmals eine greifbare Perspektive für den Erwerb des Grundstücks zu ergeben." Weiter möchte man darauf hinweisen, dass man das Crash "keineswegs verdränge". Tatsächlich fülle man nur die Lücke, die das Crash nach der Schließung hinterlasse.

Bei der Stadtverwaltung wollte man sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen von Crash und Drifter’s äußern. Sprecher Toni Klein bat um Verständnis, dass es erst am Freitag eine Stellungnahme geben wird. Bürgermeister Otto Neideck und die Zuständigen vom Liegenschaftsamt wollten sich erst noch zusammensetzen.

Der Gemeinderat wird nach jetzigem Stand am Dienstag, 17. März, im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung entscheiden. Nicht-öffentlich, weil es auch um schutzwürdige Interessen gehe – Details des Mietvertrages –, sagt Klein. Die Thematik habe sicher kulturpolitische Relevanz, so Klein auf Nachfrage, aber es stünden hier die schutzwürdigen Interessen darüber.

Wird das Thema im Gemeinderat verschoben?

Einzelne Stadträte setzen sich für eine Absetzung des Punktes auf der Tagesordnung ein. "Immer langsam", sagt Maria Viethen, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Es gebe Gesprächsbedarf. Sie sei überrascht gewesen von der Behauptung, dass das Crash aufhören wolle. Im Gespräch mit den Betreibern habe sich ihr das "ein bisschen anders" dargestellt. Diese hätten sich ihr gegenüber für eine 10-jährige Vertragsverlängerung ausgesprochen.

Atai Keller, Stadtrat der Kulturliste, ärgert sich über das Vorgehen der Verwaltung. "Bei einer solchen Tragweite ist ein einfach fehl am Platz, das nicht-öffentlich zu behandeln." Bereits vor 14 Jahren, erinnert sich Keller, hatte es mal Kaufpläne der Baufirma Unmüssig gegeben – damals sei ein Entwurf im Raum gestanden sei, wonach das Crash erhalten und überbaut worden wäre. "Da hat man sich noch Gedanken gemacht." Was jetzt laufe, sei nur hanebüchen und wirtschaftlichen Aspekten geschuldet.

Laut der Informationsvorlage würden die Mietverträge mit Crash und Drifter’s noch mindestens bis Ende Juni 2019 laufen. "Es ist nicht okay, was das Liegenschaftsamt da drehen will", sagt Holger Bührle vom Musikkeller Crash. Sein Vorwurf: Das Thema solle ganz nebenbei im Zuge der Mietverlängerung abgehandelt werden, damit 2019 nicht mehr diskutiert werden müsse.

Klar ist: Mit einem Beschluss für den Verkauf im Gemeinderat würde das Standortende zweier Clubs in Freiburg besiegelt, die in der Szene als Institutionen gelten. Im Internet äußerten bereits viele Freiburger, die mit Crash und Drifter’s Jugenderinnerungen verbinden, ihr Bedauern.

Die IHK bekundet seit längerer Zeit Interesse an einer Erweiterung. Hauptgeschäftsführer Kempff: "Wir sind bis zum Anschlag voll." Der IHK sei bereits beim Kauf im Jahr 1992 von der Stadt "avisiert worden", dass die Fläche erweitert werden könne. Auf dem Grundstück ließen sich Büros realisieren, Besprechungs- und Prüfungsräume, Seminar- und Veranstaltungsräume – aber auch Parkplätze.

Zudem würden Platzreserven "für die zukünftigen Übertragungen von hoheitlichen Aufgaben" geschaffen. Man sei 1992 der erste Bauherr im Sanierungsgebiet "Im Grün" gewesen, so Kempff. Damals hatte man sich ausdrücklich gegen einen Standort am Augustinerplatz entschieden.

Wie beim Crash zeigen sich die Geschäftsführer vom Drifter’s wenig begeistert. Von dem Vorhaben habe er nichts gewusst, sagt Markus Kreidel. Das letzte Wort sei hoffentlich nicht gesprochen.



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[Foto: Ingo Schneider, Video: Adrian Hoffmann und Daniel Laufer]