Wohnzimmerkonzert im Rieselfeld: Musik zwischen Ikea-Lampe und Bücherregal

Gina Kutkat

Die dritte Ausgabe der Wohnzimmer-Konzertreihe "Live In The Living" nahm gestern Abend in einer Erdgeschoss-Wohnung im Rieselfeld ihren Lauf. Die Bands Lambs & Wolves, Bernhard Eder und We Invented Paris spielten akustisch und hautnah auf zwei Quadratmetern. Gina war für fudder dabei. Wie's war:

Wenn die Wohnzimmerecke mit einer Größe von 2 qm als Bühne dient, die Ikea-Stehlampe das Scheinwerferlicht ersetzt, der Wandteppich und das Bücherregal als Deko fungieren, die Spülmaschine in der Küche im Takt piepst und sich die Musiker zwischendurch an der Deckenlampe stoßen, dann muss es sich wohl um ein Wohnzimmer-Konzert handeln.




So geschehen auch gestern Abend bei "Live In The Living" im Rieselfeld. Gespannt sehen die knapp 50 Zuhörer zu, wie sich die vier Bandmitglieder von Lambs & Wolves in die Wohnzimmerecke drängen und versuchen, einen kleinen Abstand zu den ersten Reihen zu gewinnen. Die Rückzugs-Taktik funktioniert hier einfach nicht und somit sitzt das Publikum fast auf dem Schoß der Musiker. Intimer und näher geht es kaum.

Lambs & Wolves sind jung, sehr jung- und so kommt die Veranstalterin nicht an dem Wort "Schülerband" vorbei, als sie die vier Gymnasiasten aus Waldshut ankündigt. Wer jetzt aber an schiefe Töne, unfertige Songs und humpelnde Songtexte denkt, hat weit gefehlt. Lambs & Wolves spielen ihre zarten und melancholischen Popsongs - untermalt durch Akkordzither und Geige - anfangs zwar etwas zögerlich, dass sie aber den Vergleich mit größeren Bands nicht scheuen müssen, stellt sich ziemlich schnell heraus.



Bei Bernhard Eder und seinem Kontrabassisten Simon sieht das alles zwar routinierter, aber alles andere als perfektioniert und glatt geschliffen aus. Eder schließt beim Singen die Augen - wenn er sich schon räumlich nicht weiter zurückziehen kann, dann vielleicht gedanklich.

Gespielt werden Songs seiner ersten beiden Alben, zwischendurch gibt es auch eine Coverversion von ACDC's 'Thunderstruck'. Die leisen Songs, die durchdringende Stimme Eders und die sanften Bassläufe, lassen einen fast vergessen, das man in einem Wohnraum sitzt. Bis die Spülmaschine in der Küche zu piepsen anfängt und Simon gebeten wird, sie auszuschalten. "Und bitte auch ausräumen", ruft ein Zuschauer ihm hinterher.

Geschichten, die das Wohnzimmer-Konzert schreibt.



Der dritten Band des Abends, dem Künstlerkollektiv We Invented Paris, merkt man an, dass sie ihre Karriere nicht in der Garage, sondern auf der Musikschule begannen. Die Musiker beherrschen alle mehrere Instrumente - sogar ein indisches Harmonium kommt zum Einsatz - und überzeugen mit mehrstimmigem Harmoniegesang und komplexen Arrangements. Die Diashow an der Wand untermalt die eingängigen Popsongs der Schweizer Band, die bald mit Kettcar auf Tour geht.

Je kleiner der Raum, desto intensiver das Musikerlebnis. Die Atmosphäre eines Wohnzimmerkonzertes lässt sich wohl am besten mit den Worten "persönlich", "heimelig" und "intim" beschreiben. Unbedingt wiederholen!  

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