Wohnungsabzocke in Freiburg - die Polizei ermittelt aktuell in vier Fällen

Jana Luck

Ein Wohnungsbetrüger hat mehrere Studentinnen um Geld geprellt. Die Polizei ermittelt – und kennt den Täter bereits. Es ist ein alter Bekannter. Mit welcher Masche er arbeitet und wie man sich vor Betrug bei der Wohnungssuche schützen kann.

Es hätte so schön sein können: Endlich ein WG-Zimmer gefunden. Tolle Lage sowieso. Aber die scheinbar geglückte Wohnungssuche von Charlotte endet in einem Facebook-Post in der Gruppe "Netzwerk Freiburg" :


"Sebastian (Basti) P. bietet ein WG-Zimmer bzw. eine Wohnung u.a. in einer Straße in Freiburg (von der Redaktion geändert) an. Er kontaktiert ausschließlich Studentinnen, z.B. über http://www.wg-gesucht.de Nach dem ordnungsgemäßen Abschluss von Mietvertrag und nachdem Kaution und Miete bezahlt sind und bevor es zur Wohnungsübergabe kommt, erzählt er, dass er aus der Wohnung nicht ausziehen konnte, weil er selbst betrogen wurde. Das Geld sieht man nie wieder."

Der Betrüger ist der Polizei bekannt

Die Freiburger Polizei kennt den richtigen Namen des Betrügers bereits. "Der Betrüger ist 33 Jahre alt, deutscher Staatsbürger und bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Immer im Bereich der Betrugsstraftaten", sagt Frank Fanz vom Polizeipräsidium Freiburg.

Wie sie auf ihn gekommen sind? "Es gibt Beamte, die sich in bestimmten Bereichen sehr gut auskennen; die überprüfen dann die ihnen bekannten Personen. Dabei fanden sie den Betrüger", sagt Fanz. Der Mann war vor zwei Jahren schon wegen einem ähnlichen Betrugsfall aufgefallen. Momentan ermittelt die Polizei in vier Fällen gegen ihn.

Die Masche der Betrüger

Bekannt sind solche Wohnungsbetrüger vor allem unter einer Masche, dem sogenannten Vorschussbetrug. Der Vermieter befindet sich angeblich im Ausland und kann deshalb weder zu einem persönlichen Gespräch kommen, noch die Wohnung zeigen. Der Schlüssel soll über einen Dienst wie AirBnB vermittelt oder bei einem "Nachbarn" abgegeben werden. Den im Voraus gezahlten Betrag, also die Kaution und vielleicht sogar eine Miete, sehen die Betrogenen nie wieder; die Wohnung sowieso nicht.

Häufig ist das Angebot für Größe und Lage deutlich zu preiswert, der Einzug innerhalb weniger Tage möglich und der angebliche Vermieter verlangt personenbezogene Daten, ohne den Interessenten persönlich gesehen zu haben.

In Freiburg konnten die Studentinnen das WG-Zimmer sogar besichtigen

In Freiburg wendete der Betrüger aber eine andere Masche an. "Die Studentinnen, die auf ihre Inserate hin von dem Betrüger angeschrieben wurden, konnten das ausgeschriebene WG-Zimmer sogar besichtigen", sagt Frank Fanz. Nachdem sie einen Mietvertrag unterschrieben und die "Kaution" gezahlt hatten, meldete sich "Basti" immer wieder mit vorgeschobenen Argumenten, warum die Studentinnen doch noch nicht einziehen könnten - bis sie skeptisch wurden und bei der Polizei anriefen.

Die Ermittlungen laufen, sagt Fanz, einige Vernehmungen stehen aber noch aus - vor allem die des vermeintlichen "Basti P.". Die Betrugsfälle wurden relativ zeitnah angezeigt. Die Strafanzeigen trudelten bei der Polizei in den letzten zwei Monaten ein und liegen der Staatsanwaltschaft vor. Die Studentinnen wurden um "niedrige dreistellige Beträge" geprellt, sagt Fanz. Geklärt seien die Anzeigen mittlerweile; "Basti" sieht seiner Vernehmung entgegen. Einen Termin gibt es schon.

Ob das Geld zurückgezahlt wird, liegt auch an der Zahlkraft des Betrügers

Aussicht auf Klärung ist also da. Aus polizeilicher Sicht ist klar, wer der Beschuldigte ist - aber sehen die Studentinnen ihr Geld wieder? Bei der Rückzahlung des Geldes handelt es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit, erklärt Franz Fanz. Das bedeutet auf nicht-Jura-Deutsch: Die Betrogenen können sich einen Anwalt nehmen, der dann die Zahlung für sie einklagt. Wie wahrscheinlich es ist, dass es auch zur Zahlung kommt, liegt an der Zahlkraft des Betrügers: Hat er kein Geld, kann er nicht belangt werden. Dann kann aber etwa ausgemacht werden, dass er zahlt, sobald er wieder über Geld verfügt.

Ein typisches Phänomen bei Wohnungsnot

In den vergangenen zehn Jahren seien solche Fälle häufiger aufgetreten, sagt Fanz. Die Anonymität des Internets helfe den Betrügern. Auch, wo die Not größer ist, haben es Betrüger leichter: "Da zahlt man schneller mal im Voraus, weil es keine Alternative gibt. Es ist schon ein typisches Phänomen bei Wohnungsknappheit."

Außerdem seien solche Wohnungssuchenden mehr gefährdet, die sich mit den örtlichen Gegebenheiten nicht auskennen: "Die können dann weniger einschätzen, ob ein Preis viel zu niedrig ist oder etwas an der Wohnung merkwürdig erscheint." Für die Fälle in Freiburg zählt das aber nicht: Denn hier konnten die Studentinnen die Zimmer sogar besichtigen.

Welche strafrechtliche Verfolgung wartet nun auf den Betrüger?

Der Betrüger wird wahrscheinlich nach dem Straftatbestand des Betrugs verurteilt. Darauf stehen eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe, die sich an der Anzahl der Fälle und auch der Vermögensverhältnisse des Betrügers bemisst. Wichtig ist, dass auch schon der Versuch des Betruges strafbar ist, so Fanz: Wenn der Versuch angezeigt wird, kann es also auch schon zur Verurteilung kommen.

Bei Wg-gesucht ist so eine Art der Abzocke bekannt. Es gebe leider keine Methoden, solche unseriösen Kontakte mit hundertprozentiger Sicherheit zu verhindern, sagt Annegret Mülbaier von WG-gesucht. Die große Mehrheit von verdächtigen Anzeigen werde mit einem internen Kontrollsystem herausgefiltert. Wenn die ermittelnde Polizeidienststelle das Portal kontaktiert, kooperiere WG-gesucht. Etwa, indem sie vorliegende Daten wie eine IP-Adresse des Nutzers herausgeben oder verdächtige Konten sperren.

Tipps gegen Wohnungsabzocke

  • Zuallererst: "Misstrauisch sein", rät Frank Fanz.
  • Viel Nachfragen. Nicht nur leichte Fragen, wie "Ist es hier laut?" oder "Ist die Lage schön?", sondern Fragen wie: "Wer ist der Vermieter? Kann ich den Untermiet-Nachweis sehen? Wie ist die Adresse des Vermieters?" Sobald jemand bei grundsätzlichen Fragen zu Formalitäten herumdruckst oder merkwürdige, fadenscheinige Antworten gibt, ist Vorsicht angesagt.
  • Eine Kaution und Miete zu bezahlen, bevor man die Schlüssel bekommen hat und eingezogen ist, ist eigentlich nicht üblich.
  • Wenn ein ein Angebot "zu schön ist, um wahr zu sein", rät Annegret Mülbaier von WG-gesucht zu Vorsicht.
  • Ein weiterer Tipp aus dem Polizeipräsidium: Immer Strafanzeige erstatten, auch, wenn (noch) kein Betrug passiert ist, aber der Verdacht besteht. Nur so hat die Polizei die Möglichkeit zu ermitteln oder zumindest die restliche Bevölkerung vor der Masche zu warnen - über eine Pressemitteilung oder soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter.

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