Woher kommt die akademische Viertelstunde?

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, woher das akademische Viertel stammt? Die universitäre Sitte, genau bestimmte Termine grundsätzlich fünfzehn Minuten später beginnen zu lassen, hat sich inzwischen auch auf andere Gebiete, vor allem als willkommene Ausrede, ausgebreitet. Der Ursprung liegt in den deutschen Jesuitenkollegs und –universitäten vor über 400 Jahren und hat mehrere praktische Gründe.

Da die meisten Universitäten nicht wirklich viele eigene Räume hatten, fanden die Vorlesungen auch oft in den Privatwohnungen der Professoren statt. Diese waren recht weit über die Städte verteilt, weshalb man den Studierenden (die damals noch Studenten hießen) einfach ein bisschen mehr Zeit zugestand, um von einer Veranstaltung zur nächsten zu gelangen. Dieser Grund ist in der unsrigen Zeit leicht verändert erhalten geblieben, nur sind die Universitäten inzwischen deutlich größer geworden.


Aber außerdem war es damals üblich geworden, in den Seminaren und Vorlesungen zuerst den Stoff der vorangegangenen Veranstaltung zu rekapitulieren, was meist ungefähr eine Viertelstunde dauerte. Und die guten Studenten, die beim letzten Mal fleißig aufgepasst hatten, konnten sich eben diesen Teil der Vorlesung schenken und etwas später erscheinen. Erst im 19. Jahrhundert bekam diese Sitte ihre lateinische Bezeichnung c.t. (=cum tempore), ebenso wie das Gegenteil s.t. (=sine tempore, also der pünktliche Beginn zur vollen Stunde).

Diese Gewohnheit gibt es heutzutage auffälligerweise fast nur in deutschsprachigen Landen, die eigentlich für ihre tugendhafte Pünktlichkeit so berühmt sind. In angelsächsischen oder romanischen Ländern ist das akademische Viertel an Universitäten nie üblich gewesen, in Skandinavien hat es sich hingegen durchgesetzt.