Wölfe verpflichten Ivan, den Schrecklichen

Dirk Philippi

Kurz vor Transferschluss und pünktlich zum vielleicht vorentscheidenden Spielwochenende um den vorzeitigen Klassenerhalt (Heimspiel morgen 20 Uhr gegen Dresden) hat Freiburgs Eishockey-Zweitligist den tschechischen Stürmer Marek Ivan verpflichtet.



Die Wölfe Freiburg haben für den akut schwelenden Abstiegskampf mit dem 30-jährigen Mittelstürmer Marek Ivan Körper, Dynamik sowie Torgefahr und Unberechenbarkeit eingekauft - so hofft man jedenfalls an der Ensisheimerstraße. Der gebürtige Tscheche aus Uherské Hradiště im historischen Mähren kam unter der Woche nicht etwa über eines der unzähligen Spielervermittler-Faxe nach Freiburg, sondern über einen Kontakt des Cheftrainers Peter Salmik. Zuletzt spielte Ivan für die Newcastle Vipers in England und den tschechischen Zweitligisten aus Poruba.


"Wir haben Marek im Training beobachtet und uns mit ihm aufgrund des guten Eindrucks, den er hinterlassen hat, auf einen Vertrag bis Saisonende geeinigt", erklärte Wölfe-Sprecher Holger Döpke sichtlich angetan von dem Potenzial des Last-Minute-Transfers, wobei er in einem Nebensatz hinzufügt, dass man "dennoch auch an eine Ausstiegsmöglichkeit aus dem Kontrakt gedacht" hat.

Getreu der alten Sportmanagemant-Weisheit "take the best player available" hat man bei der sportlichen Leitung der Wölfe trotz Ivans Mittelstürmer-Position nicht vor einer Verpflichtung Halt gemacht. Da mit Patrick Vozar, Tomas Kucharcik, Dany Bousquet und Dennis Meyer bereits vier gelernte Center in Salmiks Team stehen, plant dieser Marek Ivan in den kommenden Wochen als Außenstürmer einzusetzen - in welcher Formation bleibt derweil bis zum immens wichtigen, morgigen Heimspiel gegen Dresden (Beginn 20 Uhr) sein Geheimnis.

In seiner tschechischen Heimat ist Marek Ivan besser bekannt als "Der böse Mann" (wörtlich übersetzt), ein Name, den einst ein Lokaljournalist aufgrund zahlreicher Strafzeiten, Ivans kraftvoller rechten Geraden sowie seiner Teilzeit-Rolle als Agent Provocateur auf dem Eis kreierte. Doch nicht nur das dringend benötigte Körperspiel soll den Wölfen in der Restsaison helfen, sondern auch die schlittschuhläuferischen Fähigkeiten des NHL-Draftpicks der St. Louis Blues von 1997. Ivan gilt nicht als Dauerläufer, wohl aber als sprintstarker und dynamischer Akteur, der Räume schaffen und den Überraschungspass spielen kann - Torjäger- und Schussqualitäten inklusive.

Das alles klingt wie ein Volltreffer deluxe für den Zweitliga-Aufsteiger aus dem Breisgau, der nun alle sechs Kontigentspielerplätze vergeben hat, wenn da nicht doch ein Fragezeichen hinter Ivans Vita stehen würde: Für Sage und schreibe 26 verschiedene Mannschaften spielte der ehemalige Mitspieler von Wölfe-Star Roman Kadera - und das in gerade einmal 13 Jahren. Während einige dieser Vereinswechsel durch finanzielle Pleiten der Clubs zu erklären sind und der Abbruch seines England-Aufenthaltes familiäre Gründe hatte (Ivan hatte seine Frau und Kinder nicht - wie geplant - regelmäßig nach Newcastle holen können), scheint der Linksschütze dennoch alles andere als ein Mann für eine längerfristige Zusammenarbeit zu sein.

Den Wölfen kann dies jedoch vorerst egal sein. Die Saison dauert noch rund zwei Monate und wenn Marek Ivan nur halbwegs das leistet, was er unter anderem bei seinem Karrierestart in den USA und während seinen sieben Extraliga-Spielzeiten in Tschechien unter Beweis stellte, dann ist man für die Mission "Klassenerhalt" gut gerüstet.

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