Wölfe mit dem Moment, Indians mit Nerven

Dirk Philippi

Es sind die Momente, für die Menschen ihren Sport lieben, und gestern Abend erlebten Spieler und Fans einen rund zweieinhalbstündigen Moment der Wölfe Freiburg in den Eishockey-Oberliga-Playoffs. Freiburg besiegte Hannover beeindruckend und mitreißend mit 4:2 und wehrte den ersten Matchball der Indians ab. Diese zeigten zum ersten Mal ein dünnes Nervenkostüm, sind allerdings am morgigen Sonntag vor heimischer Kulisse noch immer der Favorit auf den Einzug ins Halbfinale. fudder hat für Euch die Pressekonferenz mitgeschnitten.



In der Mannschaftssitzung am Donnerstag muss Wölfe-Coach Peter Salmik die richtigen Worte gefunden haben. Wie ausgewechselt traten seine Spieler gestern vor einer lautstarken und entschlossenen Fanschar auf und zelebrierten Playoff-Eishockey vom Feinsten: Kampfgeist, Körperspiel, Geschwindigkeit und Wille – gezeigt von jedem einzelnen der Salmik-Jungs.


Vor allen Dingen der Wille der Freiburger war bis in den letzten Winkel der Franz-Siegel-Halle zu spüren und setzte den Hannoveranern gewaltig zu. Kaum einen Zweikampf gewannen die Niedersachsen und nun waren es sie, die sich – wie die Wölfe etwa in Spiel zwei der Serie – zu Frustfouls und undiszipliniertem Spiel hinreißen ließen.

Offensichtlich hat sich das Team der Wölfe endgültig dafür entschieden, den Fight anzunehmen und ihn bis zum Ende auszutragen. Sämtliche Mannschaftsteile zeigten sich mit einer beeindruckenden Leistungssteigerung, aufs gemeinsame Ziel fokussiert und sie adressierten dicke Fragezeichen an die Köpfe der Indians:

Was, wenn das Rezept der ersten Spiele nicht mehr aufgeht?
Was, wenn der Gegner plötzlich noch Kraftreserven mobilisieren kann?
Was, wenn der Gegenüber einen mit den eigenen Waffen schlägt?
Und was, wenn der Kontrahent einfach nicht mürbe zu kriegen scheint?

In einem ausführlichen Spielbericht im Playoff-Blog auf BZ-Online können die Details zur Partie nachgelesen werden, viel entscheidender ist allerdings, dass die Wölfe nun selbst das Momentum auf ihre Seite gezwungen haben und die Indianer anfingen Nerven zu zeigen.

So frustelte sich Indians-Star Jamie Chamberlain allein fünfmal auf die Strafbank, Hannovers Torjäger Kyle Doyle kassierte eine zehnminütige Disziplinarstrafe wegen Meckerns, Kapitän Josef Staltmayr, zuletzt Kopf der Pferdeturm-Defensive und des Powerplays, musste gar mit einer Spieldauerstrafe wegen einem unmotiviertem Faustkampf gegen Petr Mares zusammen mit diesem vom Eis und auch Indians-Coach Joe West war vor, auf und nach der Pressekonferenz sichtlich aufgewühlt.

Erst ließ sich das Enfant terrible noch im Kabinengang auf einen Trash-Talk mit dem gesperrten Wölfe-Spieler Adam Spylo ein, blockte genervt Fragen nach seinem Torhüter Kondelik und dem Zwist mit Spylo, zog sogar eine mögliche Niederlage am Sonntag in Betracht (!), um letztlich ausgerechnet vor anwesenden Journalisten sein dünnes Nervenkostüm darzulegen, indem er diese mit unflätigem Vokabular bedachte.

Noch lange nach Spielschluss sah man indes überall rund um das Eisstadion zufrieden, fröhlich und zuversichtlich dreinblickende Wölfe-Anhänger und -Spieler, die neuen Mut geschöpft haben und es gar nicht erwarten können, den Kampf um den Halbfinaleinzug am Sonntag ein weiteres Mal aufzunehmen.

Audio-Mitschnitt der Pressekonferenz: