Wochenendkurzfilm: "Mehr als 1000 Worte" zeigt Suchende, die sich finden und stellt dabei große Fragen

Elena Stenzel

Ein Mann kommt jede Woche in dasselbe Hotelzimmer, jedes mal mit einem anderen Koffer. Für die Zimmermädchen ist das natürlich gefundenes Fressen, außer für Nicole: Die beiden beginnen zu kommunizieren.

Jede Woche kommt derselbe Mann in ein Hotel. Er bezieht jedes Mal Zimmer 237, bringt aber immer einen anderen Koffer mit. Für das Personal im Servicezimmer ein willkommener Anlass zum Tratschen.


Die Koffer ersteigert er auf Gepäckauktionen am Flughafen. Sie enthalten Kleidungsstücke des ursprünglichen Kofferbesitzers. Er probiert sich in deren Rolle, zieht die Kleidungsstücke an, posiert vor dem Spiegel und fotografiert sich. Schnell wird klar: Er sucht etwas. Jeder Koffer bedeutet für den Mann eine neue Identität, eine neue Facette seines sich selbst entfremdeten Ichs.

Indirekte Kommunikation

Eines Tages vergisst er in lauter Eile ein Foto. Nicole findet es und schickt ihm eine Fotobotschaft. Die beiden beginnen, über Fotos zu kommunizieren. Nicole stellt Fragen und hört zu. Wegen der indirekten Kommunikation durch die Fotos vertrauen sich die beiden. Bald wird klar, der Mann sucht sich selbst. Und Nicole gibt die nötige Hilfestellung bei der Suche.

Der Kurzfilm wirft ganz fundamentale Fragen auf: Wer könnte ich sein, wäre ich nicht ich? Wer wäre ich, könnte ich noch einmal von vorne anfangen? Würde ich alles anders machen?

Das Filmprojekt des Inbetween-Filmschool-Projekts Hannover, einem Workshop, bei dem Nachwuchs-Filmemacher Unterstützung von Profis bekommen, zeigt in ruhigen, einfühlsamen Bildern die Sinnsuche eines gestrandeten Manns, der in einem Zimmermädchen eine Seelenverwandte findet.

Mehr als 1000 Worte - Kurzfilm 2015



Regie: Thomas Böhm und Phil Rieger, 11:50 min.

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