Wo sind die Computer aus der alten UB hin?

Konstantin Görlich

Die neue Uni-Bibliothek am Rotteckring ist in Betrieb. Alles ist schick und neu, jede Menge Vitra-Design, iMacs und Sichtbeton. Aber in der Stadthalle standen auch jede Menge Computer. Die sind im Elztal gelandet, in der Computertruhe, einem Projekt, das PCs an Flüchtlinge verteilt. So funktioniert es:



"Es ist immer großartig, wenn man sagen kann: Das Internet funktioniert jetzt." Marco Rosenthal (36) hat mit seinen Mitstreitern von der Computertruhe schon 28 Computer an Bedürftige verteilt. "Dazu kommen noch 20 Monitore, 4 Drucker und natürlich Mäuse, Tastaturen, diverse Kabel - und manchmal stellen wir auch den Zugang zum Internet her oder helfen dabei", erzählt der Informatiker aus Gutach. "Wer sich bei uns meldet und ein Gerät möchte, bekommt eines. Wir achten die Privatsphäre der Empfänger und führen deshalb keine Bedarfsüberprüfungen durch."


Gemeinsam mit seiner Partnerin Annette Linder (31) hat er gerade eine zweite Ladung alte Hardware aus der neuen UB abgeholt. Ihr kleiner Hyundai füllt sich mit gebrauchten Monitoren im 4:3-Format. "Einige sind tatsächlich aus der alten UB, aber es sind auch Rückläufer aus Institutsbibliotheken dabei", verrät Andreas Diekmann. Der 41-Jährige leitet den PC-Support im IT-Dezernat der UB. "Die Geräte würden sonst entsorgt werden, verkauft bekommen wir die nicht." Auf dem Weg durch die UB-Katakomben steht noch ein ausgemusterter PC herum, der umgehend eingesackt wird. Im Keller findet noch ein alter Laserdrucker den Weg aufs Wägelchen und dazu jede Menge Strom- und Videokabel.

Besonders Notebooks gesucht

Nach einer gründlichen Reinigung macht das Computertruhe-Team die Rechner wieder benutzbar, baut auch schon mal aus mehreren kaputten PCs einen funktionierenden zusammen, löscht Festplatten noch mal auf eine sichere Weise, installiert das freie Betriebssystem Linux. "Wir nehmen auch defekte PCs und Notebooks als Spenden an. Aktuell suchen wir insbesondere Notebooks, dafür haben wir sogar eine Warteliste. Menschen, die in Massenunterkünften leben, haben wenig Platz und wissen oft nicht, wie lange sie in dieser Unterkunft bleiben werden", sagt Marco.

"Auch Geldspenden sind willkommen. Schon für ein paar Euro können wir zum Beispiel Adapter oder Tastaturaufkleber mit arabisch-deutscher Bezeichnung kaufen und somit weitere Rechner nutzbar machen", sagt Annette. "Vor allem bei Geflüchteten erleben wir sehr große Dankbarkeit und Gastfreundschaft. Wir durften schon ein paar Mal die eine oder andere arabische Spezialität kosten und genießen. Als Marco bei einer syrischen Familie den Drucker in Betrieb nahm und ein zuvor erstelltes Dokument ausdruckte, entfuhr einem der Mädchen ein beeindrucktes 'Alter!'"

"Wir versuchen, die Welt ein wenig besser zu machen."

Das Projekt läuft seit April und ist im Prinzip eine Tafel für Computer. Als Inspiration diente der Kleiderladen Waldkirch, der Textilien für Menschen mit geringem Einkommen anbietet. Das vierköpfige Team definiert sich als "Partner, Freunde, Arbeitskollegen - und Mitglieder der Piratenpartei - aus dem Raum Emmendingen, die in ihrer Freizeit versuchen, die Welt ein wenig besser zu machen." Für ihre Website nutzt die Gruppe bis jetzt noch alte Piraten-Infrastruktur: elzpiraten.de/computertruhe.

Die Computertruhe ist aber parteiunabhängig: "Jeder kann bei uns mitmachen. Helfen kann jeder, der ungenutze Hardware im Keller oder auf dem Dachboden stehen hat. Wir nehmen hauptsächlich PCs, Notebooks, Flachbildschirme, Drucker, Smartphones und Tablets an. Ein Lagerraum in Emmendingen oder dem Elztal wäre ebenfalls großartig, momentan lagern wir alles in unseren Wohnungen, da kann es nach Großspenden schonmal eng werden", berichtet Annette.

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[Foto: Konstantin Görlich]