Wo rockt's? YoYoYo Acapulco & Dad Horse Experience im Teng

Matthias Cromm

Der heutige Konzertabend im Räng Teng Teng dürfte bleibenden Eindruck hinterlassen, wenn norwegischer Ukulelen-Indie auf einen belgischen Banjo-Prediger treffen wird. Eine Empfehlung von Matze:



YoYoYo Acapulco stammen aus der Gegend um Lillehammer, Norwegen. Farbenfohe Holzhäuser, das grösste Freilichtmuseum Norwegens, ein kleiner Missgriff des israelischen Geheimdienstes, Olympische Spiele - viel mehr gibt es von diesem, im Moment sicherlich bitterkalte Fleckchen Erde 200 Km nördlich von Oslo nicht zu erzählen.


Doch halt! Vier unbeugsame Eingeborene dieses unwirtlichen Städtchens hören nicht auf, Widerstand zu leisten, sie adaptieren den Namen einer Stadt die 9400 km entfernt von ihrem farbenfrohen Holzhäuschen unter der mexikanischen Sonne schmort, spielen das Sonneninselinstrument Ukulele, tauschen den Wollschal gegen Blumenketten.

Sommerliche Gelassenheit, kriecht unter den Norwegischen Holztüren hindurch und bringt Schnee und Herzen gleichermassen zum Schmelzen, wie damals im Kindergarten die kleine graue Slacker-Maus Frederik die Steine zum Leuchten und die Gesichter zum glühen.

Der gemischte Vierer, zwei Männer an Ukulele und Drums, zwei Frauen an Bass und Keyboards, knödeln charmanten New Wave Folk Pop - Homemadesounds, lässig, zurückgelehnt dahergeschrammet.

Das nicht ganz akzentfreie Englisch verbindet sich mit dem sparsamen Billig-Keyboard zu einer herzerwärmenden Melange, während der holzig runde Bass schwankend neben der Hype-Indie-Popszene steht, ihr auf die Schulter klopft als würde er sagen: "Entspann dich! Entspann dich! Fühl die Abenteuerlust die in Musik stecken kann, fühl die leichte Melancholie die trotzdem Schwung hat, hör die Kinderreime die der 190cm grosse Arne Martin Baerlund mit der Ukulele um den Hals ersonnen hat um leichtfüssig alle Genregrenzen ad absurdum zu führen." Wer hier nicht taut, dem ist nicht zu helfen!

"F-word" - by Yoyoyo Acapulco

Quelle: YouTube
[youtube yxVk6XUjhBg nolink]

Dazu gesellt sich heute Abend eine nicht minder obskure Einmannshow: weißer Gospel, wahrhaftig, bizarr zugleich, nie waren Country, Punk und echte Himmelfahrt so sehr eins wie bei der belgischen The Dad Hore Experience.



Der Herr im besten Alter spielt Tenorbanjo Basspedal und Kazoo. Hawkwind, Washington Phillips und Johnny Cash sitzen an seiner Seite während Dad Horse auf der spirituellen Suche nach der Erlösung, dem Ton, der Gänsehaut, dem Schluck aus der Pulle oder dem Mississippi ist. Der klagender Gesang mit spartanisch rudimentärer Begleitung fleht: "Lord must fix my soul - turn the shit into gold."

Seine Lyrik verhandelt inbrünstig die sengende Selbstkritik der gequälten Sünderseele, nein sie verhandelt nicht, im Fegefeuerwasser sitzend lacht sie sich ins Fäustchen um dann wieder mit brüchiger Stimme Songs über Erleuchtung und Rettung vom Elend vorzutragen. Nicht die religiöse Erlösung ist der Kern der obskuren Botschaften, dennoch todernst und Punk bis in die letzte Haarspitze. Wer hier nicht erwacht, dem ist nicht zu helfen!

Im Anschuss gibt's den Great Country Swindle mit Country & Western, Rhythm & Blues, Soul & Jazz, Bluegrass & Westernswing. Und wer da nicht tanzt dem ist nicht zu helfen!

 

Mehr dazu:

Was: Konzert: Yo Yo Acapulco & The Dad Horse Experience
Wann: Freitag, 28. Januar 2011, 21 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng