Wo rockt's? The Notwist im Jazzhaus

Alexander Ochs

The Notwist vollbringen, was andere für unmöglich halten: treten von Oberbayern aus den Siegeszug um die ganze Welt an, wechseln gerne mal den Musikstil, fahren 6 von 5 Punkten ein und sind Mitbegründer eines Musikstils. Heute Abend spielen sie im ausverkauften Jazzhaus.

Wir schreiben das Jahr 1991. Neben die Hamburger Schule in besagter norddeutscher Großstadt katapultieren ein paar Jungs aus dem Süden ein bis dato musikalisch belangloses Kaff auf die Landkarte deutscher Indiemusik: Weilheim in Oberbayern. „Schuld“ daran sind die Brüder Micha und Markus Acher samt Mitstreitern mit ihrem ersten Album. Der Nachfolger „Nook“ vollbringt das Kunststück, im Musikmagazin Visions 6 von 5 möglichen Punkten einzuheimsen.


Seit 1997 offiziell an Bord ist der Elektronikfrickler Martin Gretschmann alias Console, der den anfänglich im Rock, Punk und Grunge verwurzelten Sound der Band weiterentwickelt hat in Richtung Elektronik und Minimalismus. Jazzige Elemente lieben die Jungs eben- und sowieso.

Seit dem Umbruchjahr 1989 besteht die Band – sie geht mittlerweile also in ihr erstaunliches zwanzigstes Jahr. Trotzdem sind die Jungs Avantgarde, ein Leuchtturm in der deutschen Indieszene. 1998 markiert ihr Album „Shrink“ praktisch – im Nachhinein betrachtet – den populären Ausdruck einer neuen Gattung: Indietronic. Das Musikmagazin The Wire sieht sich Ende jenes Jahres genötigt zu fragen: Is Weilheim the new Seattle?

2002 legt die Band mit Neon Golden ein noch stärker elektronisch geprägtes Album vor, das von den (meisten) Kritikern in den höchsten Tönen gelobt wird und den Oberbayern den weltweiten Durchbruch beschert.

Zudem haben sie selbst quasi eine eigene Szene in Weilheim kreiert, sich ihren eigenen Soundkosmos geschaffen mit einer Vielzahl von vernetzten Bandprojekten wie Console, Couch, Lali Puna, Ms. John Soda, Tied & Tickled Trio, 13&God, Rayon, Loopspool, Village of Savoonga, Saroos, Potawatomi, Alles wie Groß, Ogonjok, 3 Shades of Blues, Hometrainer, Bolzplatz Heroes, Schweisser und und und...

Nun sind die Soundtüftler, die auch mal in Vaters Dixieland-Kapelle musizieren, mit ihrem jüngsten Geniestreich The Devil You + Me auf Achse. Konstante in all den Jahren ist die Melancholie, die den Notwist-Songs anhaftet, getragen von Markus Achers Stimme. Unsere Stimme sagt: leider keine Tickets mehr für heute Abend.

Mehr dazu:

The Notwist: Website & MySpace

Was: The Notwist
Wann: Donnerstag, 17. Juli 2008, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus
Tickets: Ausverkauft!

The Notwist  - Where in this World

Quelle: YouTube