Wo rockt's? Tex im White Rabbit

Carolin Buchheim

Der Berliner Tex schreibt und singt großartige und anrührende Songs, ist Musikkollaborateur und Moderator und Gastgeber der Web 2.0-Musikshow TV Noir. Und heute Abend im White Rabbit. Das sollte man nicht verpassen. Caro hat ihm kurz vor dem Konzert noch ein paar Fragen gestellt.



Tex, wir würdest Du Deine Musik einer tauben Person beschreiben?

Einer tauben Person. Das ist echt schwierig, weil es ja schon an der Intensität der Musik liegt. (überlegt) Vielleicht so: was Munch malt, so Texte singe ich.

Dein multimediales Konzeptalbum "Aber Nachts" ist als Projekt mit 20 Künstlern entstanden. Du trittst aber auch, so wie heute abend, alleine auf. Siehst Du Dich primär als Singer/Songwriter oder als Kooperationskünstler?

Es gibt so verschiedene Zwiebelschichten. Im Kern bin ich auf jeden Fall einzelner Singer/Songwriter, ganz klar, und bin auch zur Zeit fast ausschließlich als solcher unterwegs. Es macht mir aber auch wahnsinnigen Spaß, mit anderen zusammen eine gemeinsame Vision zu entwickeln und dann umzusetzen. Zwei Beispiele: Da ist zum einen natürlich TV Noir, wo wir ein Team haben von zehn Leuten, von denen fünf so der engste Kern sind, und das andere ist das Album aber nachts, an dem wir zu zwanzigst dran gearbeitet haben. Der Grundgedanke ist halt die Entdeckung, dass wenn man eine Idee oder ein Projekt extrem genau betrachtet und verdichtet, dann ergeben sich unheimlich viele Anknüpfungspunkte. Und dann kommt der Effekt, dass jeder dazu beiträgt, das Gesamte noch ein bisschen größer machen kann. Das ist eins der Grundgefühle, das ich am allertollsten finde: etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Zum Beispiel nach der letzten TV Noir-Sendung, wo alles einfach super geklappt hat, das ist einfach so toll, wenn man dann im Team gemeinsam das Gefühl hat: Geil, jetzt haben wir was geschafft, was ganz besonders ist.

Was ist denn überhaupt TV Noir?

TV Noir ist eine monatliche Songwriter-Sendung, die man live, im Internet, als Podcast und bald auch als ganze Sendung zum irgendwann gucken und im Fernsehen sehen kann. Da hab ich eben bei mir in einem schönen Salon in Kreuzberg Songwriter zu Gast, und man sitzt gemütlich beisammen, macht einen Haufen Blödsinn, interviewt sich und spielt natürlich Musik zusammen. Dabei lernt man Leute sehr privat kennen, die man sonst nur von der Bühne herunter erlebt.

Was war deine TV Noir-Lieblingssendung bisher?

Wahnsinng toll war es, als Philipp Poisel da war. Und überhaupt gab es viele tolle Momente. Als Ingo Pohlmann da war, da sind wir dann hinterher noch ewig lang dagesessen und haben uns unsere Songs vorgespielt. Daniel Roth war da auch als Gast, und der und Pohlmann haben sich total ineinander verliebt, das war richtig geil.

TV Noir ist auch ein Internetformat, und Du nutzt diverse Social Neworks und Dienste, wie zum Beispiel Twitter. Welche Bedeutung haben diese Sachen für Dich, und woher kommt Deine Internet-Affinität?

Das ist eine tolle Möglichkeit zur Multiplikation. Ich hab das schon früh entdeckt, durch die Mailingliste einfach intensiver die Verbindung zum Publikum zu pflegen und auch Kontakte zu halten, die sonst vielleicht verpuffen würden. Vor allem ist mir das Netz erstmal eine Dienstleistung, und dann ist es aber auch so, dass ich als Mathematiker, der Spaß an Technik hat, natürlich auch erstmal gerne Sachen ausprobiere. Das mischt sich da auf schöne Art. Dass ich gerade so viel twittere, hat auch ein bisschen damit zu tun, dass ich das Medium erforschen will. Ich mach' zwar viel Musik, aber ich berate nebenbei auch viele Firmen und StartUps, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Die Legende vom MySpace-Durchbruch ist mittlerweile ziemlich passé. Was meinst Du, welche Bedeutung wird das Internet langfristig für Musiker haben?

Das mit der Legende ist ein gutes Stichwort. Eine Beraterfirma, Gartner, die haben den Begriff des Gartner Hype Cycle geprägt. Das ist eigentlich für Technologie gemeint, aber das passt auch wahnsinnig gut zu anderen Themen. Die Zeichnen eine Kurve auf, die, wenn es etwas Neues gibt, eine neue Technologie, ein neues Thema erstmal wahnsinnig sprunghaft ansteigt, dann kommt das Tal der Enttäuschung, wo es dann gleich wieder rapide 'runter geht, und danach kommt ein sehr viel beständigere Linie, wo es wieder ansteigt, wo sich 'rauskristallisiert, was man langfristig nutzen wird.

Dass man das Internet überhaupt täglich benutzt, da sind wir über das Tal der Enttäuschung schon lange hinweg. Wir wissen, in dem Bereich wo man nicht Popstar ist, und über die ganz großen Medien wie Radio und Fernsehen verfügt, da ist das Internet das Kommunikationsmedium überhaupt. Live spielen ist natürlich total toll, aber Du kannst nicht wirklich über Live deine Popularität vernünftig erhöhen, außer es ist eingebettet in ein Konzept, wo Du zum Beispiel auch Support von einer großen Band bist und automatisch mit vielen Leuten in Kontakt kommst. Aber so von selber aus ist es nicht realistisch dich über Live aufzubauen, da ist das Internet das wesentliche Medium, um überhaupt eine Sichtbarkeit zu schaffen. MySpace da vielleicht nicht das Wichtigste, aber auf jeden Fall ein Baustein.

Mehr dazu:

Was: Tex
Wann: Montag, 2. Februar 2009, 21 Uhr
Wo: White Rabbit

Tex: Heil mich

Quelle: YouTube