Wo rockt's? Sebastian Arnold im Waldsee, White Rabbit und E-Werk

Nikolai Worms

Der Freiburger Wahl-Berliner Sebastian Arnold ist mit Schlagzeug, Technik-Kabel-Synthie-Konglomerat und einem neuen Album auf seiner ersten kleinen Tour durch Deutschland. In den kommenden Tagen spielt er gleich drei Konzerte in seiner alten Heimat. Niko hat mit ihm gesprochen.


 

Sebastian, Du machst als Drummer ein Solo-Musikprojekt. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich bin ursprünglich Schlagzeuger und habe irgendwann versucht, alle Ideen die mir für andere Instrumente gekommen sind, unter einen Hut zu bringen. Dazu gehören zum Beispiel Synthesizer, Bass oder verrückte elektronische Dinge wie Kurzwellenempfänger. Das ganze sollte dann nicht länger Spielerei sein, und ich habe mein Soloprojekt gestartet, bei dem ich mit ziemlich viel Technik und dem Schlagzeug auftrete.

Hast du dir die ganze Technik selber beigebracht?

Genau. Ich machte die ganze Soundsythese selbst, und klicke mich nicht durch irgendwelche Programme. Ich arbeite absichtlich nicht mit einem Laptop, weil mir die Möglichkeiten zu groß sind und das Ganze dadurch schnell beliebig wird; zum anderen ist da viel zu viel vorgefertigt, auf dem man sich dann schnell ausruht.

Warum machst du das alleine? Bist du so voller Ideen, dass du niemand anders brauchst, oder vielleicht einfach egoistisch?

Nee, eigentlich gar nicht. Ich spiele in einigen Bands mit anderen Leuten zusammen. Ich wollte mir beweisen, dass das funktioniert, und dabei mich und meine Musik weiterentwicklen.

In welches Genre würdest du deine Musik einordnen? Das Schlagzeug ist jazzig bis funkig, dazu kommt viel Elektronik.

Ich habe einen Vertrieb für meine neues Album gefunden, und der Typ von dem Laden fragte mich: "In welches Plattenregal sollen wir die Platte stellen? Zu Jazz, oder Pop, oder doch Rock?". Letztendlich gab es eine Electronic-Rubrik, in die er es dann einsortiert hat.

Wie hat man sich das live vorzustellen? Eigentlich brauch man zum Schlagzeug spielen ja schon beide Hände und Füße...

Meine Live-Auftritte basieren auf Schlagzeug und Synthesizer. Am Schlagzeug habe ich Trigger und Elektropads, denen ich mit einem programmierbaren Synthesizer dann bestimmte Samples zuweisen kann. Ich kann mir also zum Beispiel Akkorde auf Trommeln legen, oder ich spiele eine simple Schlagzeuglinie und kann dann mit einer freien Hand am Synthesizer was machen. Ab und zu höre ich von Leuten so was wie "Boah, ich dachte da spielt ne ganze Band!".  Ich möchte aber nicht als jemand beeindrucken, der viele Sachen gleichzeitig machen kann, sondern es geht mir primär um den Sound der dabei rauskommt. Bei meinen Freiburger Konzerten werde ich auch von meinem Gast-Gitarristen und früheren Bandkollegen Jürgen Schwer unterstützt. Das wirklich Komplizerte an meinen Konzerten ist eigentlich der Aufbau.

Sind die Songs bei deinen Auftritten also improvisiert?

Zum Teil schon. Der technische Aufbau beschreibt zwar den Song, weil Töne, Skalen und Akkorde im Synthesizer festgelegt sind. Letzendlich habe ich dann aber freie Hand: Wie lang der Song wird, ob es ruhig oder eher wild wird liegt an mir, ist quasi mit den Sticks verdrahtet.



Du wohnst in Berlin: Hat dich die große Musikszene dort beeinflusst?

Es gibt wirklich eine sehr große und sehr gute Szene. Dadurch sind die Leute aber auch anspruchsvoll: Jeden abend gibt es eine riesige Auswahl zwischen verschiedenen krass guten Livebands. Die Verbindung von Elektronik und Rock ist dort grade aktuell, ich selber bin aber etwas experimenteller, jazziger, vielleicht auch etwas freakiger.

Wie ist es für dich, in der Freiburger Heimat aufzutreten?

Ich freue mich auf meine Auftritte hier, da ich die Veranstalter noch von früher kenne, und auch auf bekannte Gesichter im Publikum hoffe. Ich war in den letzten vier Jahren selten hier, deshalb freue ich mich darauf, den Leuten die bisherige Weiterentwicklung meiner Musik zu präsentieren. ich spiele mit einem Gastgitarristen, mit dem ich schon früher bei Beeah hier in Freiburg zusammen gespielt habe.

Das Album heißt "Mad Scientist Drummer": Meinst du damit dich selbst?

Ja, allerdings habe ich den Namen von einem Freund, der mich mal nach einem Konzert so genannt hat. Er fand, dass ich wie ein verrückter Wissenschaftler hinter meinem Schlagzeug sitze, alles ist verkabelt und überall brodelt und kocht was vor sich hin. Selbst würde ich mich nicht so bezeichnen, der Titel spricht also über mich und nicht aus mir heraus. Die nächste Platte heißt dann wieder anders.

Mehr dazu:

  • Undergrind (Support im White Rabbit): MySpace
Was: Sebastian Arnold & Guest
Wann: Dienstag, 9. September 2008, 20 Uhr
Wo: Waldsee
Eintritt: frei

Wann:
Donnerstag, 11. September 2008, 21 Uhr
Wo: White Rabbit
Eintritt: 5 Euro

Wann: Mittwoch, 24. September 2008, 20 Uhr
Wo:E-Werk
Eintritt: frei