Wo rockt's? Nick Curran & The Lowlifes im Teng

Matthias Cromm

Shows über Shows überschwemmen gerade unser beschauliches Schwarzwaldstädtchen, alles prima Bands und die Auswahl fällt oft schwer. Auf keinen Fall solltet ihr allerdings Nick Curran verpassen. Bescheiden quetscht er sich mit seiner Band The Lowlifes auf den undankbaren Termin am heutigen Sonntagabend. Dennoch solltet ihr die müden Augen und Ohren aufreißen, den durchgefeierten Körper erheben und den Texaner mit seiner Combo erleben. Ich sage nur eins: Wunderknabe!

Auf dem Plakat und seinem aktuellen Pressefoto (siehe oben!) sieht Nick Curran eher aus wie Billie Joe Armstrongs kleiner Bruder oder vielleicht wie Steve E. Nix neuestes Bandmitglied. Marke leicht milchbubihafter Fashionpunk, die eine Hälfte Emo, die andere Hälfte Punkrocknachbau 1977. Wer Musiker Anfang 30 aus Austin, Texas, jetzt unterschätzt, tut dem Musikgenius zuhöchst unrecht und bringt sich selber vielleicht um das Konzerterlebnis des Jahres.


Mit drei hat Klein-Nick begonnen, Schlagzeug zu spielen, mit neun war er damit fertig und sattelte auf Gitarre um. Seit er neunzehn Lenze zählt, steht er auf der Profibühne.

Klein-Nicky scheint mit der Milch von BB King aufgezogen, Little Richard wiegte seine Wiege, Howlin' Wolf sang seine Einschlaflieder, Chuck Berry brachte ihm das Laufen bei, T-Bone Walker das Sprechen, mit den Ramones war er im Kindergarten und mit den Misfits drückte er die Schulbank. Klassenlehrer war Gene Vincent, Schulleiter John Lee Hooker, Screaming Joe Hawkins brachte ihn auf die Strasse und auf die schiefe Bahn. Das steht er nun, Gitarre in der Hand die Lowlifes im Rücken und hat sich zu einem der besten Songwriter, Sänger und Gitarristen auf dem Planeten Rock'n'Roll/R&B entwickelt. Aber wen sollte das bei dieser Kindheit wundern?

Wenn Nick Curran den Mund öffnet klingt das nicht wie dieses kleine Weißbrot da vor uns, das klingt wie großer, schwarzer Rhythm & Blues, wie er heute eigentlich gar nicht mehr reproduzierbar ist.

Alles um Nick Curran klingt grandios, intensiv, heiss und schwitzend. Das Schlagzeug sowie die Bläser klingen wie anno 1951, bevor der Soul den Rhythm and Blues für die weißen Wohnzimmer weichgespült hat. Tight scheppernd, leicht übersteuert, wild und hitzig, verdammt sexy, nach swingenden Ärschen, Händen, Armen, offenen Mündern, verschwitzen Körpern in der Schnaps angefeuerten Verausgabung des Tanzes irgendwo on the Bayou im unzugänglichen Delta des Mississippi.

Das Sounddesign ist bestimmt von der Kratzigkeit alter Mikrophone, dem Knarzen der harten Nadel auf Schellack, die Gitarre fordernd und rot-heiß bis untekühlt-blau, mal mit dem Rhythmus im Hintergrund, dann wieder kreischend nach vorne preschend. Über all diesem Feeling und Können liegt der Spirit von Punk mit der Seele des Blues.

Seit 1996 tourte er mit den großen US-Amerikanischen Rock'n'Rollern wie Ronnie Dawson, Kim Lenz & The Jaguars und Kim Wilsons Fabulous Thunderbirds. Seit 1999 veröffentlicht er auch Soloalben, das aktuelle heißt "Reform School Girl" und ist großartig. In Europa ist Nick Curran weitgehend unbekannt, sein US Label hat keinen europäischen Vertrieb und die Kunde von Nick und seiner Band schwappt erst langsam über den großen Teich nach Old Europe.

Im Anschluss gibt es heißen Rhythm & Blues, Soul, Rockabilly und Country von DJ Bellpaso und Hank the DJ, also mir selbst. Aber kommt nicht nur deswegen, sondern wegen Nick, und dann bleibt die ganze Nacht!

Nick Curran & The Nitelifes - Down Boy Down

Quelle: YouTube [youtube ZEd4JuYAltw nolink]  

Mehr dazu:

Was: Nick Curran & The Lowlifes
Wann: Sonntag, 28. November 2010, 21 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng