Wo rockt's? Gisbert zu Knyphausen im White Rabbit

Carolin Buchheim

Anfang April spielte Gisbert zu Knyphausen Olli Schulz, als dessen Support er mit ins Jazzhaus gekommen war, gleich einmal an die Wand: Neben zu Knyphausens fantastischen Songs verblasste Schulzes Comedy-Pop. Heute Abend gibt es den Mann mit dem schönen Märchenbuchnamen, dessen erstes Album gerade erschienen ist, mit seiner eigenen Band zu sehen, und zwar im White Rabbit. Hingehen!



„Mein Name ist Gisbert zu Knyphausen. Und bevor ihr fragt: Ja, der Name ist echt.“ So stellte sich Gisbert zu Knyphausen bei seinem Auftritt im Vorprogramm von Olli Schulz Anfang April im Freiburger Jazzhaus vor. Zum Zu-schön-um-wahr-zu- sein-Namen gehören auch noch der Titel „Freiherr“ und ein Weingut im Rheingau mit reichlich Familienhistorie, und jetzt ziert er auch das Debüt-Album des 28-jährigen, das vor wenigen Tagen erschienen ist.


Es ist ein Album das gut hineinpasst in die deutschsprachigen Veröffentlichungen dieses Frühjahrs, zu „Sylt“ von Kettcar, „Nach dem Goldrausch“ der Fotos, zum Solo-Album von Sterne-Frontmann Frank Spilker und zu „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ von Niels Frevert. Und doch fällt es auf, zwischen all den Männern, die über ihre Empfindungen singen. „Für mich klingt es nicht nach einem Debüt“, lobte Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch im Musikmagazin Intro im Gespräch mit Gisbert. „Eher nach einem, der schon jahrelang in anderen Bands Musik gemacht hat und jetzt sein Solo-Ding 'raushaut."

Es sind Songs für Endzwanziger der Generation Praktikum, chronisch auf dem Sprung und irgendwo dazwischen, zwischen Lieben, Jobs, Orten und Lebensentwürfen, und dabei beständig auf der Suche nach Halt oder zumindest nach Antworten auf die Fragen des Lebens. „Und kann mir einer mal verraten wieso wir sind in diesen Tagen?“ fragt von Knyphausen in „Flugangst“– und stellt klar, dass man bei aller Unsicherheit glücklich sein kann: „So gut wie heute ging es uns selten, oder vielleicht nie.“

Bei aller Nabelschau ergeht sich zu Knyphausen, der nach Zwischenstationen in Berlin und Nijmegen mittlerweile in Hamburg lebt, glücklicherweise nicht in Befindlichkeitspathos. „Und jetzt schau dich an und sag mir dann, denkst Du wirklich Du wärst so interessant, wenn Du dich suhlst in Deinem Schmerz?“ singt er in Rio-Reiser-Tonfall in „Spieglein, Spieglein“ seinem Spiegelbild ins Gesicht. „Und jetzt schau’ nicht so gequält! Das sieht Scheiße aus!“

Die schwierige Aufgabe des Unpeinlich-auf-Deutsch-Singens löst zu Knyphausen, indem er virtuos zwischen poetischer Kryptik und alltäglicher Schnodderigkeit pendelt, während er erzählend vom Weggehen und Ankommen, der Frage nach dem richtigen Moment und dem längst überfälligen Erwachsenwerden singt.

Seine vierköpfige Band spielt zu den gesungenen Geschichten einen fast zu perfekten melodischen Gitarrenpop, der mehr nach dem Mittleren Westen der USA als nach der Hamburger Wahlheimat klingt und an dem nur manchmal etwas zu schweinerockige Anleihen irritieren. So heißt denn auch das Waldshut-Hamburger Online-Label, über das zu Knyphausen vor dem Plattendeal seine Musik selbst vertrieb und dessen Logo auch auf der CD untergekommen ist, Omaha Records. Wie Omaha, Nebraska, dem Zuhause von Saddle-Creek, einem der erfolgreichsten Indielabels der USA, Heimat des Herzschmerz-Folkrocks von Bands wie Bright Eyes, Two Gallants und The Good Life.

„Der Name ist eine Hommage nicht nur an die Musik der Saddle-Creek-Bands, sondern auch an die Art, wie das Label geführt wird“, sagt zu Knyphausen. „Das ist rein aus Fantum entstanden.“ Zu Knyphausen ist der erste Omaha-Records-Künstler, der nun über ein herkömmliches Label, Pias, eine richtige Platte veröffentlicht. „Bisher habe ich meine Musik immer selbst gebrannt und bei Konzerten und über das Internet verkauft“, erzählt er. „Es ist faszinierend, dass die CD jetzt im Laden steht und Menschen sie kaufen können."



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Was:
Gisbert zu Knyphausen
Wann: Mittwoch, 7. Mai 2008
Wo: White Rabbit

Gisbert zu Knyphausen - Neues Jahr