Wo rockt’s? : ¡forward russia! in der Laiterie

Carolin Buchheim

"Our music’s like a strobe light!" erklärt Whiskas, Gitarrist von ¡forward russia!, den Sound seiner seltsamen, wunderbaren Elektro-Punk-Rock-Sonstwas Band. Heute Abend sind ¡forward russia! in der Laiterie in Straßburg. Immer her mit dem Exzess!

Die Musik von ¡forward russia! ist tatsächlich wie ein Strobe-Light. Sie ist das Strobe-Light in Deinem versifften Lieblingsclub ist, das Licht, unter dem Du schwitzend bis in den Morgen getanzt, Dich verliebt und zerstritten hast, das Licht, unter dem Du genau so viele Dancefloor-Erleuchtungen wie Diskodesaster erlebt hast. ¡forward russia! machen Musik zum viel zu viel VodkaRedbull dazu trinken, zum Tanzen, zum hysterischen Mitkreischen und zum dumme Dinge dazu tun wollen. Musik, um sich mal so richtig daneben zu benehmen. ¡forward russia! machen Musik für den Exzess, weil die Musik selbst exzessiv ist.


Das ¡forward russia! Universum besteht aus großen Melodien, flirrenden Synths, Breaks, Kreischen, Keifen, Klatschen, Flüstern, Skandieren, perlenden Gitarrenriffs, roughen Gitarrenriffs, tumben Punk-Drums, Panik und Zur-Schau-Gestellten-Emotionalitäten. Was The Rapture versuchen, macht diese Band so richtig: Einmal alles, bitte, und davon viel!

¡forward russia! sind aus Leeds, und all‘ die Kuscheln-mit-Kommunismus-Vorwürfe, die der Band wegen ihres Namens in den Rezensionen zu ihrem im August erschienenen ersten Album ‚Give me a Wall‘ diesen Herbst gemacht wurden, machen ungefähr genau so viel Sinn wie die Unterstellung, die Band habe den Namen nur deswegen um die ¡! ergänzt, damit sie bei itunes immer ganz oben stehen, direkt hinter !!!. Whiskas findet diese Unterstellungen unterhaltsam: „And hey, there are worse spots to be in itunes than right behind !!!, aren’t there?“

¡forward russia! pflegen ihre Exzentrik nicht nur mit den ¡! um ihren Namen herum und mit ihren durchgeknallten Songs, sondern auch damit, dass sie diese nicht etwa mit Titeln versehen, sondern einfach in der Reihenfolge ihrer Entstehung durchnummerieren und dann in wilder Reihenfolge veröffentlicht. ‚Give me a wall’ beginnt daher mit den Songs ‚Thirteen’, ‚Twelve’, Fifteen Part One’ und ‚Nine’. Aber auch dahinter steckt keine Kalkulation beteuert Whiskas: „We just started that while we were first rehearsing, and somehow it just stuck. It’s so practical!“

¡forward russia! sind übrigens eine Band die äußerlich genau so gegensätzlich und widersprüchlich ist wie ihr Sound. Da ist Frontman Tom Woodhead, strähnig, dünn, verzweifelt schreiend und zwischen Mikro und Synths flummiballhüpfend hin und her rennend, Bassist Rob Canning, der, wie Bassisten eben sind, ganz ruhig sein Ding schiebt, die blonde, brav aussehende Drummerin Katie Nicholls, die gerade erst frisch aus der Schule raus ist und Whiskas, Mastermind, Gitarrist, Label-Owner, Chorus-Shouter und Katie’s großer Bruder. Was für ein Haufen.

Live ist diese Band eine einzige wahnsinnige Offenbarung. Eine Band, die mindestens soviel tanzt und springt wie ihr Publikum, Band und Publikum im Tanzen vereint unter dem Flackern des Strobe-Lights. Wenn in diesem Monat eine Band es wert ist, nach Straßburg zu fahren, dann diese: Hingehen!


Mehr dazu:

¡forward russia!: Website und MySpace

Was: ¡forward russia! Wann: Freitag, 20.Oktober, 20:20 Uhr Wo: La Laiterie, Straßburg