Wo rockt's? Drei Punk-Bands in fünf Tagen

Matthias Cromm

Drei sehr unterschiedliche Punk-Bands buhlen an den nächsten fünf Tagen um die Gunst des geneigten Publikums: Mit Casting Out gibt's heute Abend modernen MTV-Punk im Walfisch, morgen Abend spielen die legendären No Means No im Café Atlantik auf, und am Dienstag gibt's Kommando Sonne-nmilch im White Rabbit. Hingehen könnte man überall und nichts spricht dagegen mehr als nur ein Konzert zu besuchen.



The Casting Out aus Newark, Delaware sind mit Sicherheit das allerletzte Mal zu sehen, immerhin gab die Band im Oktober ihre Auflösung bekannt. Anscheinend werden die Shows aber brav gespielt, man trennt sich auch nicht wegen Streitigkeiten sondern wegen der Unvereinbarkeit von persönlichen Prioritäten und Band/Tourleben.


2007 entstanden Casting Out aus den Scherben von Boysetsfire mit Sänger Nathan Gray und Gitarrist Joshua Latshaw. Letzterer musste allerdings schon kurze Zeit später au gesundheitlichen Gründen die Band verlassen. Jetzt das entgültige Aus und wer nocheinmal den mitreissenden melodischen Punkrock und die unverwechselbar energiereiche Stimme  von Ex-Boysetsfire-Kopf Nathan Gray erleben möchte, sollte sich tunlichst am Freitag in den Walfisch begeben.

Und übrigens: Im September 2009 traten die smarten Boys in der Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auf.

The Casting Out

Quelle: YouTube
[youtube dvEEELN6J4I nolink]



NoMeansNo sind ein ganz anderes Kaliber. Die bereits 1979 von den Brüdern Rob und John Wright gegründe Jazzcore-Band par excellence ist sicherlich eine der interessantesten Bands im Hardcore/Posthardcore-Genre überhaupt.

Die stark von Funk und Jazz inspirierte Rhythmik wird getrieben von Rob Wrights dominierenden Bass und den Breakbeats seines Bruders. Bei ihren Liveshows werden die beiden Brüder, die sich auch gerne als Mr. Right & Mr. Wrong bezeichnen, von verschieden Gitarristen unterstützt.

Zuordnungen der Personen sind hier allerdings oft schwierig, da auch bei anderen Mitgliedern der Formation Pseudonyme sehr beliebt sind. Ein und die selbe Person steht auch gerne mal bei jedem Plattenrelease mit einem anderen Namen im Booklet. Aber Namen verpuffen sowieso sobald auf der Bühne der erste Ton angeschlagen ist und sich das Jazzcoreuhrwerk in Bewegung setzt. Trotz ihrer oft politischen und/oder apokapyptischen Texte und des mitlerweile doch beträchtlichen Alters der Protagonisten herrscht auf Konzerten der Kannadier zumeist gute Laune und der musikalische Humor fackelt ein wahres Feuerwerk über den Ohren des Publikums ab.

Diese seit über 30 Jahren aktive Legende hat es immer wieder geschafft sich selber neu zu erfinden, übertrifft sich ständig selbst an Präzision und Ideen, so dass es unmöglich ist, der Band ihr Alter oder das Ausruhen auf alten Lorbeeren vorzuwerfen.

Die Brüder betreiben noch die Band Hanson Brothers und Rob Wright verfolgt als „Mr. Wrong“ sein eigenes Solo-Projekt. Nicht verpassen, Sonntag im Atlantik!

No means No - I've got a gun

Quelle: YouTube
[youtube QgBiTisZC3o nolink]



Kommando Sonne-nmilch
wurde ursprünglich von Jens Rachhut (Das Moor, Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle, Dackelblut, Oma Hans) und Brezel Göring (Stereo Total) gegründet.

Im Gegensatz zu Jens Rachhuts gerade aufgelösten Punkband Dackelblut war das erste Release von Kommando Sonnenmilch eine irre Soundcollage aus Elektronik, Hörspielen und akustischen Instrumenten. Das Projekt war eigentlich nur als Studiospielerei gedacht, trat aber später dann doch live auf. Schon nach der ersten Scheibe verliess Göring das Projekt und wurde durch die Schauspielerinnen Yvon Jansen und Katrin de Boer sowie Thomas Wenzel (Die Sterne & Cow), Stephan Mahler (Slime, Torpedo Moskau, das Moor, Angeschissen) und Ronnie Henseler ersetzt.

Das Album 'Der Specht Baut Keine Häuser Mehr' wurde dadurch noch verrückter und vielschichtiger als der Erstling. Danach verkleinerte sich die Band wieder und das Album 'Jamaika', das Minialbum 'Scheisse Nicht Schon Wieder Bernstein' und die aktuelle Scheibe 'Pfingsten' gehen stark in die Richtung Punkrock wie man ihn von Oma Hans kennt.

Jensens Bands sind allesamt die Vorlage für den Stil, den Turbostaat mittlerweile in die Hallen und auf die dicken Festivals mitgenommen haben. Hier ist das Original, ein Swamp-Konzert am Dienstag im Weissen Hasen!  

Kommando Sonne-nmilch

Quelle: YouTube
[youtube V7xCvkC1XX4 nolink]

Mehr dazu:

Was: Casting Out
Wann: Freitag, 12. November 2010
Wo: Walfisch

Was: NoMeansNo
Wann: Sonntag, 14. November 2010
Wo: Café Atlantik

Was: Kommando Sonnenmilch
Wann: Dienstag, 16. November 2010
Wo: White Rabbit