Wo rockt's? Disco Ensemble: Interview & Konzertvorschau

Gina Kutkat

Disco Ensemble? Dieser Name schreit nach leichtfüßigen, tanzbaren Indie-Pophymnen, die in der nächstgelegenen Disko Jungs und Mädchen in engen Hosen auf die Tanzfläche zwingen. Nix da: Disco Ensemble sind skandinavische Punk-Pop-Rocker, die sich zwar weitaus poppiger als punkig gebärden, die aber mit gängiger Diskomusik nichts am Hut haben. Morgen Abend spielen sie im Jazzhaus. Gina hat den Finnen vorher ein paar Fragen gestellt.




In diesem Frühjahr habt ihr Euer viertes Album veröffentlicht. Ihr habt es "The Island of Disco Ensemble" genannt. Könnt Ihr die Entwicklung beschreiben, die sich seit dem letzten Album "Magic Recoveries" getan hat?

Das ist schwer zu sagen. Ich finde, wir haben unseren Sound weiter entwickelt. Der Produzent Lasse Kurki ist großer Fan unserer Melodien, deswegen hat sich alles ein bißchen mehr in die melodische Richtung bewegt. Aufnahme und Vorproduktion waren diesmal konzentrierter und wir haben alles ein bißchen besser geplant als früher. Was außerdem neu dazu kam: Wir haben das Album in unserer Heimatstadt Helsinki aufgenommen.

Wenn man Euer Album hört, bekommt man den Eindruck, Eure Songs seien in Kombination mit viel Wut entstanden. Ist Musik auch eine Art Therapie für Euch?

Ja, irgendwie schon. Musik machen ist definitiv ein guter Weg, um Dampf abzulassen.

Auf Eurem neuen Album gefällt mir besonders der Song "Samantha". Wer ist dieses Mädchen über das Du singt und wo findest Du die Ideen für Deine Lyrics?

Danke schön. Es sind ein paar verschiedene Leute, die ich in einen Charakter gepresst habe. Ich finde überall Ideen: in Filmen, Büchern und in den Situationen, die sich um uns herum abspielen. Manchmal lasse ich mich auch von aktuellen Ereignissen inspirieren.

Eure anstehende Tour führt Euch durch viele verschiedene Länder und Städte. Wie gut lernt Ihr die Orte, in denen ihr spielt, kennen? Welches sind die guten und welches die schlechten Seiten am Touren?

Einige Orte lernt man sehr gut kennen - wie zum Beispiel Berlin. Wir waren schon oft dort und sind auch über einen längeren Zeitraum geblieben, deswegen kennen wir die Stadt ziemlich gut. Von einigen Orten sieht man meistens jedoch nur die Konzert-Location und sonst nichts. Touren ist am schönsten, wenn man eine 24-Stunden-Party feiert und hier und da ein bißchen Musik macht.  Es ist großartig von Stadt zu Stadt zu fahren, neue Leute und neue Länder kennenzulernen. Ich genieße außerdem das Gefühl der Isolation, das mit dem Touren einhergeht. Wenn man jeden Tag an einen anderen Ort fährt, erschafft man sich diese lustige eigene Welt, in der die Band und die Routine zum einzigen Realitätsbezug werden. Eine schlechte Seite gibt es für mich nicht. Das ganze Warten kann ermüdend werden, aber wir sind es gewohnt und können damit umgehen.

Ihr kommt aus Pori, einer Stadt in Finnland. Wie beurteilst Du die Musikszene in deiner Heimatstadt und in deinem Land?

Wir leben seit zehn Jahren nicht mehr in Pori, aber es gibt dort schon immer eine großartige Untergrund-Szene. Bands wie Circle and Magyar Posse sollte man sich wirklich anhören. Über die finnische Musikszene kann ich nicht viel sagen. Es gibt viele gute, aber genau so viele beschissene Bands - so wie überall anders auch.

Welche Musik hört Ihr im Tourbus?

Nicht viel. Wir machen alle die ganze Zeit über Musik mit unseren Computern, deswegen bleibt keine Zeit, um etwas anderes zu hören. Manchmal hören wir ruhige, düstere Musik wie zum Beispiel Mogwai wenn wir nicht schlafen können.

Disco Ensemble - White Flag For Peace


Quelle
: Youtube

[youtube A0fwXRrigPY nolink]

Mehr dazu:

Was: Disco Ensemble, Support: Jaakko & Jay
Wann: Freitag, 10. September 2010, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Eintritt: VVK 13, AK 16 Euro