Wo rockt's? Blackmail im Jazzhaus

Tobias Schächtele

Wer sich die Mühe macht, im Langenscheidt unter "Blackmail" nachzuschlagen, erfährt, dass sich die erfolgreiche deutsche Alternative-Rockband selbst "Erpressung" titelt. Dabei braucht es keine kriminellen Drohungen, um Blackmail das Prädikat großartig zu verleihen. Heute Abend kann man die vier Koblenzer im Jazzhaus erleben.



Die Bandgeschichte von Blackmail ließt sich gerade zu unaufgeregt klassisch. Sie führt über die Gründung per Kontaktanzeige zu Demokassetten und ihrem ersten Label bluNoise, gefolgt von obligatorischen Nebenprojekten, Überraschungserfolgen in Japan, dem Wandel von Vorband zum Headliner, einem Ausflug zu Warner, und fünf Alben, die stetig und verdienterweise mehr Beachtung ernten. Nebenbei prophezeien die einschlägigen Musikzeitschriften immer wieder den baldigen, entgütigen Durchbruch der Band.


Doch Blackmail brauchen keinen Hype, keine Welttournee, um ihre musikalische Größe zu unterstreichen. Wenn man ihnen im Abstand von einem Meter gegenübersteht, während die ausladenden Soundwände der Gebrüder Ebelhäuser und Schlageuger Mario Matthias über einen hinwegrollen und Leadsänger Aydo Abay zwischendrin gekonnt mit dem Publikum schäkert, wünscht man sich ohnehin alles herbei, außer einem zehn Meter breiten Security-Schützengraben.

Ist man ein bisschen filmverrückt, malen einem Blackmails epische Klangwelten phantastische Bilder vor die Augen. Wohl nicht zufällig finden sich unter ihren  Track - und Albumtiteln nicht wenige Bezüge auf Klassiker des Phantastischen - wie beispielsweise „Do Robots Dream Of Electric Sheep?“ (verfilmt als „Blade Runner“) und der überbordende Zehn-Minuten-Vierundvierzig-Epos „The Day the Earth Stood Still“. Hier kommen Musikfreunde und Cineasten gleichermaßen auf ihre Kosten, zumal die Bühnenshow ab und an mit kongenialen Leinwandprojektionen aufwartet. Bei einem derart dichten und erzählerischen Sound verzeiht man ihnen sogar den bei manchen Indie-Puristen verpönten Einsatz des Keyboardes.

Mehr dazu:

Was: Blackmail
Wann: Montag, 20. Oktober 2008, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus, Freiburg
Tickets: 20 Euro (Abendkasse); 19,75 Euro (Vorverkauf)

Blackmail: Shshshame

Quelle: YouTube