Wo rockt's? Austin Lucas im Swamp

Matthias Cromm

Auf der Gitarre von Austin Lucas steht "This machine kills Zombies". Diese sehr nerdige Hommage an Woody Guthrie zeigt einem schon, was für ein Kerl dieses schrecklich sympathische Pummelchen aus Bloomington, Indiana, ist. Warum man sein Konzert heute abend im Swamp auf gar keinen Fall verpassen sollte:



Seit einiger Zeit belämmern und bejammern uns diverse altgediente Punk- und Hardcore-Recken mit ihren Akustikgitarren und ihren mehr oder weniger durch Whiskey verfeinerten Stimmen. Ihre Vorbilder (und manchmal auch Materialieferanten) sind traditionelle Songwriter und Country- beziehungsweise Folkmusiker wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Bob Dylan, Johnny Cash, Hank Williams oder gar Leadbelly.


Doch so gut die Besinnung auf das Liedgut, das Mutti den kleinen Bürschchen seinerzeit gesungen oder die Punkrocker in Spe als Sprösslinge im Radio goutierten, so fern sind sie zumeist dem Feeling, der Stimme, dem Spirit des Midwestsongwritertums. Bekanntheit und Gefolgschaften werden eher über die angestammte Alt-Emo-Punk-HC Hörerschaft generiert, die im Hinblick auf die weit weniger hippen Ursprünge eher desinteressiert sein dürften.

Aber genug gelästert! Am Donnerstag gastiert im Swamp einer der ganz grossen Lichtblicke dieser neuen Generation Songwriter: Austin Lucas. Er schafft es das „alte“ Feeling wieder zu erwecken, das Hobofeeling der grossen US-amerikanischen Poeten, die die Ohnmacht der Great Depression in den musikalischen Fels der Songwritergeschichte gemeisselt haben und die Geschichten des kleinen Mannes in die Welt trugen.

Zugute kommt ihm seine rauhe aber gut ausgebildete Stimme, sein herrausragendes Songwriter-Talent, das Charme und Tragik, Humor und Unglück, Gänsehaut und Punkrock gleichermaßen verbindet. Als reisender Gossenpoet beschreibt er die Wirklichkeit des Amerikanischen Traumes, den Niedergang der Städte des Mittleren Westens, den Verfall und Zusammenbruch des Lebens im Allgemeinen. Die Geschichten von Austin Lucas sind untermalt von Musik, abwechslungsreich genug um immer wieder hinzuhören. Traditioneller Bluegrass und holperiger Folk, die Pedal Steel Guitar jammert zu den Schicksalen. Kombiniert mit Austin Lucas' eindringlichem Gesang klingen die Songs so intensiv, gefühlvoll, stark und verletzlich zugleich.

Wer bisher nur Chuck Ragan-Fan oder ähnliches war, sollte sich hier bekehren lassen! Absoluter Tip! Austin Lucas ist ein bisschen pummelig und macht ausserdem noch Hardcore/Trash Musik mit der Band 'Guided Cradle'.

Austin Lucas - Somebody loves you

Quelle: YouTube
[youtube L9T3OUKXbnw nolink]

Mehr dazu:


Was:
Austin Lucas (Support: Digger Barnes)
Wann: Mittwoch, 11. Mai 2011, 21 Uhr
Wo: Swamp, Freiburg