Wo rockt's? Anthony B im Jazzhaus

Daniel Weber

Oftmals ist Musik eben doch mehr als eine organisierte Form von Schallereignissen, die sich nur in des Hörers Ohr legt. Musik, speziell Reggae-Musik, ist auch eine Form von Botschaft, von Aufbegehren, von Emotionen. Anthony B ist einer der größten Reggae- und Dancehall-Stars Jamaikas und gibt diesen Dingen in seiner Musik Inhalt und Stimme. Heute Abend tritt er im Jazzhaus auf.

„Fire Pon Rome“ heißt sein erster großer Hit aus dem Jahre 1996. Mit krächzend-kraftvoller Stimme proklamierte er damals nichts weniger als dass Papst und Politiker brennen sollen und mit ihnen ganz Babylon.


Der 34-Jährige, der sich der Religion der Bobo-Dreads verschrieben hat und immer mit Turban zu sehen ist, hat seither hunderte Riddims mit ähnlichen Inhalten zum Lodern gebracht. Seine Diskografie ist dementsprechend (reggae-typisch) ellenlang und zählt mehr als 30 Alben.

Gegen das System Babylon aus der Sichtweise des Bürgertums schmettert Anthony B seine Reimsalven ins Mikrofon. Als babylonische Brut wird in Jamaika bekanntermaßen auch die Homosexualität angesehen, nicht nur von der Regierung, sondern auch vom Bürgertum. Auch hier ist es die Reggae-Musik, in der die große Abneigung gegen die sexuelle Andersartigkeit mit Tiraden kanalisiert wird.

In den letzten Jahren ist dieser Bereich des vielfältigen Reggae-Genres verstärkt in die Kritik der (westlichen) Welt geraten. Auch Anthony B stand im Zuge dessen in der Kritik, doch hat er sich schon seit Jahren eine andere, tolerantere, Denkweise angeeignet. Als Sünde sieht er es wohl noch immer an, in seiner Musik verurteilt er es jedoch nicht mehr. In seiner Musik geht es aber weiterhin um Botschaft, Aufbegehren und Emotionen. Für die gute Sache.

Mehr dazu:

Was: Anthony B
Wann: Donnerstag, 26. August 2010, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus
Tickets: 17 Euro (Vorverkauf, zuzüglich Gebühren), 20 Euro (Abendkasse)