Wo kommt das neue SC-Stadion hin?

Alexandra Sillgitt & Uwe Mauch

Seit Monaten ringen der SC Freiburg und die Stadt um den Standort für ein neues Stadion. Jetzt wurden fünf mögliche Orte vorgestellt, von denen zwei favorisiert werden. Die hatte bislang keiner auf der Agenda. [Mit Karte!]



Der SC Freiburg will sein Stadion, das Ex-Trainer Robin Dutt einst als "Alte Hütte" bezeichnete, loswerden und fordert eine neue Spielstätte. Es geht vordergründig um die Frage der Wettbewerbsfähigkeit eines Profivereins. Das zwingt die Kommunalpolitik, sich zu bekennen: Will sie Spitzenfußball? Und was ist sie bereit zu finanzieren?


Oberbürgermeister Dieter Salomon hat eine klare Linie verfolgt: Hilfe ja, Geld nein. Angesichts der Finanznöte der Stadt sei es nicht zu vertreten, Millionen in das Bundesligageschäft zu stecken, während noch viele Schulen auf die dringende Sanierung warten. Diese Position teilt auch der Gemeinderat. Doch nachdem eine sogenannte Machbarkeitsstudie des SC Freiburg nahezu ohne Erkenntnisgewinn geblieben war, rauften sich Rathausspitze und Sportclub zusammen und beauftragten das renommierte Planungs- und Architekturbüro Albert Speer + Partner aus Frankfurt.

Im Westen was Neues

Seit März war die Arbeitsgruppe auf der Suche und hat insgesamt 24 mögliche Standorte überprüft. Im Lauf der Monate sortierten sie 19 aus und richten nun ihren Fokus auf die verbliebenen fünf: am Schlattweg (Haid Süd), Real Süd (St. Georgen) und Flugplatz gelten als potentielle Standorte und zwei, die bislang keiner auf der Agenda hatte: Hirschmatten (Rieselfeld, Lehener Sender) und Brühl/Kleingärten Hettlinger (Messe).

Das sind die 5 verbliebenen Kandidaten in einer Karte:


Stadionstandorte auf einer größeren Karte anzeigen

Gemeinsam untersuchte die Gruppe die potentiellen Standorte hinsichtlich Eigentumsverhältnissen und Verfügbarkeit von Grundstücken, Größe, mögliche Konflikte mit naher Wohnbebauung, Natur- und Umweltschutz, Erschließung für Individual- und öffentlichen Nahverkehr sowie mit Fahrrad oder zu Fuß, oder auch städtebauliche Belange. Ebenfalls mit einbezogen wurde die Frage einer möglichen Integration von Einzelhandel oder Gewerbeflächen. Eine solche Lösung wurde beispielsweise beim neuen Basler Stadion, dem St.-Jakobs-Park realisiert.

Die nun ermittelten Standorte erfüllen, in unterschiedlicher Ausprägung, die meisten der Anforderungen. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Stadt und Sportclub heißt es jedoch, dass keiner von ihnen ohne Einschränkungen und konfliktfrei ist. Das Areal am Schlattweg beispielsweise ist zwar groß genug und verkehrstechnisch gut erschlossen, doch grenzt westlich ein Landschaftsschutzgebiet an. Zudem benötigt die Wirtschaftsförderung den Standort dringend für Erweiterungsplanungen Freiburger Unternehmen und für Neuansiedlungen. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass dort der SC demnächst gegen den Abstieg spielen wird.

Eine Multifunktionsarena im Westen der Stadt wurde gedanklich auf dem Gebiet durchgespielt, wo heute der "Real Süd" steht. Doch erteilen die Gutachter dieser Option eine Absage: die Nahverkehrsanbindung sei zu schlecht und wegen der Nähe von Wohnhäusern die zu erwartende Belastung für Anlieger zu hoch. Auch müsste das Einkaufszentrum komplett abgerissen werden und wäre längere Zeit geschlossen.

Ebenfalls aus dem Rennen ist der Standort Flugplatz – und das, obwohl mit dem Bau der Stadtbahn Messe und dem vorhandenen Straßennetz eine nahezu optimale verkehrliche Erschließung gesichert wäre. Für den Flugplatz spricht dem Gutachten zufolge auch, dass das Areal ausreichend Platz bietet für Trainings- und Parkplätze, zudem wäre auch eine Multifunktionsarena denkbar.

"Der wichtigste Einwand gegen den Standort ist der Flugplatz selbst", heißt es aber in der Pressemitteilung. Der Flugverkehr müsste eingestellt werden und dem stehen vertragliche Zusicherungen gegenüber den Nutzern des Flugplatzes im Rahmen des Bürgerentscheids von 1995 entgegen.

Warum werden diese Standorte favorisiert?

Somit sind noch zwei Standorte im Rennen: Zum einen die Hirschmatten, zwischen Lehen und Rieselfeld. Die landwirtschaftlichen Flächen bieten ausreichend Platz für Stadion, Trainings- und Parkplätzen, ist jedoch zur Hälfte in Privatbesitz. Erschlossen ist das Gelände für den Individualverkehr durch die Ausfahrt Lehen (Richtung Mundenhof) im Norden, sowie den Knotenpunkt Autobahnzubringer/Besanconallee beziehungsweise Paduaallee. Für den öffentlichen Nahverkehr empfehlen die Gutachter eine Verlängerung der Stadtbahn Rieselfeld bis in die Nähe des Areals. Probleme könnte allein der benachbarte Sendemast an diesem Standort bereiten.

Der zweite, von den Gutachtern favorisierte Standort, liegt hinter der Messe, ein Areal, das heute überwiegend als Kleingartenanlage genutzt wird. Nach Bewertung der Gutachter würde die Fläche aber nur Platz für ein reines Stadion plus circa 1000 Parkplätze bieten – dies könnte jedoch durch Parkraum an der Messe kompensiert werden. Bei dieser Variante müssten die Spieler vom SC an anderer Stelle trainieren, etwa beim derzeitigen Stadion. Allerdings verfüge das Gelände über eine gute Erschließung und einen nahezu optimalen ÖPNV-Anschluss. Die betroffenen Flächen sind der Mitteilung zufolge überwiegend im Eigentum der Stiftung und der Stadt, zum Teil in privater Hand.

An der Sondierung der Standorte waren von Seiten des Sportclubs der 1. Vorsitzende Fritz Keller und Verwaltungsdirektor Detlef Romeiko beteiligt, von Seiten der Stadt Baubürgermeister Martin Haag, der Erste Bürgermeister Otto Neideck, das Tiefbauamt, das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen, das Sportreferat, das Rechtsamt, das Umweltschutzamt sowie die FWTM. Als fachlicher Gutachter wurde das Frankfurter Büro Albert Speer + Partner eingeschaltet. Das verfügt über Erfahrungen bei Standort- und Konzeptuntersuchungen großer Stadionneubauten und war in die Planung der Allianz-Arena in München eingebunden.

Frage der Finanzierung

Neben den beiden nun herausgefilterten Standorten für einen Stadionneubau ist eine weitere Variante nach wie vor nicht vom Tisch: der Um- und Ausbau des Badenova-Stadions. Diese Option soll im weiteren Verfahren geprüft und beurteilt werden. Für die Standorte "Hirschmatten" und "Hettlinger" soll der SC Freiburg nun ermitteln, wie hoch die Investitionen sein werden, welche Finanzierungsmodelle möglich sind und ob es Zuschüsse gibt. Diese Aspekte sind neben dem Städtebau und der Verkehrsplanung wichtig, damit der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für einen Standort fassen kann. Im kommenden Januar soll es soweit sein. Bereits in den nächsten Wochen werden sich verschiedene Fachausschüsse des Gemeinderats mit dem Thema befassen. Auch der Dachverband der Freiburger Bürgervereine soll informiert werden. Außerdem, so Baudezernent Martin Haag, werde es eine umfangreiche Bürgerbeteiligung geben.

Im Januar 2012 soll das Thema in den Gemeinderat.

Mehr dazu:

badische-zeitung.de: Fotos: 10 mögliche Standorte eines neuen Stadions [Bild: Ingo Schneider / Badische Zeitung]