Internationale Kundgebung

Wissenschaftler gehen am kommenden Samstag beim "March for Science" auf die Straße

Fabian Vögtle

Dank "alternativen Fakten" gerät die Forschung zunehmend in Verruf. Die Teilnehmer des "March for Science" am 22. April wollen den Wert der Wissenschaft verteidigen – auch in Freiburg.

"Wir wollen den Wert der Wissenschaft verteidigen, denn die steht international unter Beschuss", sagt Andrea Streckenbach. Ob in der Türkei, Ungarn oder den USA. Die Meinung basiere immer öfter auf Emotionen und nicht mehr auf wissensbasierten Fakten, findet die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Germanistische Linguistik an der Universität Freiburg.


Mehr als 500 Städte haben ihre Teilnahme angekündigt

Zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Uni-Mitarbeiter, Doktoranden und Studenten organisiert sie am 22. April den Freiburger Ableger des March for Science, der an diesem Tag weltweit in mehr als 500 Städten stattfinden soll. Mit der Demonstration wollen die Macher deutlich zeigen, dass wissenschaftliche Fakten als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. "Die Freiheit der Forschung ist bedroht", findet Streckenbach. Biologie-Professor Ralf Reski, der als Sprecher der Professoren im Senat agiert – der den March for Science wohlwollend unterstützt – sieht die Uni als größten Arbeitgeber der Stadt in der Pflicht.

Die Errungenschaften der Aufklärung sind in Gefahr

"Wir müssen in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür schaffen", sagt Reski mit Bezug auf die drohende Gefahr für die Wissenschaft und damit die Demokratie. "Die Unis sind Leuchttürme der Aufklärung." Und da es gerade weltweit Bewegungen gegen deren Errungenschaften gebe, müsse man diese vehementer verteidigen als in vergangenen Zeiten – für offene Grenzen und internationalen Austausch. Dazu gehöre auch, dass man sich als Wissenschaftler öfter außerhalb der Uni präsentiere. "Wir müssen zeigen, dass es uns gibt und erklären, was wir machen und wofür wir stehen", appelliert Reski auch an seine Kollegen. Denn schon jetzt werde die Meinung von Experten aus der Universität immer häufiger infrage gestellt. "Experte gilt oft schon als Schimpfwort", sagt Reski.

Ein Drittel Freiburgs ist von der Wissenschaft betroffen

Es gehe jedoch im Kern nicht darum, einen Berufsstand zu verteidigen, sagt Christian Kröper. Der Anglistik-Student gehört zum Organisationsteam und betont, dass die Demo von und mit studentischer Beteiligung abläuft. "Wir wollen die derzeitigen gesellschaftlichen Rückschritte aufhalten und dagegen unsere Stimme erheben." Rudolf-Werner Dreier, Pressesprecher der Uni, steht voll hinter dem March of Science. "Das ist für viele Freiburger relevant", sagt er. Denn rund ein Drittel der Leute in der Stadt sind direkt oder indirekt von der Wissenschaft betroffen. "Die Wissenschaftler müssen sich unbedingt in die politische Diskussion einmischen", findet Dreier. Das sieht auch Philipp Mehne so. Der Doktorand am Institut für Mikrosystemtechnik verweist darauf, dass alle möglichen Gruppen und Fachgebiete innerhalb der Uni im Boot sitzen. Zudem beteiligten sich die anderen Hochschulen in der Stadt und zahlreiche Forschungsinstitute.
Der March of Science beginnt am 22. April um 11 Uhr auf dem Platz der Weißen Rose. Über die Sedan-, Bertold- und Kaiser-Joseph-Straße geht es zum Augustinerplatz, auf dem die Abschlusskundgebung stattfindet. Redner werden unter anderem Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer und Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach sein.