Virtual Reality

Wird diese Technik verändern, wie Du Sex hast?

Manuel Fritsch

Sex im virtuellen Raum ist ist keine Utopie mehr. Mit dem Einzug von Virtual-Reality-Geräten in die Wohnzimmer will die Porno-Industrie neue Märkte erschließen. Vier Beispiele für Technik, die unser Sexleben verändern könnte.


1. Fotorealistische Virtual-Reality-Pornos

In 3D erstellte Figuren sehen noch lange nicht aus wie echte Menschen. Anbieter wie VRGirlz und Holodexxx arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, Virtual-Reality-Pornos visuell ansprechender zu machen. Ihr Lösungsansatz besteht darin, Vollkörper-Scans von Erotikmodels anzufertigen und diese als stereoskopische 3D-Modelle anzubieten. Mit Hilfe aufwändiger Kameraaufbauten werden die Pornodarsteller in 360° eingescannt. Dies erlaubt eine Darstellung aus allen Blinkwinkeln, auch wenn sich der User im Raum um diese Figur bewegt und sich ihr nähert.

In der frei verfügbaren Demoversion von VRGirlz fällt jedoch schnell auf, worin derzeit noch das Problem für den Betrachter liegt: Die Körper, so perfekt und realistisch diese auch bereits aussehen, wirken nicht lebendig. Man kommt sich vor wie bei einem Besuch in einem Wachsfigurenkabinett, in dem der pubertäre Sohn des Nachtwächters alle weiblichen Figuren entkleidet und in unzüchtige Posen drapiert hat. Holodexxx hat den Veröffentlichungstermin seines ersten Modells vorerst zurückgehalten und die Planung umgestellt. Über Crowdfunding soll nun weiteres Geld eingesammelt werden, um animierte Bewegungen anbieten zu können, die lebendiger wirken.

2. Sex mit animierten Chat-Avataren

Erotisch aufgeladene Konversation gibt es wohl schon so lange, wie Menschen miteinander über Telefon, Briefe, Internet oder SMS kommunizieren. Der eigentliche Akt findet im Kopf und optional durch Selbstbefriedigung statt.

Hier setzen Anbieter wie 3dxchat oder Chathouse 3D an. In diesen Diensten können Avatare miteinander Geschlechtsverkehr und andere sexuelle Spielarten simulieren. Eine Unterstützung gängiger VR-Geräte ist hier aus wirtschaftlicher Sicht der nachvollziehbare, nächste Schritt. Noch wirken diese Angebote auf den ersten Blick etwas unbeholfen und aufgrund ihrer ungelenken "Barbie und Ken"-Optik oft eher belustigend als erregend. Das Bewusstsein, dass auf der anderen Seite ein echter Mensch mit einem interagiert, ist vermutlich der sehr viel größere Anreiz. Mit einem zu erwartenden technischen Qualitätsanstieg der Charaktermodelle und der Animationen ist hier in naher Zukunft zu rechnen. Das dürfte für zusätzlichen Gesprächsbedarf unter Paaren sorgen: Gilt animierter Geschlechtsverkehr mit einem Sexchat-Avatar als Fremdgehen?

3. Sexpuppen, die lernen, was einem gefällt

Was Matt McMullen, Creative Director und CEO der Firma RealDolls derzeit plant, klingt so richtig nach SciFi und Zukunft. Der Erfinder der lebensgroßen Silikonsexpuppen hat das Projekt "Realbotix" gestartet, das künstliche Intelligenz, Robotik und Virtual Reality miteinander verschmelzen lassen will.

Die "Realbotix App", die für Smartphones und Tablets veröffentlicht werden soll, soll ähnlich wie das Betriebssystem im Film "Her" von Spike Jonze durch Interaktionen und Spracherkennung mit dem Benutzer nach und nach lernen, welche Vorlieben dieser hat und so eine virtuelle Beziehung simulieren. In der zweiten Phase soll Robotik ins Spiel kommen. Das Unternehmen arbeitet aktuell an einem Roboterkopf-Aufsatz für ihre lebensgroßen RealDoll-Sexpuppen. In Verbindung mit der antrainierten künstlichen Intelligenz der Realbotix-App soll dieser Kopf "zum Leben" erweckt werden. Die vorher rein virtuelle Persönlichkeit soll durch die mechanischen Bewegungen des Gesichts eine weitere, persönliche Ebene erhalten und damit greifbarer werden. Zusätzlich eingebaute Sensorik im Roboterkopf soll dafür sorgen, dass die Puppe sogar auf Berührungen im Gesicht reagieren kann.

Realdolls – die es übrigens nicht nur als Frauen- sondern auch als Männermodelle gibt – kosten bereits ohne Robotik mehrere Tausend US-Dollar. Daher ist davon auszugehen, dass die lernfähigen Sexroboter ein Luxusspielzeug bleiben werden. Aus diesem Grund will die Firma in den VR-Markt investieren. Unter dem Projektnamen "Virtual Realdolls" arbeiten die Programmierer an einer Anwendung, die die Interaktion mit der künstlichen Intelligenz im virtuellen Raum ermöglichen soll.

4. Synchron-Sex-Toys

Das Problem mit der fehlenden Haptik beim virtuellen Liebesspiel haben auch andere Firmen ausgemacht. Die niederländische Firma Kiiroo hat vor kurzem "Couple Toys" für heterosexuelle Paare in Fernbeziehungen auf den Markt gebracht. Das Set besteht aus einem Vibrator und einem Masturbator. Der Clou: Beide Geräte können über das Internet miteinander kommunizieren. Der Vibrator verfügt über insgesamt fünf Ringsensoren, die beim Einführen in den Körper die gemessenen Bewegungen als Signale auf die Mechanik des Masturbators übertragen und so das Gefühl einer Bewegung simulieren. "Meiner Meinung nach ist es aber noch ein weiter Weg zu einer gefühlsechten Stimulation", erklärt Henning vom Sextoy-Testblog Strap-on-it.de, der das Spielzeug mit seiner Partnerin ausprobiert hat.

Das Unternehmen bietet auch eine zusätzliche Nutzungsvariante für Single-Männer an. Dazu hat die Firma Pornoclips, in denen die Darstellerinnen mit einem entsprechenden Sextoy hantieren, mit speziellen Timecodes nachbearbeitet, der die Kontraktionen im Masturbator passend zum Video auslöst. Zusätzlich erhalten Webcam-Girls die Möglichkeit, die Sensor-Übertragungen ihres Geräts mit mehreren Zuschauern zu teilen. So ist das Gerät auch im Alleingang nutzbar und kann als körperliche Stimulation zum Gesehenen genutzt werden.