Wir machen Freiburg schöner: Ein Interview über den Dreck dieser Stadt

Lisa Göllert & Anna Germek

Welche Menschen sorgen eigentlich dafür, dass Freiburg sauber bleibt? Dieser Frage sind wir nachgegangen, und haben mit zwei ASF-Mitarbeitern gesprochen.

Pizzaschachteln, Coffee-to-go-Becher, Kippenstummel: Damit haben die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) Dietrich Klein und Patrick Kretzschmar täglich zu tun. Klein arbeitet schon 32 Jahre für den ASF. Kretzschmar ist seit sechs Jahren dabei. Ein Interview über den Dreck dieser Stadt.


Fudder: Was haben Sie heute schon gemacht?
Dietrich Klein: Was wir jeden Tag machen: die Altstadt sauber.

Fudder: Wie sieht Ihr Alltag aus?
Klein: Ich bin Vorarbeiter und Fahrer. Um 6 Uhr fahren wir vom Betriebshof weg, dann lasse ich Kollegen über die Stadt verteilt raus. Wir sind ein Team von 5 bis 6 Leuten. Die machen jeweils ihre Tour. Ich mache die Plätze und die kleinen Gässle. Einer fährt immer mit dem Gaswagen und macht nur die Kajo und das Bermudadreieck – da ist der meiste Müll.
Patrick Kretzschmar: Ich blase den Müll zusammen, damit die Maschine ihn mitnehmen kann. Kurz vor 9 Uhr sammeln wir uns alle wieder und machen Vesperpause. Ein Kollege macht die Grünfläche beim Bahnhof, eine anderer am Schlossbergring und im Sedanviertel. Es gibt Park- und Spielplätze, die gereinigt werden müssen.

Fudder: Sehen Sie in Sachen Müll eine Veränderung in den letzten Jahren?
Kretzschmar: Es ist einfach viel mehr geworden, weil wir eine Wegwerfgesellschaft sind. Überall liegen Pizzaschachteln, Chinaboxen oder Kaffeebecher herum.
Klein: Wenn es kein Pfand gibt, wird alles auf die Straße geworfen.

Fudder: Wo ist es am dreckigsten in Freiburg?
Klein: Auf der Kajo. Das merkt man besonders, wenn Ferien sind. Auch am Augustinerplatz und im Bermudadreieck.

Fudder: Haben Sie schon einmal etwas Ungewöhnliches gefunden?
Kretzschmar: Was ist schon ungewöhnlich? Es wird alles weggeworfen. Vom Papier, über das Handy zum Computer – alles.
Klein: Der neueste Gag ist: Sie stellen Sachen vor die Türe und schreiben "Zu verschenken" dazu. Und wenn es niemand mitnimmt, müssen wir es wieder entsorgen. Das ist der große Renner. Oder auch beim Glascontainer steht Sperrmüll. Mich überrascht gar nichts mehr!

Fudder: Hat der Müll überhand genommen?
Kretzschmar: Auf jeden Fall. Im Grunde könnte man Freiburg 24 Stunden am Tag säubern.
Klein: Es gibt auch noch eine Spätschicht, von 12 bis 21 Uhr. Eine Rundumbetreuung sozusagen.

Fudder: Wie reagieren Passanten auf Sie bei der Arbeit?
Klein: Manche finden es gut, manche schlecht.
Kretzschmar: Einige bedanken sich, dass wir die Stadt sauber machen, vor allem Ältere. Es gibt aber auch Menschen, die uns beschimpfen und sagen: "Müsst ihr hier sauber machen?" Aber es ist unterschiedlich. Auch jüngere Menschen bedanken sich bei uns.

Fudder: Putzen Sie nach der Arbeit auch noch zu Hause?
Klein: Muss man ja! Man kann nicht einfach sagen, dass die Frau es machen soll, nur weil man schon den ganzen Tag gereinigt hat. Das kann man sich nicht aussuchen.

Fudder: Macht Ihnen die Arbeit Spaß? Sind Sie zufrieden?
Klein: Es ist eben Routine. Es gibt Tage, an denen es gut läuft. Und Tage, an denen es schlecht läuft. Das ist wie bei jedem Beruf.

Fudder: Finden Sie Ihren Job wichtig?
Klein: Haja! Sonst würden nur noch Ratten durch die Stadt laufen. Es ist auch wichtig für den Tourismus.
Kretzschmar: Wir denken uns manchmal, wenn besonders viel gemeckert wurde: Ein Streik von ein bis zwei Monaten würde zeigen, wie viel Müll sich in dieser Zeit anhäuft.

Fudder: Was halten Sie von den 90 neuen Designermülleimern?
Klein: Die montieren wir gerade. Wir finden die neuen Mülleimer gut.
Kretzschmar: Früher wurde einfach säckeweise Hausmüll hineingeworfen – selbst wenn wir die Leute darauf angesprochen haben. Die neuen Eimer haben schmalere Öffnungen, damit man nur noch kleinere Gegenstände wegwerfen kann. Und sie sehen eben schöner aus.