Wir haben einem der bekanntesten Musikexperten Deutschlands den Fasnetshit "Schorli wiss sür" vorgespielt

Marius Buhl

"Schorliii, Schorliii, Schorliii, Schorli wiss sür!" Der Fasnetshit 2016 kommt von einer südbadischen Band. Wir haben einen der renommiertesten Musikexperten Deutschlands um eine Einschätzung gebeten. Seinen Namen dürfen wir nicht verraten:



Bevor Du zum Experteninterview kommst, hier noch eine Einladung: Die Badische Zeitung feiert heute um 12 Uhr 30 ihren 50.000 Facebook-Fan auf dem Rathausplatz. Es gibt Gratis-Berliner - und dieses fantastische Fasnetslied (live!), vom dem im Interview gleich die Rede sein wird.

"Bitte zitieren sie mich nicht!" Das war die Bedingung unter der einer der bekanntesten Musikwissenschaftler dieses Landes sich für uns "Schorli wiss sür" angehört hat. Der Song, der kurzzeitig sogar Helene Fischer von Platz zwei der iTunes Schlagercharts verdrängte, geht ins Ohr - und stammt aus der Regio. Gesungen wird er von der Band Rhinwaldsounds aus der Ortenau. Hier ist er nochmal:



Und hier nun das Interview mit dem Experten:

Warum geht der Song ins Ohr?

Die Strophe besteht aus wenigen Tönen, sodass man über keine besonderen sängerischen Fähigkeiten verfügen muss. Außerdem ist es auch noch im angeheiterten Zustand einwandfrei zu artikulieren. Der Refrain besteht „nur“ aus kumulierenden Akkorden. Dies kennt man spätestens seit den 1960er Jahren aus dem Pop-Bereich, egal ob Beatles oder Beach Boys. Somit auch hier ein „dejà-vu“ oder „dejà-entendu“ für die Konsumentinnen und Konsumenten. Letztlich geht es auch ums Trinken, ein zentrales Thema in der Karnevalszeit.

Was haben Karnevalslieder für gewöhnlich gemein und wo erkennt man das in diesem Song?

Die Trink-Inhalte als Themen. Andererseits ist die Mundart ja eine Besonderheit und das wird durch Ablehnung anderer Spirituosen und Drinks ja weiter geografisch unterstützt. Als ein „typischer“ Karnevalssong geht er eigentlich nicht durch, verglichen mit den Kölner Hits. Diese haben etwas andere harmonische Formeln und auch melodisch etwas aufwendigere Refrains.

Verstehen sie den Dialekt und wie schätzen sie dessen Wirkung aufs Lied ein?

Ich verstehe diesen Dialekt nur bedingt, aber ich denke, dass die zentrale Message rüberkommt. Ein wichtiger Punkt, um massenkompatibel zu bleiben, bei aller regionalen Bezugnahme.

Schreiben Sie gerne alles auf, was Ihnen zum Lied sonst noch einfällt.

Die Interpreten funktionieren sicherlich auch als Modelle der Projektion (für Männer und Frauen). Ein wichtiger Punkt. Weiterhin finden recht viele deutschen Satzgesang (à la Wise Guys usw.) immer wieder gut. Das findet sich ja hier auch.

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[Foto: fotolia.com/Igor Normann]