Willst du dein Facebook-Profil als Buch haben?

Christoph Müller-Stoffels

Stell dir vor, deine ganzen Facebook-Status-Meldungen werden von deinen Enkeln gelesen. Hast du schon oft? Weil es unendlich viele Facebook-Print-Projekt-Versuche gibt? Und keines davon erscheint dir sinnvoll? Gut, hier kommt noch eines.



In den Anfangstagen des World Wide Web hatte sich eine geradezu utopische Jubelstimmung unter Baumfreunden verfestigt. Email sei dank, so die Annahme, würden nun immer weniger Druckerzeugnisse auf den Markt geworfen, weshalb die Bäume wieder dazu genutzt werden könnten, wozu sie da sind: zum umarmen.


Die Hoffnung war verfrüht, denn dieser Tage werden nicht nur nur unnütze Emails ausgedruckt und archiviert, auch das Geschäft mit Facebook-Druckerzeugnissen läuft prächtig. Immer wieder wollen Unternehmer die Statusmeldungen auf Papier bannen. Für die Oma ohne Facebook oder für die eigene Erinnerung, wie das Projekt YourSocialBook, das sich derzeit um eine Anschubfinanzierung bemüht.

„Stell dir vor“, wirbt das Unternehmen, „du kannst in 20 Jahren die ganzen besonderen Momente noch einmal erleben, die du mit deinen Freunden geteilt hast.“ Was genau ist damit gemeint? „Endlich ist Freitag“? Oder ein per iPhone gepostetes „Ski!“? Wer braucht das? Natürlich niemand. Es ist nur eine weitere Möglichkeit, auch in Finanzkrisenzeiten sich seines Geldes zu entledigen.



Die gute Nachricht ist, dass es wahrscheinlich nicht in die Tat umgesetzt wird. Das Projekt sucht Hände ringend nach Kickstarter-Unterstützung. Bis Freitag müssen 10.000 Dollar beisammen sein, und die Chancen stehen ausgezeichnet, dass das nicht erreicht wird. Bislang haben acht Unterstützer zusammen 1005 Dollar angehäuft.

Ob die laue Nachfrage mit dem Bewerbungsvideo bei Kickstarter zusammenhängt, mit der piepsigen Stimme, mit der Cheryl ein "Social book" (oder auch "Facebook book") präsentiert, oder schlicht damit, dass die Idee ungefähr so gut ist, wie es Fotoalben vor dreißig oder vierzig Jahren waren, sei dahin gestellt. Fakt ist, dass noch viele derartige Projekte auf uns zukommen werden und der Papierbedarf schwerlich zu decken sein wird. Wir sollten also Bäume umarmen, solange noch welche da sind.

PS: Dieser Artikel muss nicht ausgedruckt und archiviert werden.