Willkommenskultour in Freiburg: Blogger reisen zu Flüchtlings-Projekten

Tilman Markowetz

Überall in Deutschland gibt es Projekte, die Flüchtlingen helfen. Sebastian Stachorra und Jil Blume besuchen sie und berichten darüber bei Facebook und auf ihrer Website. Ihre Reise wird per Crowdfunding finanziert. Tilman Markowetz hat mit den beiden gesprochen um herauszufinden, was das Ganze soll.



Was wollt ihr mit der Willkommenskultour erreichen?

Das Ziel unserer Willkommenskultour ist, erfolgreiche Projekte in Deutschland zu besuchen und herauszufinden, welche Faktoren eine Rolle spielen, dass diese Projekte überhaupt erfolgreich werden können. Es ist schwer, Erfolg zu messen. Wir wollen bei den verschiedenen Projekten deutschlandweit Gemeinsamkeiten finden, die zum Gelingen beitragen. Wenn wir eine Systematik erkennen können, können damit später mehr Projekte zum Erfolg gebracht werden.

Welche Städte stehen auf der Liste und wie sieht Eure Tätigkeit vor Ort aus?

Unsere Ziele haben wir unter anderem durch eine Liste von ‚Pro Asyl‘ mit erfolgreichen Projekten gefunden. Hamburg, Osnabrück und viele weitere Städte stehen auf der Liste. Wir wollen die verschiedenen Perspektiven sehen und verstehen, was die Menschen fühlen, die gerade nach Deutschland in ein solches Projekt gekommen sind. Bei der nächsten Station in Weinheim werden wir einen gelungenen Austausch mit Politik, Bürgern und Flüchtlingen beobachten können. Dort gab es erst große Skepsis, die sich später gelegt hat. Dann geht es weiter nach Sachsen. Dort gibt es ehrenamtliche Helfer, die Flüchtlinge vor Angriffen von Rechten schützen. Wir wollen verstehen lernen, wie jemand so eine Aufgabe freiwillig übernehmen will. Darüber berichten wir.

Was habt Ihr Euch in Freiburg vorgenommen?

Unsere jetzige Station Freiburg hat viele praktische Gründe. Seit Ende August sind wir unterwegs. Wir müssen auch mal kurz verschnaufen, unsere Gefühle und Eindrücke sammeln und uns auf die weitere Reise vorbereiten. In Freiburg nutzen wir auch die Zeit, um über unsere These nachzudenken. Sind Städte ein besserer Nährboden für erfolgreiche Projekte als dörfliche Strukturen? In der Stadt sind die Menschen an ständige, große Veränderungen gewöhnt. Wir arbeiten weiterhin die vergangenen Tage auf und füttern Facebook, die Website und Youtube. Gerne würden wir das Projekt "Starthilfe" besuchen. Das ist ein Jugendtreff in Gemeinderäumen. Ob es klappt zeigt sich noch spontan. Die Debatte um das Willkommenszelt haben wir interessiert verfolgt. Wir waren allerdings außerplanmäßig in München, um mit eigenen Augen zu betrachten, was dort vor sich geht.



Lasst Ihr Euch nur geschickt eine Reise bezahlen?

Wir wollen die Faktoren des Erfolgs ergründen. Dies dokumentieren wir ausführlich crossmedial. Jeder Spender sieht also, was wir mit den Spendengeldern unternehmen. Wer sich mit dem Thema wirklich auseinandersetzt merkt, dass dies kein "Urlaubsthema" ist. Das gesammelte Geld wird hauptsächlich für die Reisekosten benötigt. Wir wollen erfolgreiche Projekte zeigen und gleichzeitig für Engagement werben. Viele Helfer helfen neben dem Beruf, vielleicht finden sich weitere Menschen, die sich für die Flüchtlinge engagieren.

Das heißt also, dies ist keine Selbstinszenierung?

Diesem Vorwurf muss sich jeder Medienschaffende stellen! Wir nutzen unsere Kanäle um zu zeigen, was die verschiedenen Projekte verbindet und wie jeder Mensch helfen kann. Wir wollen nicht einfach nur das eine Projekt in der einen Stadt porträtieren. Wir zeigen: Es gibt überall viele helfende Hände, viele erfolgreiche Projekte, die nach bestimmten Prinzipien funktionieren. Speziell möchten wir hier darauf Aufmerksam machen, dass wir nicht durch Portraitbilder von Flüchtlingen, von Vätern, Müttern und Kindern Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Wir respektieren die Privatsphäre der Menschen, wollen diesen aber Gleichzeitig die Chance geben, sich zur Thematik zu äußern. 46 Spender haben uns bisher das Vertrauen geschenkt und wir sind sicher, dass noch weitere dazukommen!

Zur Person

Sebastian Stachorra (im Bild oben links)
21 Jahre. Studiert in Münster Philosophie und Ökonomik. Über das Engagement bei der „Jugendpresse“, wo sich junge Medienmachen treffen und Projekte durchführen, hat er Jil kennengelernt.

Jil Blume (rechts)
Ist 26 Jahre alt und studiert  Germanistik in Köln. Beim Austausch bei der Jugendpresse mit Sebastian kam die Idee auf, das Thema „Flüchtlinge“ anzugehen. Die Flucht ist das Eine. Aber was passiert in Deutschland?

Mehr dazu:

  [Foto: willkommenskultour]