Willkommen im Keller: Der SC steht sich beim Spiel gegen den HSV selbst im Weg

Maria-Xenia Hardt

Am Sonntagnachmittag hat der SC Freiburg das Kellerduell gegen den HSV mit 1:2 verloren. Mit mangelhafter Chancenverwertung und einem vergebenen Elfmeter brachten sich die Breisgauer selbst um wertvolle Punkte. Willkommen im Abstiegskampf!

Die Freiburger Fans hatten allen Grund zur Hoffnung: Das letzte Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach hatte die Mannschaft von Marcus Sorg mit 1:0 gewonnen. Und mit dem Hamburger SV war nun wahrlich kein Topverein zu Gast: Bei der Anreise grüßte der Bundesliga- Dino mit vier Punkten vom letzten Tabellenplatz.


Der SC musste auf Außenverteidiger Mensur Mujdza verzichten, der sich im Länderspieleinsatz für Bosnien-Herzegowina den Mittelfuß gebrochen hatte, dafür durfte sich Neuzugang Andreas Hinkel über sein erstes Bundesligaspiel nach fünfjähriger Abstinenz freuen.

Bei bestem Oktoberwetter war schnell klar, was die 24 000 Zuschauer (unter ihnen auch Bundestrainer Jogi Löw) zu erwarten hatten: Ein packendes Spiel, aber keineswegs ein hochklassiges. Die Fehlpässe häuften sich auf beiden Seiten, der HSV agierte zunächst zögerlich, die Freiburger rannten sich immer wieder in der Mitte fest; wenn etwas ging, dann bei Standartsituationen.



Julian Schuster setzte in der 10. Minute mit einem Freistoß das erste Achtungszeichen, HSV-Schlussmann Drobny konnte den Ball aber um den Pfosten lenken. Zwei Minuten später hatten die Hanseaten mehr Erfolg: Pertic hämmerte zunächst einen Freistoß aus 30 Metern Entfernung ans Lattenkreuz. Beim Eckball kurz danach konnte Brumas Kopfstoß noch abgeweht werden, aber Sons Abstauber landete im Tor – 1:0 für den HSV.

Infolgedessen lieferten sich beide Teams einen sehenswerten Kampf; individuelle Fehler auf Hamburger Seite sorgten für einige sehr gute Torchancen der Heimmannschaft; individuelles Unvermögen auf Freiburger Seite sorgten dafür, dass es Torchancen blieben: Weder Cissé (23. und 31. Minute), noch Abdessadki (26.), noch Makiadi (31.) konnten einnetzen, was auch an Jaroslav Drobny lag, der schon zur Halbzeitpause alle Kritiker der letzten Wochen verstummen ließ.

À propos verstummen: Während sich der HSV-Gästeblock mit lautstarken Gesängen zu Anfang des Spiels noch recht erfolgreich gegen die zahlenmäßige Überlegenheit der Freiburger zu Wehr gesetzt hatte, mussten sie zum Ende der ersten Halbzeit das akustische Feld der Nordkurve überlassen.

Die zweite Halbzeit begann fulminant: HSV-Verteidiger Rajtovic ließ den Ball ungehindert vorbei und direkt vor Cissés Füße fliegen, der aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielte – 1:1.
Die nächsten 20 Minuten gehörten den Freiburgern: Wieder waren es Cissé (56.), Adbessadki (64.) und Makiadi (65.), die nicht trafen, Drobny hielt außerdem gegen Schuster (59.).
Die HSV-Spieler ruderten viel und oft mit den Armen, schienen aber trotzdem in Begriff abzusaufen. Der Führungstreffer für die Gäste (73.) durch den eingewechselte Iliceviv fiel aus heiterem Himmel.

Dem SC fiel danach nicht mehr viel ein, die HSV-Fans skandierten schon fröhlich „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“. Das Foul von Bruma am eingewechselten Reisinger und der daraus resultierende Elfmeter brachte die Gästekurve nur kurz zum schweigen – bis Cissé verschoss. Fehlpässe, Einwürfe zum Gegner, Abschläge ins Seitenaus, ein verschossener Elfmeter auf Freiburger Seite und auf beim HSV ein Mittelfeld, das mit Schweizer Käse mehr Gemeinsamkeiten hat als mit einer halbwegs kompakten Formation – schön war dieses Spiel nur für Menschen, die Freude am Leid anderer empfinden. HSV-Verteidiger Dennis Aogo bezeichnete die Partie treffend als ein „Kellerduell wie man es sich vorstellt“ und war erleichtert über den Erfolg: „Mir ist es lieber, aus einem Scheißspiel drei Punkte mitzunehmen als keinen einzigen aus einem guten. Den Sieg heute haben wir vor allem Jaroslav Drobny zu verdanken“. Dass der Torwart bester Mann auf dem Platz war, sage auch einiges über das Spiel aus, so HSV-Sportdirektor Arnesen.



Bundestrainer Jogi Löw wird an diesem Nachmittag im Übrigen wohl kaum einen nominierungswürdigen Spieler entdeckt haben. Man munkelte, er sei wegen Freiburgs Kapitän Oliver Barth im Stadion gewesen. Ein geheimnisvoller Scout von Aston Villa wollte nicht verraten, welcher Spieler ihn ins Dreisamstadion gelockt hatte, aber sollte es sich dabei nicht um Jaroslav Drobny gehandelt haben, wird er wohl mit schlechten Nachrichten nach London zurückfliegen.

Für den SC Freiburg und den HSV gilt derweil: Wenn sie nicht absteigen wollen, müssen sie einiges oben drauf setzen. Freiburgs Stürmer Stefan Reisinger stellt sich schon mal auf eine harte Saison ein: „Wir werden bis zum letzten Spieltag kämpfen müssen.“ Und auch wenn SC-Coach Marcus Sorg nicht schwarz malen wollte, gestand er doch ein, dass es einige Punkte gibt, an denen sein Team arbeiten muss.  Am allermeisten gilt das wohl für jene in der Tabelle.