Willkommen auf der Baustellenparty!

Markus Hofmann

Die einen (unten rechts) tranken Bier in der Abendsonne, andere (oben links) arbeiteten noch ein bisschen. An diesem (inoffiziellen) Eröffnungstag ist das neue Dreisamcafé ein Provisorium aus Baugerüstkulisse und Bierbänken. Trotzdem gibt's ab heute Getränke, Wurstwaren und TV-Fußball - das WM-Geschäft wollen sich die Betreiber nicht entgehen lassen.





Einige Dutzend Neugierige haben gestern ab 18 Uhr ihr erstes Bier im Dreisamcafé getrunken: Geschäftspartner der Betreiber, Szenekollegen aus dem F-Club und dem Kagan, Spaziergänger, die sich wunderten, dass auf einmal Brauereigarnituren an der Dreisam stehen. Andere wunderten sich, dass zu späterer Stunde Gäste gegen den Baustellenzaun pinkelten - wobei der Grund der Verwunderung weniger das Pinkeln war, sondern der Baustellenzaun. Es scheint sich nicht überall herum gesprochen zu haben, dass die offizielle Eröffnung des Cafés erst in der zweiten Julihälfte statt finden wird.

Das Wetter hat vorzüglich mitgespielt bei diesem kleinen Eröffnungsfest - heute war ein warmer, sonniger Tag in Freiburg. Und idyllisch ist es auf jeden Fall am Ufer der Dreisam, wenn nicht gerade die Feuerwehr mit Blaulicht über die Kronenbrücke brettert. So idyllisch, dass Bela Gurath irgend wann rief: "Kann jemand mal den Fluss leiser stellen?" So richtig ernst gemeint hat der Mitbetreiber des Dreisamcafés das natürlich nicht, schließlich stammt vom Gurath auch dieser schöne Satz: "Das höchste Gut ist das Rauschen des Baches”.

Das finden auch andere Freiburger, die sich weniger darüber freuen, dass am Ufer der Dreisam ein Gastronomiebetrieb entsteht, in dem in Zukunft junge und ältere Freiburger einkehren sollen. Sie fühlen sich eines Ortes beraubt, den sie jahrelang ungestört besuchen konnten (und leider oft genug als Saustall zurück gelassen haben). Graffiti auf einem Baustellenschild (Foto unten links) dokumentiert ihren Protest gegen die neue Form der Dreisamnutzung: "Don't let them cash public room". Gurath: "Ich kann verstehen, dass manche sauer sind und ihre Wiese vermissen."


Ein klassischer Konflikt des städtischen Wandels also. Die Betreiber des Cafés müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich nicht alle Freiburger auf den Biergarten am Ufer freuen. Ein bisschen umstellen müssen sich zum Beispiel auch die Hundehalter, die ihre Tier seit eh und je an der Dreisamwiese Gassi führen. Dass Vierbeiner (oben rechts) im Sandstrandstreifen des Dreisamcafés herumtollen, ist den Betreibern nicht so recht - die Hunde könnten ja was zurück lassen. So müssen sich viele ein bisschen umgewöhnen in nächster Zeit, während andere (Foto unten) die Idylle der Dreisam mit einem ersten Sonnenbad genießen.