Will ich wirklich Lehrer werden? 5 Antworten von Kreativtherapeutin Heidi Korf

Miriam Jaeneke

Lehrer oder Lehrerin: Traumjob oder mein persönlicher Notnagel? Dazu gibt es am heute einen vom Referat Lehramt des u-asta für Lehramtsstudierende organisierten Workshop. Bei Erfolg ist eine Fortsetzung angedacht. Wir wollten im Gespräch mit der Workshopleiterin und Kreativtherapeutin Heidi Korf wissen, warum das Thema aktuell ist:



fudder: Sollte Ihrer Meinung nach jeder Lehrer seinen Beruf als Traumjob empfinden?



Heidi Korf
: Das ist zumindest eine sehr gute Voraussetzung dafür, dass man den Job gerne und gut macht und dabei auch lange gesund bleibt. Die Gesundheit ist für Lehrer ein wichtiges Thema, denn der Krankenstand und die Frühverrentung sind bei Lehrern erschreckend hoch. Das geht – neben vielen äußeren Faktoren – meiner Meinung nach auch darauf zurück, dass viele aus Verlegenheit oder Zufall Lehrer werden.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, ich war Lehrerin, habe aber gemerkt, das ist mittel- und langfristig nicht mein Beruf, da werde ich nicht glücklich und auch krank. Und deswegen ist es mir ein sehr wichtiges Anliegen, mit Leuten an der Frage zu arbeiten: Ist das jetzt für mich eine Herzensentscheidung, Lehrer oder Lehrerin zu werden, oder fällt mir im Moment nur nichts anderes ein oder traue ich mir nichts anderes zu?

Haben Sie denn die Erfahrung gemacht, dass sich Lehramtsstudierende zu wenig Gedanken über ihre Berufswahl machen oder die falschen?

Zum Teil machen sie sich sehr pragmatische Gedanken. Unter Lehramtsstudierenden finden sich viele Leute, die sehr sicherheitsbetont denken und leben, denn zumindest in Baden-Württemberg ist mit dem Lehrerberuf ja auch immer noch der durchaus attraktive Beamtenstatus verbunden. Das ist für viele eine Primärmotivation, sollte es aber nicht sein. Zudem wird die Realität in den kommenden Jahren wohl insofern eine ungemütlich klare Sprache sprechen, als die Einstellungschancen mindestens für Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg sehr voraussichtlich drastisch zurückgehen.

Das hat einerseits mit dem demografischen Wandel zu tun, andererseits mit der auf acht Jahre verkürzten Gymnasialzeit und dann noch mit der Tatsache, dass in den vergangenen Jahren in den hiesigen Gymnasien tüchtig eingestellt wurde. Daher lohnt es sich doppelt, die Entscheidung für den Gymnasiallehrerberuf gut zu überdenken, vor allem, wenn sie eben nicht "aus ganzem Herzen" getroffen wird.

Was für Methoden nutzen Sie in Ihrem Seminar?

Ich arbeite körperorientiert, weil ich aus der kreativ-therapeutischen Richtung komme. Körperorientiert heißt mit darstellerischen Methoden auf einem relativ zwanglosen Niveau und mit Achtsamkeitsübungen, das sind im weitesten Sinne meditative Spürübungen. Außerdem mit Selbstausdruck durch Malen, wo die Teilnehmer etwas, das mit ihnen und ihrer Berufsentscheidung zu tun hat, mit Wachsmalstiften zu Papier bringen. Das klingt jetzt ein bisschen kindlich, ist aber bewusst so gewählt, da diese kreative Regression ins Kindliche den Teilnehmern erlaubt, an prärationale Sachen ranzukommen, die sie vielleicht gerade als Student oder Studentin wegdrücken.

Denn: Studium und Universität sind ja sehr einseitig ratiozentrisch ausgerichtet. Wenn ich aber etwas Wichtiges entscheide, entscheide ich nicht nur mit dem Kopf, sondern ganz stark auch immer mit dem, was wir Bauch nennen, und es ist wichtig, das einzubeziehen. Für mich ist zentral, über welche Methode auch immer, die Leute weg von der einseitigen Orientierung an „äußeren Stimmen“ und hin zu sich selbst zu bringen.

Was machen Sie, wenn jemand in Ihrem Seminar feststellt, dass er eigentlich Pilot werden will?

Herzlichen Glückwunsch, wenn er das so genau weiß! Die Wünsche der Menschen stehen bei dem Seminar im Vordergrund. Es geht mir, das sage ich auch vor dem Hintergrund meines eigenen Werdegangs, nicht so sehr darum zu sagen, jetzt habe ich aber schon sechs Semester studiert und darf nie wieder etwas anderes machen. Das ist nichts, das jemanden, der Anfang zwanzig oder Mitte zwanzig ist, durch sein Leben trägt.

Ein Freund von mir hat mal von der „Kunst des fröhlichen Scheiterns“ gesprochen, und das finde ich etwas ganz Kostbares, und zwar genau in dieser Kombination. Denn scheitern wird man immer wieder, das gehört dazu. Es gibt so ein Sprichwort: Wenn du sieben Mal hinfällst, sollst du acht Mal aufstehen. In einem Seminar wie diesem kann ich natürlich nur Impulse geben und hoffen, dass die Leute  damit fruchtbar umgehen. Dass sie an sich selbst weiterarbeiten, ins Gespräch gehen mit anderen, sich vielleicht nochmal Beratung holen.

Was ist Ihre persönliche Motivation, dieses Seminar anzubieten?

Ich möchte die Leute ermuntern, stark an sich zu glauben und auch an ihre Wünsche und Träume, weil ich der Meinung bin, dass darin sehr viel Potenzial steckt. Oft hat man ja Träume und Vorstellungen, die man sich gar nicht einzugestehen traut und erst recht nicht anderen erzählt, oder nur im Sinne von: „Wenn wirklich alles möglich wäre, dann würde ich ...“

Ich glaube, dass viele Menschen, die im positiven Sinne ungewöhnliche Dinge getan haben, also verrückte Künstler, Erfinder oder Schriftsteller, ihr eigenes Innenleben sehr ernst genommen haben und einen Weg gegangen sind, der ihnen sozusagen aus ihrem Inneren gewiesen wurde. Sie waren weniger ratio- und realitätsgesteuert, als wir das im Alltag so sind, und ich glaube, dass viel mehr möglich ist, wenn man diesen in Anführungsstrichen inneren Weg geht, als wenn man sich jetzt nur pragmatisch, arbeitsmarktdatengesteuert und so weiter verhält. Dann kann auch viel in der großen Gemeinschaft, also der Gesellschaft, passieren, wenn die Leute diesen Mut haben. Und ich möchte ermutigen.

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