Wildes Gärtnern am ersten Mai

Franziska Kiedaisch

Morgen Abend wollen Mitglieder der sogenannten Guerilla Gardening-Bewegung den Mittelstreifen zwischen Kronenbrücke und Fahnenbergplatz (Werderring und Rotteckring) mit Sonnenblumensamen versehen. Was das soll, haben wir den Organisator gefragt.



Nur wenige Minuten soll die Aktion dauern, dafür aber den ganzen Sommer lang sichtbar bleiben. Morgen, am ersten Mai um 21 Uhr werden sich die Anhänger der sogenannten Guerilla Gardening-Bewegung auf dem Grünstreifen vor dem Stadttheater in Freiburg treffen. Dort wollen sie Sonnenblumen säen. Ziel der Aktion ist es, den kompletten Grünstreifen zwischen Kronenbrücke und Fahnenbergplatz zu bepflanzen.


Auch in anderen Ländern wird an diesem Tag gegärtnert, denn am 1. Mai ist derInternational Sunflower Guerilla Gardening Day. Dieser wurde von einer Guerilla Gardening-Gruppe aus Belgien, den „Brussel´s Farmer“ ausgerufen. Ob Bordeaux, Brüssel oder Freiburg: Überall sollen Sonnenblumen die trostlosen Ecken der Städte verzieren.

Guerilla Gardening wollen die Gärtner als Sonderform eines politischen Protests verstanden wissen. Die Guerillagärtner wollen auf diese Weise ihren Unmut darüber kundtun, dass die Städte immer grauer und unnatürlich gestaltet werden. Das Guerilla-Gärtnern soll mittels zivilem Ungehorsam wieder Farbe in das städtische Leben bringen.

Entstanden ist die Bewegung in den Siebzigerjahren in New York. Von dort aus breitete sie sich rasch auch in andere Teile der Welt aus. Bekannt wurde Guerilla Gardening vor allem durch eine Aktion in London, die ebenfalls am 1. Mai stattfand und bei der im Jahr 2000 der Parliament Square bepflanzt wurde. Inzwischen hat sich Guerilla Gardening zu einer international vernetzten und global agierenden Bewegung entwickelt: zahlreiche Facebook-Gruppen und Foren zeugen von einer breiten Anhängerschaft.



Am 1. Mai wird auch in Freiburg gegärtnert: Um 20.45 Uhr ist Treffpunkt vor dem Stadttheater. Von dort aus werden dann Sonnenblumensamen auf dem Grünstreifen an der Werthmannstraße verteilt. Ob die Pflänzchen wachsen, hängt von mehreren unwägbaren Faktoren ab: Es ist unklar, wann der Grünstreifen gemäht wird. Außerdem muss auf eine regelmäßige Bewässerung geachtet werden. Wenn es lange nicht regnet, müssen die gärtnernden Guerillos ihre Sprösslinge also gießen.

Und, jeder Hobby-Gärtner kennt das aus leidvoller Erfahrung, auch Tiere können zu frisch gesäten Pflänzchen gemein sein.

Last but not least: die Polizei. Guerilla Gardening ist nämlich illegal. Nur, wer eine Genehmigung hat, darf eigentlich gärtnern. Wer zum Beispiel ein fremdes Grundstück umgräbt, dem kann der Tatbestand der Sachbeschädigung vorgeworfen werden. Obwohl die Polizei normalerweise nicht einschreitet, finden die Aktionen deshalb meist nachts oder in der Dämmerung statt.

„Die Polizei wird nicht einschreiten, wenn wir nichts kaputt machen“, sagt der Koordinator der Freiburger Sonnenblumen-Pflanzaktion, der anonym bleiben möchte. „Wer morgen mitmachen will, sollte darauf achten, dass der Rasen nicht rausgerissen wird. In diesem Fall nämlich könnte die Polizei uns tatsächlich Sachbeschädigung vorwerfen. Außerdem sollte jeder eine Tüte mitnehmen, um den eigenen Abfall einzupacken. Es sollte keine Erde auf der Fahrbahn liegenbleiben “, sagt er.



Wer an der Gärtner-Aktion teilnehmen möchte, sollte außerdem ein paar Sonnenblumensamen und Wasser zum Gießen mitbringen. Der Koordinator empfiehlt außerdem: „Bringt einen Schraubenzieher oder etwas ähnliches, zum Beispiel einen Stift mit, damit ihr Löcher für die Samen graben könnt. Und für festgetretene Stellen auf dem Grünstreifen braucht man eine Harke. Damit solltet ihr aber besonders vorsichtig umgehen: Keinen Dreck auf der Fahrbahn hinterlassen und keinesfalls den Rasen rausreißen.“

Facebook: Freiburger Sonnenblumenpflanzer am Wildpflanztag
Was: Guerilla Gardening Day
Wann: Morgen, Samstag, 1. Mai 2010, 20.45 Uhr
Wo: Treffpunkt vorm Stadttheater Freiburg