Schnelllebigkeit

Wieso Studierende auf dem Stühlinger Kirchplatz Hochzeiten to go verschenken

Lea Messerschmidt

Ständiges Handyklingeln während eines Coffee to go: Schnelllebigkeit kennt jeder von uns. Die Kunstpädagogik-Studierenden der Evangelischen Hochschule zeigen auf dem Stühlinger Kirchplatz noch bis Mittwoch Kunst zum Verweilen. fudder war dort.

Auf dem Stühlinger Park steht seit heute eine ein Quadratmeter große Box. Zeitungen und Schuhkartons liegen auf dem Boden verstreut, von der Decke pendeln CDs. Als Hintergrundgeräusch ertönt ein ständiges Handy-Piepsen. Nach wenigen Sekunden fühlt man sich sofort gestresst.


Ab diesem Montag bis Mittwoch, 19. Juni, zwischen 11 und 18 Uhr haben Kunstpädagogikstudierende im Stühlinger Kirchplatz unter dem Titel "Kunst to Go – Art to stay" verschiedene Stände aufgebaut um den Beobachter aus dem Alltag zu holen und auf das Thema Schnelllebigkeit aufmerksam zu machen. In Kooperation mit einer Warschauer Hochschule sind neben den zwanzig deutschen Studierenden der Evangelischen Hochschule auch sechs Warschauer Studierende mit im Boot.

Selbstgemalte Bilder zum Mitnehmen

Passantinnen und Passanten sind eingeladen sich mit dem Thema auseinander zusetzen und auch aktiv daran teil zunehmen. "Wir haben uns für das Thema Schnelllebigkeit entschieden, weil wir in einer hektischen und schnellen Welt leben. Man wird täglich mit Reizen überflutet. Wir leben in einer To-Go-Gesellschaft und nehmen uns zum Beispiel zum Essen zu wenig Zeit", sagt Sarah, die an dem Projekt mitwirkt. Deswegen besteht an den meisten Ständen die Möglichkeit die eigenen Gedanken aufzuschreiben und das Gesehene persönlich zu reflektieren.

Gegenüber der Kirche steht ein Tisch mit einem Banner mit dem Name des Projektes "Kunst to go – art to stay". Besucherinnen und Besucher können quasi im Vorbeilaufen selbstgemalte Bilder, der Studierenden mitnehmen, bei denen auf der Rückseite Sprüche und Denkanstöße zum Thema Zeit stehen. Daneben befindet sich eine Bierzeltgarnitur. Dort liegen für jeden Acryl-Farben bereit, mit dem man ein eigenes Bild oder eine Collage machen kann. Rechts davon befinden sich zwei Räume, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im ersten Raum ertönt aus einer Anlage ständiges Handyklingeln. Im zweiten Raum steht ein Stuhl, zwei Pflanzen und ein Ohrenschutz, um die Geräusche abzuschirmen. Zwischen den Räumen können Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gedanken, Gefühle und Beobachtungen aufschreiben.

Installationen greifen Michael Endes "Momo" auf

Auf der anderen Seite ist eine gigantische Blume und eine grauer Hut aufgebaut. Die Installationen sind an die Geschichte "Momo" von Michael Ende angelehnt und sollen auf den Wert der Zeit aufmerksam machen. "Wir haben uns an der Geschichte von,Momo’ entlanggehangelt, die von dem Handel mit Zeit spielt", erklärt Sarah.



Sarah steht mit einem grauen Bauchladen auf dem Stühlinger Kirchplatz. Sie verteilt an Passanten graue Flaschen, Becher, Dosen. Auf ihnen steht "Hochzeit to go" oder "Gute Gespräche to go". Damit wollen die Studierenden diesen Trend überspitzt darstellen. "Das machen wir um zu zeigen, dass man sich für vieles die Zeit gar nicht mehr nimmt",sagt Sarah.

Die Aktion auf dem Stühlinger Kirchplatz dauert noch bis Mittwoch an. Für Dienstag kündigt Sarah weitere Aktionen an. Am Ende schreiben die Studierenden eine Arbeit über das Projekt.