Interview

Wieso Laien vom Theater Freiburg für nur einen Zuschauer tanzen

Fabian Vögtle

Eine tänzerische Begegnung "unter vier Augen". Graham Smith vom Theater Freiburg über das Tanzprojekt "Face to Face", bei dem an rund 80 Orten in Freiburg Tänzer für einzelne Zuschauer performen.

Graham Smith vereint sie alle. In seiner "School of Life and Dance" treffen sich 80 junge und alte Tänzerinnen und Tänzer regelmäßig am Stadttheater, um sich auszutoben und Choreographien einzustudieren. Jetzt wollen die Laien zum ersten Mal die Stadt mit ihren Tanzkünsten erobern. "Unter vier Augen – Face to face" heißt das einmalige Projekt. Fabian Vögtle sprach mit Vortänzer und Leiter Graham Smith über die Idee und Umsetzung.


"Weg von der Hinterbühne, raus auf die Straße, sozusagen." Graham Smith
BZ: Eine Solo-Tanzreihe an fast 80 Orten für jeweils nur eine Zuschauerin oder einen Zuschauer. Das klingt ambitioniert und nach hohem Aufwand.
Graham Smith: Ja, sehr ökonomisch gedacht ist das sicher nicht. Aber es ist soweit, dass wir es wagen wollen. Ich möchte der Arbeit mit den Laien-Tänzern mal einen würdigen Rahmen geben und zeigen, was wir hier am Theater alles so machen. Weg von der Hinterbühne, raus auf die Straße, sozusagen. Das ist für viele der Mitglieder auch ein Schritt, mal draußen zu zeigen, was sie draufhaben.
Graham Smith (47) leitet das Laientanz-Ensemble am Stadttheater und ist künstlerischer Leiter des Jungen Theaters im Bereich Tanz. Der US-Amerikaner war von 1994 bis 2006 als Choreograph und Tänzer in verschiedenen Häusern tätig. Von 2006 bis 2011 war er Mitbegründer von pvc – Tanz Freiburg Heidelberg und belebte die alte Kneipe "Finkenschlag" im Stadtteil Haslach wieder – als kulturellen Ort und sozialen Treffpunkt.

BZ: Also soll das Theater jetzt wieder mehr im Stadtraum präsent sein?
Smith: Das war doch schon immer der Fall. Wir haben ja zum Beispiel vor zwei Jahren mit den "Dietenbach-Festspielen" über mehrere Wochen eine Spielwiese ins Leben gerufen. Jetzt wollte ich das vorhandene Tempo und Potenzial meiner Gruppe aufnehmen und mal für Freiburger und mit Freiburgern den öffentlichen Raum bespielen. Das ist zudem ein tolles generationenübergreifendes Projekt.

BZ: Seit wann läuft denn die Vorbereitung und was erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer an den nächsten beiden Wochenenden?
Smith: Das war ein längerer Prozess. Wir sind seit November dabei, 50 Inszenierungen gemeinsam zu entwickeln. Ich habe allen in meiner Gruppe zuerst die Aufgabe gestellt, einen Ort in Freiburg zu finden und diesen dann zu untersuchen – auf seinen Zweck hin und auf die dort herrschende Geschwindigkeit oder Langsamkeit. Denn jeder von uns hat einen individuellen Blick auf die Stadt.

"Wichtig ist, dass alle Teilnehmer mit Chaos und Überraschungen umgehen können." Graham Smith
BZ: Was genau passiert an den Orten?
Smith: Die Tänzer präsentieren in fünf bis zehn Minuten einem Zuschauer an dem ausgewählten Ort ihre konzipierte Mini-Inszenierung, dabei kommen sie ganz ohne Requisiten aus. Ob Solisten oder Zuschauer: Wichtig ist, dass alle Teilnehmer mit Chaos und Überraschungen umgehen können. Denn die meisten Orte befinden sich an öffentlichen Plätzen, etwa Kanonenplatz, Hauptfriedhof, Wiwilí-Brücke oder Wasserschlössle. Da wird es bestimmt Passanten geben, die die Szenerie aus der Ferne oder ganz nah beobachten und vielleicht spontan mitmachen.
Face to Face

Die Solo-Tanzreihe "Unter vier Augen: Face to face" findet am 23. und 24. März sowie am 30. und 31. März jeweils vier Mal am Tag statt. Auf jedem der fünf zeitgleich laufenden Rundgänge, die rund zweieinhalb Stunden dauern, kommen die Teilnehmer an zehn verschiedenen Stationen vorbei. Auf den Rundgängen gibt es auch Schleichwege. Am Ende treffen sich alle wieder beim Theatercafé. Karten gibt es nur im Vorverkauf an der Theaterkasse 0761/201-2853.