Freiburg

Wieso es beim Klimastreik unterschiedliche Teilnehmerzahlen gab

Anika Maldacker

20.000 oder 30.000 – zum Fridays-for-Future-Streik am vergangenen Freitag gab es unterschiedliche Angaben zur Teilnehmerzahl. Wie kamen das zustande, und wie wird bei großen Demos gezählt?

Sie wollten eine Rekorddemo auf die Beine stellen – und haben es geschafft: Der Klimastreik am vergangenen Freitag in Freiburg, zu dem Fridays for Future und ein breites Klimabündnis aufriefen, übertraf sogar die Erwartungen der Organisatoren, die die größte Demo in Freiburgs Nachkriegsgeschichte aufstellen wollten. Erklärtes Ziel: mehr als 20.000 Menschen auf die Straße bringen. Das gelang. Doch wie viele es letztendlich genau waren, blieb unklar. Die Polizei schrieb von mehr als 20.000 Teilnehmern. Die Veranstalter von Fridays for Future von 30.000. Woher kamen diese unterschiedlichen Zahlen?


Wo wurde gezählt?

"Die Polizei hat nur den Aufzug gezählt", stellt Polizeisprecher Jerry Clark klar. Gezählt wurden also nicht die versammelten Menschen am Platz der Alten Synagoge, sondern nur die, die durch die Altstadt zogen. "Gezählt wurde vom Balkon des Landgerichts in der Salzstraße", erklärt Clark. Die Beamten hätten dabei mit einem Handzähler je Zehngruppe einmal geklickt und das Ergebnis dann multipliziert. "Bei dieser Zählung kamen wir auf mehr als 20.000 Menschen ", sagt Clark. Konkreter geht’s nicht. "Für uns war die genaue Zahl nicht so wichtig, eher die Info, dass die Innenstadt dicht ist und der Verkehr zum Erliegen kam."



Auch die Veranstalter von Fridays for Future haben die Klimastreik-Demo gezählt. "Wir haben am Schwabentor in Reihen gezählt", erklärt Felix Quartier von Fridays for Future. Zunächst wurde eine Reihe gezählt, dann die Reihen an sich gezählt und das Ergebnis dann multipliziert. "Mit dieser Methode kamen wir am Schwabentor auf 25.000 Menschen", sagt Quartier. Allerdings räumt er auch ein, dass die Zählmethoden an diesem Tag nicht so gut funktioniert hätten, wie bei vorigen Demos. "Daher haben wir auf die Zahl der Polizei gewartet, die uns dann mehrere Male die Zahl 30.000 bestätigt hat", sagt Quartier.

Bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums will man davon nichts gewusst haben. "Weder die Pressestelle des Polizeipräsidiums Freiburg noch ein verantwortlicher Einsatzleiter haben diese Zahl bestätigt", teilt Clark auf Nachfrage mit.



Wie zählt man solche Veranstaltungen?

Die Polizei und auch die Organisatoren von Fridays for Future haben bei der Klimastreik-Demo mit einem Handzähler gezählt – und die Personen meist in Gruppen gezählt.

"Wenn dies versammlungstechnisch erlaubt ist, und die Polizei ein Foto aus der Luft machen darf, zählen wir auch mit einem Raster", sagt Clark. Dazu werde die versammelte Menge aus der Luft fotografiert und anschließend in Raster unterteilt. Dann werden nur die Personen in einem Raster gezählt – und diese Zahl dann mit der Anzahl der Raster multipliziert. Solange keine ernstzunehmende Störung vorliege, dürfe die Polizei jedoch keine Fotos machen, auf denen Demonstrationsteilnehmer zu erkennen sind.

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