"7 von 8"

Wieso dieser Freiburger einen leeren Raum vermietet

Nora Ederer

Es wird zu viel gejammert und zu wenig ausprobiert, findet Sebastian Oberlin. Deshalb hat der gelernte Geigenbauer in der Beurbarung das "7 von 8" eröffnet – einen Freiraum für alle, die viele Ideen im Kopf, aber keinen Ort für die Umsetzung haben.

Wer das Erdgeschoss der Emmendinger Straße 34 betritt, steht in einem leeren Raum – zumindest fast. Lediglich ein geblümtes Biedermeier-Sofa, ein rot-blauer Perserteppich und zwei Kerzenständer befinden sich in dem gut 25 Quadratmeter großen Raum. Aber all das kann schnell beiseite geschafft werden, denn dafür ist der Raum da: um Platz zu haben. Platz zum Tanzen, Musizieren, Spielen und Ausprobieren.


"Viele Menschen haben unzählige Ideen im Kopf und wurden als Kinder stark gefördert, aber je älter sie werden, desto weniger Zeit bleibt, um kreativ zu sein oder Neues auszuprobieren", sagt Sebastian Oberlin. Der Geigenbauer hat kürzlich das "7 von 8" eröffnet – einen Freiraum, den prinzipiell jeder mieten kann, um künstlerisch oder sportlich aktiv zu werden. "Zurzeit finden hier regelmäßig akustische Konzerte, Yoga- und Tangokurse statt", erklärt Oberlin. "Aber wir hatten hier auch schon Kakao-Zeremonien und einen Creative Coding Kurs." An Wochenenden ist das "7 von 8" häufig schon ausgebucht, aber unter der Woche seien noch einige Kapazitäten frei.

"Die Akustik ist hervorragend, wie in einer Kirche, nur nicht so heilig." Sebastian Oberlin
Besonders freut es den 38-Jährigen, wenn Menschen spontan hinzustoßen – durch die große Fensterscheibe blinzeln, den Kopf zur Tür hereinstrecken und fragen, was im "7 von 8" gerade los ist. "Ich möchte einen offenen Raum schaffen, in dem Menschen aus ihrer Alltagsroutine ausbrechen können, Neues ausprobieren, langgehegte Vorhaben in die Tat umsetzen und miteinander ins Gespräch kommen", sagt Oberlin. Häufig komme er auch mit Kunden seiner nahegelegenen Geigenwerkstatt in den Raum, um Instrumente auszuprobieren – "denn die Akustik ist hervorragend, wie in einer Kirche, nur nicht so heilig."

Welches Potential der Raum in der Emmendinger Straße hat, wurde Oberlin erst nach und nach bewusst. Zusammen mit Freunden hat er das ehemalige Büro eines Zimmermanns von August bis Januar renoviert: schichtenweise alte Tapeten abgekratzt, die Zimmerdecke abgetragen, um das blaue Gewölbe freizulegen, Schallschutzmatten befestigt und für weiches Licht gesorgt. "Wahrscheinlich wirkt hier alles ein bisschen unfertig", sagt Oberlin. "Aber so soll es eigentlich auch sein." Denn so bleibt die Atmosphäre offen und lebendig.

Ein Freiraum, der offenbleiben soll

Offenheit und Bewegung, das möchte Oberlin auch mit dem Namen "7 von 8" ausdrücken – und der hat, wie könnte es anders sein, einen musikalischen Ursprung: "In der Musik gibt es verschiedene Intervalle, zum Beispiel unterscheidet man zwischen einer Sept und einer Oktave", erklärt der 38-Jährige. "Eine Sept klingt dissonant und irgendwie unfertig. Man möchte sie auflösen und in eine Oktave umwandeln. Aber gerade diese Unfertigkeit, diese Bewegtheit macht eine Sept so spannend." Das wünscht sich Oberlin auch für seinen Freiraum in der Beurbarung: offenbleiben. Ein festes Konzept gibt es nicht. Das "7 von 8" ist ein Experiment.

Ein bisschen Ordnung muss trotzdem sein. Deshalb ist Oberlin gerade dabei, einen Verein aufzubauen, dessen Mitglieder die Miete für die Räumlichkeit langfristig tragen. Zurzeit finanziert er das "7 von 8" nämlich noch über seine Geigenwerkstatt. In Zukunft soll jeder, der den Raum nutzen möchte, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 60 Euro bezahlen. Hinzu kommt eine Miete ab zehn Euro pro Stunde, in denen man im "7 von 8" ein Event oder einen regelmäßigen Kurs veranstaltet.



Adresse

Freiraum "7 von 8"
Emmendinger Straße 34, Berubarung
Kosten: 60 Euro / Jahr, plus ab 10 Euro / Stunde
Kontakt: connect@7von8.de