Universität

Wieso das Sonnensegel an der UB nun bedruckt ist

Anika Maldacker

Jeder Freiburger hat darüber schon gespottet: das Sonnensegel an der UB. Seit Dienstag ist das Blendschutzbanner zum ersten Mal bunt. Die Uni will eine Debatte über Künstliche Intelligenz fördern.

Es ist das erste Mal in seiner rund vierjährigen Geschichte, dass das Sonnensegel an der Südostecke der UB nicht mehr schwarz, sondern bunt trägt. Der Stuttgarter Streetart-Künstler Marc C. Woehr durfte eine der Problemzonen der Universitätsbibliothek künstlerisch gestaltet. Zusammen mit Joschka Bödecker, der an der Universität Freiburg Juniorprofessor für Neurorobotik ist und zu Künstlicher Intelligenz (KI) forscht, hat er das Motiv entwickelt, das am Dienstagabend erstmals gehisst wurde.


Das nun bunte, 250 Quadratmeter große Sonnensegel ist Teil des Projekts Stadtwandforschung der Uni Freiburg, das seit Juni dieses Jahres eine Debatte über Künstliche Intelligenz in die Stadt tragen will. Durch Streetart soll die Diskussion einer breiteren Masse zugänglich gemacht werden. Bei jedem Kunstwerk wirken Experten aus der KI-Forschung mit. Das Projekt Stadtwandforschung wird vom Exzellenzcluster Brainlinks-Braintools in Zusammenarbeit mit dem Kulturaggregat organisiert.

Motiv ist inspiriert von Epilepsie-Forschung

So auch beim Sonnensegel an der Unibibliothek. Am Dienstagabend wurde es im Mensagarten in Anwesenheit von Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer, Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und der UB-Direktorin Antje Kellersohn und rund 70 Zuschauerinnen und Zuschauern erstmals gezeigt. In einem anschließenden von Philosophie-Professor Oliver Müller moderierten Gespräch diskutierten der Künstler Woehr und der KI-Forscher Bödecker über Maschinelles Lernen und das Motiv. Dieses, erklärten beide, sei von Bödeckers Forschungsthema inspiriert. Er forscht an der Uni Freiburg zu Algorithmen, die epileptische Anfälle im Gehirn erkennen und anhand elektrischer Stimulation gegensteuern können. Damit sollen neue Therapien für Epilepsiepatienten entwickelt werden können.

Die beiden wollten ihr Werk jedoch nicht zu stark interpretieren. Jeder Betrachter solle seine eigenen Gedanken dazu haben können. Woehr verriet aber: "Der Kontrast zwischen schwarz und weiß soll auf den Gegensatz von Mensch und Maschine hinweisen." Die sich überkreuzenden Linien sind ein Erkennungszeichen in seiner Kunst, sollen aber auch auf Gehirnwindungen, Epilepsie-Kurven und den Grundriss der UB hinweisen.

UB-Direktorin plädiert für den Namen "Kunst am Bau" statt Blendschutzbanner

Dass das Sonnensegel gestaltet werden könnte, war zuvor schon im Gespräch. Im August 2014, als die Problematik der blendenden UB-Fassade bekannt wurde, hatte der Leiter des Unibauamtes, Karl-Heinz Bühler, mitgeteilt, dass ein Grafiker Gestaltungsvorschläge erarbeite. Und das Material außerdem ein sogenanntes Mesh-Gewebe sei, das auch bedruckt werden kann. UB-Direktorin Kellersohn bestätigt, dass schon vor dem Bezug der UB mit den beteiligten Instanzen intensiv über die Gestaltung des Banners diskutiert worden sei. "Wir hätten uns seitens der UB durchaus schon von Anfang an eine ansprechende und sichtbare Gestaltung, verbunden mit einer positiven Botschaft in die Öffentlichkeit, wie die Begrüßung der neuen Studierenden, gewünscht", schreibt sie in einer Stellungnahme. Rahmenbedingungen wie finanzielle Aspekte oder Gestaltungsvorgaben der Stadt hätten allerdings für ein dezenteres Design gesprochen.

2015 wurde das Sonnensegel gehisst, darauf war leicht abstrahiert die Fassadenstruktur aufgedruckt. Der Basler UB-Architekt Heinrich Degelo bezeichnete das als einen Affront. Er hätte es lieber gesehen, wenn das Banner als Kommunikationsfläche genutzt würde. Bunt oder mit auffälligem Motiv bedruckt wurde das Sonnensegel nie. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Banner nur eine mehrerer Pannen an der 201 5 eröffneten UB sichtbar macht.

Für einen neuen Namen plädierte UB-Direktorin Antje Kellersohn: "Der Name Blendschutz-Banner stört mich", sagt sie am Dienstagabend, "nennen wir das Banner doch nun Kunst am Bau". Bis Ende Oktober soll die "Kunst am Bau" noch zu sehen sein.
Mehr zum Thema: