Tag der offenen Gesellschaft

Wieso am Wochenende an sieben Tischen auf der Straße gefeiert wurde

Stefan Mertlik

Am "Tag der offenen Gesellschaft" stellen Menschen deutschlandweit Tische auf die Straße, um sich auszutauschen. Von den rund 700 im Land gab es auch in Freiburg sieben Tische von Vereinen.

Im ganzen Lande haben Menschen am Samstag Tische auf die Straßen gestellt, um gemeinsam zu essen und sich auszutauschen. Auch in Freiburg beteiligten sich Vereine und Privatpersonen mit eigenen Tafeln am "Tag der offenen Gesellschaft", den der Verein "Initiative offene Gesellschaft" seit 2017 organisiert, um Freiheit, Offenheit, Vielfalt und Freundschaft zu feiern.


Ob Verein, Firma oder Privatperson – mitmachen darf jeder, der einen Tisch auf die Straße stellen und gemeinsam mit Freunden und Fremden speisen und reden möchte. Von den deutschlandweit 703 Tischen stehen sieben in Freiburg – einer davon vor der Bildungseinrichtung "Aufladen" in der Stühlingerstraße.

"Die öffentliche Wahrnehmung ist oftmals, dass die Gegner einer offenen Gesellschaft viel mehr sind, aber dem ist nicht so." Irene Schumacher
Irene Schumacher vom Verein Kommunikation & Medien beteiligt sich gemeinsam mit dem Netzwerk "Freiburgerinnen aus aller Welt" zum dritten Mal an der Aktion. Die Medienpädagogin leistet mit ihrem Verein interkulturelle Medienarbeit. Derzeit produziert sie anlässlich des bevorstehenden Stadtjubiläums einen Audioguide, der Geschichten von Migrantinnen in Freiburg erzählt. Ihr sei es wichtig, für Offenheit einzustehen. Der Tag der offenen Gesellschaft biete dafür die geeignete Plattform. "Die öffentliche Wahrnehmung ist oftmals, dass die Gegner einer offenen Gesellschaft viel mehr sind", erklärt Schumacher, "aber dem ist nicht so und das wollen wir sichtbar machen."

In der Stühlingerstraße sitzen zwölf Personen, unterhalten sich und essen Kuchen. Unter ihnen ist auch Maria Del Pilar Torres. Die Kolumbianerin zog vor zehn Jahren nach Freiburg und fand bei "Freiburgerinnen aus aller Welt" Anschluss. Mittlerweile engagiert sie sich dort selbst und organisiert unter anderem Sprach- und Computerkurse für Menschen mit Migrationshintergrund.

Gemeinsam kochen, gemeinsam essen

Die Teilnahme am "Tag der offenen Gesellschaft" sei für sie selbstverständlich: "In einer Gesellschaft, die so gespalten ist, ist es wichtig, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen Zusammenhalt zeigen." Auch Aufklärungsarbeit ist den Organisatorinnen des Tischs wichtig. Dafür haben sie den Verein "Zeugen der Flucht" eingeladen. Dieser veranstaltet Unterrichtsbesuche und Projekttage, um einen Austausch zwischen Geflüchteten und Schülern zu ermöglichen.

Für Hanna Rau, die den Verein 2016 mit Freundinnen gründete, ist der Tag der offenen Gesellschaft eine Ergänzung zu den Schulbesuchen: "Der Tag passt zu unserem Grundverständnis", führt Rau aus. Es sei wichtig mit verschiedenen Menschen zu sprechen, um deren Lebenssituationen zu verstehen.

"Derzeit wird viel Negatives über die Flüchtlinge aus Gambia gesagt, aber die Jungs haben sehr viele Probleme." Babacar Kebe
Einige Meter weiter – im Kleineschholzweg – lädt der Verein "Schwere(s)Los!" zum Austausch ein. Er organisiert barrierefreie Kunstprojekte, an denen sich Menschen unterschiedliche Herkunft beteiligen können. Für den "Tag der offenen Gesellschaft" kochen Geflüchtete aus Gambia ein Fischgericht, das am Abend gemeinsam verspeist wird. Für Babacar Kebe, der als Dolmetscher für die Stadt arbeitet und im Verein mithilft, sind Begegnungen von Einheimischen und gambischen Jugendlichen sehr wichtig: "Derzeit wird viel Negatives über die Flüchtlinge aus Gambia gesagt, aber die Jungs haben sehr viele Probleme." Das Zusammenkommen an diesem Tag schaffe Verständnis bei Einheimischen und Motivation bei den Geflüchteten.

Maren Moormann, die den Verein 2008 gründete, erhielt erst eine Woche vor dem Tag der offenen Gesellschaft eine E-Mail der Initiative. Für sie war die Teilnahme trotz der kurzfristigen Einladung selbstverständlich. Derzeit arbeitet sie an einem Projekt mit gambischen Flüchtlingen, bei deren Treffen auch immer gemeinsam gekocht wird: "Das ist ein wichtiges Ritual für uns", erklärt Moormann und fasst die Idee des Tages zusammen, "also machen wir heute einfach die Tür auf und lassen alle Menschen mitessen."