Platz der Alten Synagoge

Wieso Aktivisten in Freiburg ein blutiges Festmahl veranstalteten

Luisa Joa

Am Wochenende hat die Tierrechtsorganisation Peta 2 auf dem Platz der Alten Synagoge ein "blutiges Festmahl" inszeniert. fudder hat nachgefragt, warum Tierrechtsaktivismus manchmal blutig sein muss.

Der Tisch ist gedeckt. Klassische Musik erklingt anmutig aus den Boxen, in der Mitte der weißen Tischdecke liegt der blutiger Kopf einer Kuh, links und rechts stehen zwei Kerzen. An beiden Enden des Tisches haben sich ein Aktivist und eine Aktivistin niedergelassen. Die beiden scheinen ihr Festmahl zu genießen und säbeln mit rot verschmierten Mündern an einem vor Blut triefendem Steak herum. An der Tischdecke ist ein Schild befestigt mit der Aufschrift: "Fleisch tötet."


Es ist eine Inszenierung, mit einer bemüht brutal-sorglosen Atmosphäre. Längst sind einige Passanten stehen geblieben, machen Fotos oderschauen sich die verschiedenen Flyer an, die das Peta-2-Streetteam an seinem Infotisch bereit hält. Diese sollen über die Fleisch-, Eier- und Milchindustrie aufklären, oder mit veganen Rezeptideen Alternativen zu tierischen Produkten aufzeigen.

Peta 2 hat deutschlandweit 34 Gruppen

"Natürlich erzeugt Kunstblut immer Aufmerksamkeit. Gerade in der Innenstadt braucht man krasse Bilder, damit die Leute stehen bleiben", sagt Maximilian Renner. Der 23-Jährige ist Mit-Organisator des Peta-2-Streetteams in Freiburg, welches mit verschiedenen Aktionen in der Innenstadt über Tierausbeutung aufklären will. Die Jugendkampagne von Peta Deutschland, Peta 2, hat mittlerweile 34 Gruppen in ganz Deutschland. Mit ihren Aktionen sollen vor allem junge Leute zwischen 13 und 25 Jahren angesprochen werden. Dabei können die Aktivisten und Aktivistinnen ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Zwar gibt es sogenannte "Aktionsrezepte", welche vom Koordinationsbüro in Stuttgart vorgeschlagen werden, was letztendlich daraus gemacht wird, bleibt den Ortsgruppen jedoch selbst überlassen.

"Natürlich erzeugt Kunstblut immer Aufmerksamkeit." Maximilian Renner
Die Gründe, warum sich die Aktivisten und Aktivistinnen bei Peta 2 engagieren, sind vielfältig, haben aber alle den gleichen Kern. "Ich ertrage das Leiden der Tiere nicht. Ich muss denen eine Stimme geben", sagt Sabrina Lipps. Die 39-jährige lebt schon seit zehn Jahren vegan und arbeitet unter anderem auf einem Gnadenhof in Frankreich, welcher Tiere aus der Massentierhaltung aufnimmt. "Die Reaktionen der Menschen sind natürlich gemischt. Manche fühlen sich angegriffen und reagieren offensiv. Die Mehrheit ist jedoch offen und interessiert", resümiert sie.

Ist die Aktion angemessen?

Auch die 28-jährige Fleur Rüppel möchte als Stimme für die Tiere laut sein. "Hauptziel der Aktionen ist, Alltagsbewusstsein zu schaffen ohne dabei militant rüber zu kommen", sagt sie. Zur Aktion gehöre auch, dass interessierte Passanten mit Mitgliedern der Organisation Gespräche führen können. "Die Reaktionen sind heute vorwiegend positiv gewesen", sagt Hannah Frost. Die 18-jährige hatte sich vor zwei Jahren entschieden vegan zu leben. "Viele finden das, was wir machen gut und nehmen Flyer mit. Aber klar, Trolls gibt es immer."

Auf die Frage, ob die Aktion angemessen ist, antwortet Maximilian: "Natürlich empfinden manche Leute unsere Aktion als zu brutal. Denen würde ich aber empfehlen sich ein Video von einer Schlachtung anzuschauen. Das ist brutal", sagt er, das Kinn immer noch blutverschmiert.

Wer sich Sorgen wegen des Bluts macht, kann beruhigt werden: Für die Aktion wurde ausschließlich Rote-Beete-Saft verwendet – vegan versteht sich.

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