Gottfried Haufe

Wieso 27 Freiburgerinnen und Freiburger in einem Video dazu aufrufen, dranzubleiben

Anika Maldacker

OB Horn, Pete von Otto Normal und Uni-Rektor Schiewer – sie alle und noch einige mehr, sagen: Bleib’ dran. In einem Video rufen sie dazu auf, nach den Wahlen aktiv zu bleiben. fudder hat mit Gottfried Haufe, der das Video produziert hat, gesprochen.

fudder: Du hast ein Video mit 27, teils bekannten, Freiburgerinnen und Freiburgern produziert. Um was geht es?

Gottfried Haufe: Ich will die Leute dazu auffordern, sich nach Wahlen nicht darauf auszuruhen, nun gewählt zu haben und zu glauben, dass das alles ist, was man zur Zivilgesellschaft und zu einer Demokratie beitragen kann. Das Video ist ein Aufruf, sich einzubringen und den Schwung, den die Kommunal- und Europawahl gebracht hat, zu nutzen.



Bleib dran – an was denn?

Daran, sich einzubringen. Das heißt, dass jede und jeder selbst entscheiden soll, wie er sich am besten in die Gesellschaft einbringen kann. Außerdem ist es ein Aufruf, die Fortschritte und Entwicklungen der gewählten Repräsentanten aktiv zu verfolgen. Jede und jeder sollte an seinen eigenen Stärken dranbleiben. Und jede und jeder hat Stärken, die für das persönliche Umfeld eine Bereicherung sind.

In dem Video wird auch für Verständnis für Politikerinnen und Politiker geworben? Denkst Du das fehlt?

Nein, ich denke nicht, dass das fehlt und Menschen kurzfristigere Erfolge erwarten. Den Aufruf des Videos hätte man schon vor zehn Jahren machen können: Schieb’ die Verantwortung nicht ab. Mir war auch wichtig, dass das Video eine positive Botschaft aussendet. Empowerment, tu was. Wählt nicht erst in vier oder fünf Jahren aus Protest etwas, sondern setzt euch jetzt ein.

Was hat dich zu dem Video motiviert?

Die Idee dazu kam mir drei Tage vor der Wahl. Ich dachte mit damals, dass die Menschen nach der Wahl vielleicht in eine Art Lethargie verfallen, weil sie nun ihre demokratische Aufgabe wahrgenommen haben. Aber das reicht eben nicht.

Demonstrieren, in Vereine gehen – das rettet doch eine globalisierte, so komplexe Welt auch nicht, könnten Gegner sagen. Ist das nicht alles zu einfach gedacht?

Nein, es ist nicht zu einfach gedacht. Mit den Vorschlägen erhebe ich ja keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer so denkt, gerade den soll das Video ansprechen und überzeugen, sich einzubringen. Oberbürgermeister Martin Horn sagt es: Leider ist nicht jeder gesellschaftliche Beitrag auf den ersten Blick erkennbar.

Martin Horn, Jess Jochimsen, Zweierpasch und Rektor Hans-Jochen Schiewer – wen hättest du noch gern im Video dabei gehabt?

Nein, ich bin absolut glücklich mit den Leuten im Video. Da sind einige bekannte und weniger bekannte Freiburger Gesichter dabei. Im Video sind sie aber alle gleich. Ich bin aber auch froh über Daniel Wurzer, der im Rollstuhl sitzt und den Slam Supreme in der MensaBar moderiert und Zrinka Bebic, die sich als Gehörlose ehrenamtlich engagiert. Das sind Leute, die ihre Stärken erkennen und einbringen.
Gottfried Haufe

Der 28-Jährige stammt aus Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern und wuchs in Rostock auf. An der Uni Freiburg studierte er Englisch und Geschichte. Er arbeitet in der Universitätsbibliothek in der Projektgruppe DEAL mit. Haufe schreibt Gedichte und Prosa und veranstaltet Lesungen.

27 Freiburgerinnen und Freiburger machen mit, darunter sieben Frauen – gibt’s in Freiburg nicht noch mehr Frauen, die was zu sagen haben?

Natürlich habe ich versucht, genauso viele Frauen, wie Männer zu finden. Ich habe im Vorfeld überlegt, wer in Freiburg was macht und wen ich kenne. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten Leute, die in den Positionen, die ich gern vertreten haben wollte, Männer sind. Das zeigt natürlich ein grundsätzliches Problem. So kamen die Teilnehmenden zusammen. Das Video hat keinen Anspruch auf Diversität oder darauf, dass es Freiburg richtig abbildet. Das Video ist auch aus meiner Blase heraus entstanden.

Was erhoffst Du dir als Reaktion darauf.

Ich hoffe, dass viele Leute sich die Botschaft zu Herzen nehmen. Natürlich kann man nach dem Video ganz wohlfeil nicken, und sagen: "Ja ja, das mache ich doch schon". Aber was vielleicht noch nicht genug ist, ist, dass man auf die eigenen Stärken schaut und das macht, worin man gut ist.

Gibt es einen Grund, dieses Video gerade in Freiburg zu drehen?

Ich glaube, die Stadt ist teilweise ein wenig verschlafen. Die Leute ruhen sich darauf auf, dass es so grün,offen und intellektuell ist. Mit dem Video will ich appellieren, dass es auch Menschen in dieser Stadt gibt, die nicht so politisch aktiv sind und die auch mitgenommen werden sollen.
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