Wie wird man Rock- und Popmusiker?

Frank Zimmermann & Thomas Kunz

Musikerkarrieren beginnen normalerweise nicht beim TV-Casting von DSDS. 5 Studenten der Freiburger Jazz- und Rockschule berichten, wie man von der Pike auf das Handwerk des Profimusikers erlernt.

Stefan Rebelski (21, Pianist)


Die meisten wollen von Freiburg in die Hauptstadt, Stefan Rebelski hat den umgekehrten Weg gewählt. Die musikalische Vielfalt brachte ihn an die hiesige Jazz- und Rockschule (JRS). „Ich habe etwas gesucht, das alle Stile vereint“, sagt Stefan. Stefan will alle Stile und Genres kennenlernen. „Im Jazz kann ich noch eine Menge lernen, da hatte ich vorher nicht so den Zugang.“

Nur mit klassischer Musik hat er nichts am Hut. Stefan hat das Gymnasium in Klasse 12 abgebrochen. Um als Musiker zu arbeiten, brauche er kein Abitur, findet er. Seine Eltern unterstützen ihn. „Ich kann ein ziemlicher Sturkopf sein. Ich setze immer das um, was ich will.“ Mit der Musik angefangen hat er mit fünf, zuerst mit der Blockflöte, bald kamen Drums, Klavier und Keyboard dazu. „Zum Klavier hatte ich gleich einen guten Draht, da konnte ich am besten ausdrücken, was ich zu Gehör bringen wollte.“

Für Stefan gibt es keinen Plan B – Musiker zu werden, ist sein Ziel. „Für mich ist das total klar. Das ist das, was ich schon immer machen wollte.“ Er hat bereits Erfahrungen als Lehrer an einer Musikschule in Berlin gemacht. Auch zurzeit gibt er privat Unterricht, schreibt mit einer Sängerin Songs und spielt in mehreren Bands mit, am Montag tritt er in der NDR-Sendung „Hamburg Sounds“ mit dem syrischen Singer-Songwriter Masen Abou-Dakn auf. Nach seinem Abschluss an der JRS würde er gerne noch an der Pop-Akademie studieren.



Julia Neumann (28, Sängerin)

Bevor Julia Neumann nach Freiburg kam, arbeitete sie sieben Jahre lang in Pforzheim als Arzthelferin. Irgendwann stellte sie fest, dass das „nicht dasWahre“ ist. Sie habe sich das mit der Gesangskarriere gut überlegt: „Leicht ist mir der Entschluss nicht gefallen. Ich war so fasziniert vom Gesang, dem Gefühl aufzutreten und der Energie, die dabei entsteht.“

Schon als Kind sang sie in Chören und lernte Klavier. Mit zehn begann sie, auch Geige zu spielen, die ersten zwei Jahre fand sie grauenhaft. Ihren ersten großenAuftritt hatte sie mit 22 bei einem Gesangswettbewerb. „Alle anderen hatten Fanclubs dabei, ich zwei oder drei Leute. Als ich gesungen habe, fingen die Leute plötzlich an zu klatschen. Für mich war das ein Schlüsselerlebnis.“ Ihr Ziel ist eine Karriere auf der Bühne. Unterrichten sei aber auch eine Option. Im Sommer will Julia in Hamburg Fuß fassen. Mit ihrer Freiburger Band will sie weiterarbeiten, neulich haben die Fünf einen Song von Julia imStudio aufgenommen.



Ajuna de Souza (18, Gitarrist)

„Latin-Musik hat mich sehr geprägt“, sagt Arjuna de Souza aus dem niederbayerischen Eggenfelden. Kein Wunder, ist dies doch die Musik seines brasilianischen Vater, eines Gitarristen, Bassisten und Sängers. Vieles an seinem Instrument brachte sich Arjuna mit Hilfe des Internets selbst bei. Natürlich war der Vater da, wenn er Fragen hatte. „Als ich nach Freiburg kam, wusste ich von allem etwas. Aber ich hatte viele kleine Baustellen. Mein erster Gitarrenlehrer hier hat mir dann sozusagen Löffel und Gabel an die Hand gegeben.“

Mit 12 fing Arjuna mit dem Gitarrespielen an. Mit 16 schloss er die Realschule ab. Früher, sagt Arjuna, wollte er immer Koch werden, „nach einem Jahr auf der Realschule, die ich ab der siebten Klasse besuchte, war für mich klar, dass ich Musiker werden will.“ Die Eltern wollten nie, dass er „etwas Richtiges“ lernt. Er hatte mit der Schulband 120 Auftritte in zweieinhalb Jahren, auch überregional, war bei einer CD-Produktion dabei und stand mit DSDS-Gewinnerin Elli Erl auf der Bühne. „Das war unglaublich cool.“ Vor der Zukunft ist Arjuna nicht bange: „Wenn du gut bist, kriegst du Auftritte.“

Eine Option wäre für ihn, nach Brasilien zu gehen, dorthin hat er gute Kontakte. „Es geht für mich nicht ums Berühmtwerden. Ich will richtig gut werden.“ Auch ein Musikstudium an einer Hochschule kann er sich vorstellen.



Roberto Carella (19, Schlagzeuger)

Wenn Roberto Carella über sein Schlagzeug spricht, dann leuchten seine Augen. „Ich mache den ganzen Tag nur Musik, nichts anderes. Allenfalls schaue ich CNN, um zu wissen, was in der Welt passiert.“ Roberto, geboren in München und aufgewachsen im norditalienischen Varese, wollte schon immer Musik studieren.

„Als ich drei oder vier Jahre alt war, habe ich immer auf den Tisch geklopft.“ Zum Verdruss der Eltern, die das anfängliche „Robbie, hör auf!“ irgendwann aufgaben und ihm ein Schlagzeug schenkten. Trotzdem wollten seine Eltern, dass er nach dem Abitur Wirtschaft studiert. Roberto hatte jedoch andere Pläne: „Mir war klar, dass ich Musik studieren muss.“

Er landete an der Jazz- und Rockschule, wo er auch Gefallen am Jazz fand. Einen späteren Wechsel ans Berklee College in Boston oder Schulen in New York oder Mailand schließt er nicht aus. Inzwischen hat er auch seine Eltern überzeugt. „Sie sehen, dass ich den ganzen Tag über und übe und regen sich auf, dass ich mich nicht ausruhe.“ Seit 2009 besucht Roberto die Jazz- und Rockschule, alle zwei bis drei Wochen fährt er zusätzlich noch nach Mailand zum Unterricht. Mittlerweile lernt der Fusion- und Progressive-Rock-Fan im Hauptstudium auch Klavier. Und hat den Traum, eines Tages als Drummer auf Tour zu gehen. „Aber jetzt konzentriere ich mich erst einmal darauf, sehr gut zu werden.“



Lena Knobloch (25, Sängerin)

Mit 13 fing Lena Knobloch aus Lörrach an, klassischen Gesangsunterricht zu nehmen, mit 15 war sie Mitglied der Metal-Rockband Imago. „Das war ein guter Ausgleich zum klassischen Gesangsunterricht“, erinnert sich Lena. „Ordentlich laut“ sei man gewesen. Mit der Rockmusik habe sie sich ausleben können, Klassik habe sie privat nie groß gehört. Ihre Gesangslehrerin unterstützte Lena bei der Rockmusik: „Sie hat auch nachgefragt und sich mal was vorsingen lassen.“

Der klassische Gesangsunterricht sei sehr hilfreich für die Rockmusik gewesen. „So habe ich gelernt, wie ich mir meine Stimme nicht ruiniere.“ In der Schule sang Lena in einer Bigband, auch mit Hip-Hoppern arbeitete sie zusammen. Ihr Credo: „Man sollte musikalisch alles einmal ausprobieren.“

Nach der Schulzeit dachte sie über ein Sozialpädagogikstudium nach, allerdings habe ihre Gesangslehrerin sie gefragt: „Bist du dir da sicher?“ Natürlichwar sie es nicht. So versuchte sie, in Richtung Musical zu gehen, lernte Tanz und spielte Theater. „Aber ich konnte mich da zu wenig selbst verwirklichen.“ Lena sang an der Musikhochschule vor, wo man ihr Talent bescheinigte, sie aber vor die Wahl „Klassikstudium oder Rockkarriere“ stellte.

Ihre Musik aufgeben wollte sie auf keinen Fall. Als sie sich bei einer Besichtigung der Jazz- und Rockschule zufällig als Sängerin auf dem Plakat eines Musikwettbewerbs entdeckte, an dem sie mit ihrer Band im Vorjahr teilgenommen hatte, war ihr klar: „Das ist meinWeg.“

Im Sommer wird Lena ihren Abschluss machen. Was danach kommt, ist offen. Die Ausbildung hat sie selbstbewusster gemacht, „ich habe jetzt mehr Ahnung“. Sie hat zahlreiche Bandprojekte und schreibt mit anderen Songs, „denn wenn ich nur Cover-Projekte mache, fehlt mir was“. Eigene Schüler hat sie auch. „Als Musiker muss ich vielseitig sein“, vom Musikmachen leben zu können, „das ist großes Glück“.

[Dieser Artikel erschien heute auf der Seite "Frisch gepresst" im Lokalteil Freiburg der Badischen Zeitung]

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