Wie wird man Partymacher? (26)

David Weigend

Guido Milinski, 43, ist gewerblich gemeldeter Discjockey und beglückt als offizieller Partymacher seit 12 Jahren Festivitäten in der Region. Wir wollten von ihm wissen, worauf es ankommt, was er verdient und wie man jede Crowd rockt. "So, Leute, seid ihr bereit?"



Voll reingehen

Um 10.30 Uhr fährt Guido Milinski mit seiner Peugeot Speedfight 2 vor dem Café Lilac in St. Georgen vor. „Punktlandung“, sagt der Partymacher, nachdem er den Helm abgenommen hat. Fester Händedruck, „wir können doch Du sagen."

Der Duft von Milinskis herbem Aftershave vermischt sich bald mit dem Geruch dampfenden Kaffees.

Während der Mann die Tasse zum Mund führt, stellen wir die erste Frage: welchen Song muss ich spielen, um eine leere Tanzfläche zu füllen?

Achtung, längere Antwort: „Mein Klassiker ist von Safri Duo „Played-A-Live“, das ist einfach geil. Das lieben die Menschen, das kennt auch jeder. Ich moderier’ das dann immer an: ,So Leute, und jetzt zum Aufwecken die Partytrommeln für euch!’ Und dann voll reingehen mit dem geilen Trommel-Intro. Das ist ein Bringer. Danach kommen so Klassiker wie „Sing Hallelujah“ von Doktor Alban hintenrein. Du musst ihnen dann oft so ein paar klassische Partydinger geben. Von mir aus im schlimmsten Fall auch noch die Wheather Girls hintendran kleben.“



Lebenslauf

Guido Milinski wächst in Freiburg auf, verkehrt als Jugendlicher in der Diskothek Landhaus und im 18-Months-Vorvorgänger Sitis. Er macht die mittlere Reife, eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und landet 1993 bei der hiesigen Sparkasse. Dort arbeitet er inzwischen hauptberuflich beim IT-Service.

Nebenberuflich firmiert er auf dem Kleinanzeigenmarkt unter der Rubrik „Feste / Unterhaltung“ als gewerblich gemeldeter DJ Der Partymacher. Auszug aus der Referenzliste: „Tennisheim Schallstadt, Gasthaus Storchennest Gottenheim, Breisgauhalle Breisach, Kleintierzuchtverein St. Georgen.“ Milinski ist verheiratet und hat eine zehnjährige Tochter.



Der erste Gig

...war vor zwölf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Zähringen. Ein Kollege zu Milinski: „Mir mache da e Feschtle und brauche noch e DJ.“ Milinski sagt "ganz frech": 450 Mark pauschal. Als er den Zuschlag bekommt, leiht er sich ein Mischpult. Die Boxen hat er schon, die beiden „handelsüblichen CD-Player“ auch. Mischer, Boxen, Verstärker, alles schön verkabelt und auf den Tisch gestellt. „War halt noch Chaos, aber du kannst ja nicht gleich in die Vollen gehen.“

Dann schiebt Milinski erstmal den Schlottermann. Keine Zähringer Rihannas mit Luxuskörpern auf dem Feuerwehrfloor, sondern Durchlaufgesellschaft mit der Mission Kuchentheke. Milinski geht auf Nummer sicher, bringt „die Schlagerwelle“: „So Rosenberg und Konsorten. Irgendwie hab ich den Gig rumgebracht und die ersten Flocken kamen rüber.“



Berufsabgrenzung

„Ich bin kein Club-DJ, sondern ein Party-DJ.“ Das bedeutet: kein Deep House, sondern Mainstream, Charts, bei „Sechzigern“ gern auch Walzer. Mit dieser Aussage nimmt Milinski Kritikern den Wind aus den Segeln. Mehr noch, er sagt: „Ein Fehler vieler Party-DJs ist es, zu glauben, Trends setzen zu müssen.“ Das sei nicht sein Job.

Seine Aufgabe als Dienstleister ist es, bestehende Vorlieben zu bedienen. Dazu brauche er eine – wie er es nennt – Antenne, also ein künstlerisches Gespür dafür, wie man die Kundschaft zum Abgehen bringt.

Klar distanzieren möchte sich Milinski auch vom Alleinunterhalter: „Der macht Pseudo-Livemusik, das meiste kommt vom Chip. Er singt auch noch, Volkstümliches und so Après Ski-Zeug. DJ Ötzi von vorn bis hinten.“



Moderation

Milinski singt zwar nicht, aber er spricht: „Man muss als DJ verbale Präsenz zeigen.“ Er findet es „ne verrückte Nummer“, dass 80 Prozent der DJs, die er kennt, überhaupt nicht moderieren. Mit Schüchternheit komme man aber im Berufssegment „Partymacher“ nicht weit. Milinski jedenfalls eröffnet das Buffet, begleitet Spiele und macht auf Wunsch allerhand Durchsagen. Yeah!



Standzeiten auf der Tanzfläche

Weil es fast schon was Fleisch-ist-mein-Gemüsiges hat, wenn Milinski von Fehlern angehender Discjockeys berichtet, hier ein längerer Wortlaut: „Viele Intros sind nicht tanzbar. Die müssen schon mal raus. Wir machen natürlich nicht so wie die Club-DJs so Takt in Takt, aber der Übergang muss schon stimmen. Wenn Standzeiten auf der Tanzfläche entstehen, weil da fünf Minuten dum dum, trommel trommel läuft, das geht schon mal gar nicht.

Und es muss natürlich thematisch passen. Ich war letzten Samstag mit nem Boxenschubser auf ner Hochzeit, nee, es war sogar n Fuffziger. Zum Schluss sagt der Kollege, er habe ein Lieblingslied von der Hermes House Band, "Amarillo".

Ich hatte schon 'n schönes Chill-Out gemacht, so n bisschen was zum Schmusen, wie sich das gehört, und dann wollte er noch Amarillo laufen lassen. Eigentlich ein Klassiker. Aber: zu diesem Zeitpunkt ist das ein absolutes No-Go. Um Drei sollte Schluss sein! Da kann ich von mir aus noch 'ne Tracy Chapman oder sowas hinten rauslaufen lassen, damit die Gäste auch wirklich gehen, aber Amarillo, nee.“



Kundenstamm

Der ist sehr breit. Milinski betätigt seine CD-Player bei Fasnachtsfeiern von Realschülern, auf Hochzeiten von Deutschrussen und auch bei Omas sechzigstem Geburtstag. Dementsprechend groß und 18.000 Titel umfassend ist sein Repertoire, im dem Genres wie Punkrock oder Techno allerdings weiße Inseln darstellen.

Verantwortung

„Du hast 70 bis 80 Prozent der Verantwortung für so ne Festivität“, meint Milinski. „Wenn du Scheiße baust, dann läuft das Fest nicht.“ Man müsse auch eine dicke Haut haben angesichts angetrunkener Aggrogäste, die mit der Musik nicht einverstanden sind: „Ich bin schon angeschrien und angefasst worden. Da wackelsch mit den Ohren.“



Finanzen

Die ersten drei, vier Jahre habe er mit seinem Nebenjob nichts verdient, sagt Milinski. Das Honorar investierte er gleich wieder in seine CD-Sammlung und in die Sound-Anlage. Mittlerweile sagt er: „Man wird damit nicht reich, aber es ist ein gutes zweites Standbein.“ Milinski hat die verlangte Gage auf seiner Website fixiert: 290 Euro Grundpauschale pro Abend, bis Mitternacht.

Ärgerlich findet der Mann mit der markanten Goldkette, wenn die Konkurrenz mit unlauteren Mitteln die Preise drückt: „Kollegen werben mit einem Repertoire von 100.000 Titeln. Alles geklautes Zeug.“

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