Wie wird man eigentlich … Steinmetzin?

Enya Steinbrecher

Die 17-jährige Ilka Wieber macht in der Münsterbauhütte Freiburg eine Ausbildung zur Steinmetzin. Wie sie dazu kam und wie sie es in der Ausbildung bis nach Norwegen geschafft hat, hat sie fudder-Mitarbeiterin Enya Steinbrecher erzählt.

Über den Berufswunsch "Steinmetz" war Ilka Wiebers Umfeld verblüfft – doch alle reagierten positiv. "Viele Leute wissen gar nicht, dass es den Beruf noch gibt", sagt die 17-Jährige, die im zweiten Jahr eine Ausbildung zur Steinmetzin in der Münsterbauhütte in Freiburg macht. Damit arbeitet sie für einen Betrieb, welcher an der Erbauung des Münsters beteiligt war und jetzt für seine Instandsetzung zuständig ist.


Der Berufswunsch von Ilka kam nicht überraschend: Schon als Kind malte sie gerne, sie bastelte und arbeitete mit Speckstein. In ihrer Schulzeit machte Ilka ein Praktikum bei einem Steinmetz in ihrem Heimatdorf. Nach dem Realschulabschluss folgte ein Praktikum bei der Münsterbauhütte – welches ihr den Ausbildungsplatz einbrachte.

Das Bearbeiten von Grabsteinen war anfangs noch gewöhnungsbedürftig

Viele wüssten gar nicht, was der Beruf des Steinmetzes mit sich bringt, sagt die Auszubildende. Dazu gehört zum Beispiel das Bearbeiten von Grabsteinen – "das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig", meint sie. Aber auch Brunnen, Treppen und Vogeltränken liegen regelmäßig auf ihrem Arbeitsplatz. Später kann sie dann auch Skulpturen bearbeiten. "Darauf freue ich mich schon." Bisher glaubt sie aber, sei sie noch nicht gut genug dafür – "man kann es aber lernen." Einfach nur Dinge zuzusägen, wie Küchenplatten und ähnliches, findet sie dagegen langweilig.

Viele ihrer Freunde waren überrascht, dass sie als Frau so einen körperlichen Beruf ausübt. Ilka ist das jedoch egal. "In meiner Klasse sind auch ein paar junge Frauen, genau so wie bei uns auf der Arbeit", sagt Ilka. Nachteile hatte sie bisher keine deswegen und auch von den anderen Frauen in ihrem Beruf hat sie nichts Negatives gehört.

Ilkas Tag startet um 4.45 Uhr

Für ihren Beruf steht die Auszubildende jeden Morgen um 4.45 Uhr auf, um mit dem Zug nach Freiburg zu fahren. "Um sieben beginnt die Arbeit", so Ilka. Nach Hause kommt sie erst weit nach 18 Uhr. Trotz der anstrengenden Arbeitszeiten scheut Ilka keine Herausforderungen – aus diesem Grund nahm sie die Chance sofort wahr, als sie erfuhr, dass während der Ausbildung ein Erasmusjahr während der Ausbildung möglich ist.

Mit dem Erasmusjahr sollen Auszubildende internationale berufliche Kompetenzen erhalten. "Im Ausland wurde der Austausch bezuschusst und ich habe mich dann für Norwegen entschieden", so Ilka. Sie konnte zwischen verschiedenen Ländern wählen – am Ende blieben Norwegen und Spanien. Sie entschied sich für den Norden – "weil man im Süden öfter mal Urlaub macht."

Es ist etwas anderes, auf sich selbst gestellt zu sein Ilka Wieber
Drei Wochen war sie schließlich in Trondheim in Norwegen – und lernte dort vieles über den Arbeitsalltag und sich selbst. "Ich habe menschliche Erfahrungen gesammelt", erklärt sie. "Es ist etwas anderes, auf sich selbst gestellt zu sein." Auch eine andere Arbeitsweise wurde ihr in Trondheim nahegebracht.

So arbeite man dort mit anderem Stein und mehr mit dem Fäustel, einer Art Hammer, als in Deutschland. Nach ihrer Rückkehr hat sie einiges für ihre Leben mitgenommen: "Ich möchte jetzt genauer arbeiten", sagt Ilka. Auch das Arbeitstempo sei anders gewesen – sie möchte sich daran orientieren und schneller werden. Auch dass sie selbstständiger geworden ist, hat Ilka zu hören bekommen.

Ilka möchte sich auf die Fachrichtung Steinbildhauer spezialisieren

"Anfangs waren meine Eltern wohl nicht so begeistert, dass ich nach Norwegen will", sagt Ilka und lacht. Dann jedoch freuten sie sich für sie und sicherten ihr ihre Unterstützung zu. Für diese Hilfe ist sie sehr dankbar. Auch die Handwerkskammer und die Münsterbauhütte unterstützten sie und kümmerten sich beispielsweise um organisatorische Fragen.

Im dritten Lehrjahr möchte Ilka sich auf die Fachrichtung Steinbildhauer spezialisieren. Wie es danach weitergeht, lässt sie sich offen. "Man kommt als Steinmetz viel rum", so Ilka. Steinmetze werden überall gesucht. "Ich habe mir auch überlegt, auf die Walz zu gehen." Dafür müsste sie drei Jahre und einen Tag unterwegs sein und in ihrem erlernten Beruf arbeiten – im Umkreis vom dreißig Kilometern um ihren Heimatort darf sie nicht arbeiten.

"Die meisten Leute wandern oder trampen", sagt Ilka. Zugfahren sei nicht so beliebt. Im ersten Jahr müsste sie für die Walz in Deutschland bleiben – danach weitet sich diese Grenze aus auf Europa und im dritten Jahr kann sie durch die ganze Welt reisen – und dabei immer von dem leben, was sie als Steinmetzin verdient.
Der Beruf des Steinmetzes zählt zu den ältesten Berufen überhaupt. Für die Ausbildung wird offiziell kein bestimmter Schulabschluss benötigt, Bewerber mit mindestens einem Hauptschulabschluss haben aber die besseren Chancen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und Bewerber müssen körperlich kräftig und geschickt sein. Ebenso zählt künstlerisches Talent zu den Voraussetzungen. Im dritten Lehrjahr entscheiden sich die Azubis entweder für die Fachrichtung Steinmetz/in oder Steinbildhauer/in. Am Ende des dritten Lehrjahres steht die Gesellenprüfung. Nach einer abgeschlossenen Meisterprüfung ist auch ein Weg in die Selbstständigkeit möglich.

Web:Münsterbauhütte Freiburg

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