Wie wird man eigentlich Saunameisterin?

Cristina Morales

Lisa Kurtz verbringt ihre Arbeitstage dort, wo andere am liebsten entspannen: In der Sauna. Die 19-Jährige ist Fachangestellte für Bäderbetriebe und arbeitet im Eugen-Keidel-Bad Freiburg.

Lisa Kurtz, 19, ist Fachangestellte für Bäderbetriebe im Eugen-Keidel-Bad Freiburg und für Aufgüsse, Aufsicht und Betreuung der Saunagäste zuständig. Fudder- Mitarbeiterin Cristina Morales sprach mit ihr über ihre Weiterbildung zur Saunameisterin, die Liebe zum Saunieren und dem Arbeiten an Orten, an denen andere Urlaub machen.


Berufsalltag

Schon als Kind ist Lisa gerne Saunieren gegangen. Ob im Familienurlaub in Norwegen oder in der eigenen Fasssauna ihrer Eltern: Die Sauna wurde früh zum festen Bestandteil ihres Lebens. Seit Juni 2017 arbeitet Lisa Kurtz in der Saunalandschaft des Eugen-Keidel-Bads. Fachangestellte für Bäderbetriebe sind sonst auch in Frei- oder Hallenbädern tätig.

Es ist ein sonniger Mittwoch, die Außenanlage der Saunalandschaft ist kaum besucht. Man hört nur das leise Plätschern der Wasseranlage, sonst ist es ruhig. Die 19-jährige Angestellte Lisa Kurtz hat heute Schichtdienst. Sie kommt aus Pirmasens in der Pfalz und lebt erst seit zwei Monaten in Freiburg. Ihr Freund, der ebenfalls als Fachangestellter für Bäderbetriebe arbeitet, vermittelte Lisa ans Eugen-Keidel-Bad. Lisa und ihre Kollegen tragen ein grünes Poloshirt zu dunklen Shorts. Auf der Rückseite der Shirts steht "Schweisstreiber."

Bei 95 Grad Raumtemperatur warten die Gäste entspannt auf den ersten Aufguss von Lisa. Konzentriert gießt sie eine Mischung aus Ölen und Essenzen auf die heißen Steine des Saunaofens. Dampf entsteht und die Zeremonie beginnt. Lisa weist die Gäste daraufhin, dass sie den Raum verlassen können, wann sie wollen. Die Beratung der Gäste über "richtiges Saunieren" ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Der Dampf verteilt sich, indem sie ein Handtuch nach einer bestimmten Wedeltechnik schwingt.

Saunameister können sich durch Wochenendseminare in den Bereichen Wedeltechniken und Aufgussarten fortbilden. Je nach Duftessenz kann ein Aufguss entspannend, belebend oder erfrischend wirken. Nach zehn Minuten heißer Luft ist das Saunabad beendet. Zur Abkühlung gehen viele Gäste unter die eiskalte Außendusche und dann in den Naturbadesee auf dem Gelände.

Vom Saunaleiter des Eugen-Keidel-Bads Klaus Binder bekommt Lisa eine In-House-Ausbildung. Ihr Chef vermittelt ihr das notwendige Wissen durch einen hohen Praxisbezug. Lisa bekommt von ihm demonstriert, wie er aufgießt, sich dabei bewegt und mit dem Saunatuch oder Fächer wedelt. Außerdem empfiehlt er den Gästen, dann die Sauna zu verlassen, wenn es der eigene Körper verlangt. "Unsere Aufgabe ist es, den Gästen gesundes Saunieren zu vermitteln", sagt Klaus Binder. Neben der Durchführung weiterer Aufgüsse ist Lisa heute für das Peeling in der Dampfsauna verantwortlich. Hauptsächlich Männer haben sich im türkischen Dampfbad versammelt.

Lisa gibt jedem Gast eine Handvoll des Honig-Salz-Peelings und erklärt, dass man die lecker riechende Masse auf dem Körper verteilen kann. Zu ihren weiteren Aufgaben zählt die Überwachung der Badeordnung und auch Erste-Hilfe bei Notfällen.

Berufseinstieg

Lisa Kurtz hat in Pirmasens zuerst eine dreijährige Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe abgeschlossen. Im ersten Ausbildungsjahr verdient man 753 Euro pro Monat, im zweiten 803 und im dritten 849 Euro. Das Einstiegsgehalt liegt zwischen 2000 und 23000 Euro brutto. Fachangestellte für Bäderbetriebe arbeiten in Schwimmbädern oder Saunen und sorgen dort dafür, dass alles seine Ordnung hat. Sie leiten Schwimmkurse, nehmen Schwimmabzeichen ab und beaufsichtigen die Badegäste.

Im Eugen-Keidel-Bad Freiburg erweitert Lisa nun ihre Kenntnisse um die Weiterbildung des Saunameisters. Der Beruf des Saunameisters ist in Deutschland nicht geschützt, es gibt keinen klaren Ausbildungsweg.

Man kann sich unter anderem über den deutschen Saunaverbund zum Saunameister ausbilden lassen. An der Akademie für Aus- und Fortbildung im Badewesen des Deutschen Sauna-Bundes werden dreimal im Jahr Lehrgänge zum Saunameister angeboten. Die Schulung dauert 14 Tage.

Fähigkeiten

Die meisten Saunameister haben bereits einen anderen Beruf im Gesundheits- oder Wellnesssektor abgeschlossen. Sie haben als Bademeister, Masseur, Physiotherapeut, Krankenpfleger oder Fitnesstrainer angefangen und bilden sich dann zum Saunameister weiter.

"Eine solche Kombiausbildung ermöglicht gute berufliche Perspektiven", sagt Lisa. Die dreijährige Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe setzt sich aus Schwimmkursen, Aquagymnastik und Erste- Hilfe- Maßnahmen zusammen.

Ein Saunameister muss dienstleistungs- und team-orientiert handeln. Außerdem muss man die Bereitschaft mitbringen, im wechselnden Schichtdienst auch an Wochenenden und an Feiertagen zu arbeiten. Körperliche Voraussetzungen sind ein belastbares Herz sowie eine gute Kondition.

"Man muss sportlich sein. Nach Feierabend waren wir während der Ausbildung jeden Tag eine Stunde schwimmen", sagt Lisa. Zudem hilft ein Sinn für Bewegung dabei, die Wedeltechniken zu erlernen. "Nicht jeder hat das Standing, eine Show abzuziehen", sagt Klaus Binder. Doch genau das ist im Bereich der Wellness- und Gästeanimation an Urlaubsorten gefragt.

Ausblick

Als Fachangestellte für Bäderbetriebe kann man durch eine spezielle Prüfung zum Meister für Bäderbetriebe aufsteigen. "Dann kann man ein Bad leiten und den Nachwuchs ausbilden", erklärt Lisa. Der Zusatz Saunameister ermöglicht das Arbeiten auf der ganzen Welt.

Saunameister finden auch in Fitnessclubs oder internationalen Hotels einen Job. Lisas Traum ist es, eines Tages auf einem Kreuzfahrtschiff wie der Aida zu arbeiten. "So kann ich viel von der Welt sehen und arbeite gleichzeitig. Quasi wie eine Stewardess, nur als Fachangestellte auf einem Schiff."