Wie wird man eigentlich … Erlebnispädagoge?

Felix Klingel

Freiburg ist ein Hotspot für Erlebnispädagogik – in der Stadt gibt es sehr viele Anbieter. Doch was bringt der Beruf eigentlich mit sich? Und wie läuft die Ausbildung ab? fudder hat Rafael Steeb bei seiner Arbeit begleitet.

Der Tag beginnt mit einem Ritual, das jeder aus seiner Schulzeit kennt. Ein extrem in die Länge gezogenes "Guteeeen Morrrgeeen Heeeer … ". Dann aber bricht die Klasse ab. Der Name fehlt. Heute steht kein bekannter Lehrer vor den Schülern, sondern Rafael Steeb, der als Erlebnispädagoge beim Freiburger Anbieter Wildzeit arbeitet. "Ich bin kein Herr, ihr könnt Rafael sagen", lockert der die Situation auf. Damit ist gleich klar: Die kommenden Tage sollen anders verlaufen als der Schulalltag.


Rafael macht mit der Klasse ein dreitägiges Programm am Titisee: Floß bauen, Bogenschießen, Klettern. Einfach gesagt: Draußen sein und etwas gemeinsam erleben – das ist das Konzept der Erlebnispädagogik. "Das Schöne daran ist, dass man damit auch Schüler erreicht, die man sonst nicht bekommt", sagt Rafael. Durch das gemeinsame Erleben sollen die Kinder ihre Persönlichkeit weiter entwickeln und lernen, sich in sozialen Rollen zu bewegen.

Erlebnispädagogik kommt langsam im klassischen Bildungssystem an

Lange Zeit war Erlebnispädagogik nur bei Reformansätzen wie etwa bei den Pestalozzi-Schulen beliebt. Langsam kommt die Erlebnispädagogik aber auch im klassischen Bildungssystem an: Die 6. Klasse, die Rafael betreut, kommt von einem allgemeinbildenden Gymnasium aus Neckarsulm. Außerdem funktioniert das Ganze natürlich auch für Erwachsene: Etwa als Teambuilding-Maßnahme in einer Firma.

Für die Klasse geht es nun los: Rafael führt die knapp 30 Schüler von ihrer Jugendherberge zum Titisee. Heute steht Floßbauen auf dem Programm. "Es wird Situationen geben, in denen etwas falsch läuft", sagt der 26-Jährige zu den Kindern. "Konflikte löst ihr, in dem ihr andere ermutigt, und ihnen nicht nur sagt, was sie falsch machen." Die Pädagogik streut er immer mal wieder ein, wie eine leichte Prise Salz in die Suppe aus Erlebnissen.

"Es gibt natürlich Klassen, da ist es sehr anstrengend" Rafael


Heute hat er es damit einfach: In der Klasse gibt es keine großen Konflikte. "Es ist wichtig vorher zu wissen, ob es in der Klasse Probleme gibt, denn daran soll man ja arbeiten", so Rafael. Mit den Lehrern hat er sich vorher darüber ausgetauscht und mit dieser Klasse soll vor allem an der relativ strikten Abtrennung zwischen Jungen und Mädchen gearbeitet werden. Darum bauen die Schüler und Schülerinnen ihre Floße in gemischten Gruppen – die zufällig zusammengewürfelt werden.

"Es gibt natürlich Klassen, da ist es sehr anstrengend", sagt Rafael. Erst vor kurzem hatte er so eine auf einem Workshop: Es gab fast nur Beleidigungen und Streitereien, eine normale Kommunikation war kaum möglich. Und dann? "Man muss das Richtige finden, um sie zu catchen", sagt Rafael. Die ersten Stunden waren extrem anstrengend, er hatte danach kaum noch eine Stimme.

Erlebnispädagoge ist kein geschützer Beruf – jeder kann sich so nennen

"Dann bin ich mit ihnen in den Wald gegangen und wir haben Sachen gebaut – darauf hatten sie dann Bock". Ein Patentrezept, wie man mit schwierigen Klassen umgeht, hat er aber nicht: "Man muss sich immer individuell darauf einstellen", sagt Rafael. Darum findet er es auch gut, in seiner Ausbildung bereits viel Praxiserfahrung gesammelt zu haben.

Die Ausbildung zum Erlebnispädagogen unterliegt keinen festen Regeln, da der Beruf kein staatlich geschützter Ausbildungsberuf ist. Rafael hat seine Ausbildung beim Freiburger Anbieter Wildzeit gemacht. Er studiert momentan noch an der PH auf Lehramt und ist durch sein Interesse am Draußen-Sein auf die Idee gekommen, nebenher die Ausbildung zu machen.

Die Berufsaussichten sind gut

Bei vielen Anbietern bezahlt man die Kosten dafür selbst – bei Wildzeit kann man die Stunden abarbeiten. "Anders hätte ich mir das neben dem Studium auch nicht leisten können", so Rafael. Ein Jahr dauerte die Ausbildung insgesamt, darin eingeschlossen ein ganzes Praxissemester. Außerdem ein Theorie-Teil, bei dem man sowohl in Pädagogik als auch in den verschiedenen Aktivitäten wie etwa Klettern geschult wird. Je nach Anbieter kann die Ausbildung sehr unterschiedlich ablaufen.

Die Berufsaussichten für Erlebnispädagogen sind dann aber gut: "Man muss sich nur klar machen, dass es eine saisonale Arbeit ist", sagt Rafael. Im Sommer hat man also viel zu tun, im Winter ist dagegen Flaute. "Einige arbeiten dann als Skilehrer, oder gehen eben ins Ausland, um dort etwas zu machen." Allerdings ist die Konkurrenz in Freiburg etwas höher, da es viele Anbieter gibt, die ausbilden.

Die Schüler der 6. Klasse auf Neckarsulm sind inzwischen dabei ihre Flöße zu bauen. "Ab jetzt läuft es von alleine", sagt Rafel. Er will später selbst Lehrer werden, obwohl im der Job als Erlebnispädagoge eigentlich viel Spaß macht: "Wenn man morgens mit Badehose und Taschenmesser zur Arbeit geht, hat man schon etwas richtig gemacht."
Anbieter in Freiburg

In Freiburg gibt es viele verschiedene Anbieter, die unterschiedliche Konzepte fahren und meistens auch Ausbildungen anbieten. Dazu gehören neben Wildzeit: EOS-Erlebnispädagogik, das N.E.W.-Institut, die zwergerraab GmbH, die do&be Training GmbH, der Verein Eisbär, der Verein Outside, das Snaketeam und weitere freie Anbieter.

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