Wie werde ich Zauberer? (27)

Katharina Wenzelis

"Morgens zaubern ist wie Wein zum Frühstück", sagen Judith Asal und Tanjano Hassio. Die beiden Freiburger verdienen mit der Zauberei ihr Geld. Sie nennen sich "Die Fantastischen Zwei" und treten bei diversen Festivitäten auf. Uns haben sie erzählt, wie man ihren Beruf am besten erlernt.

Zaubern als Beruf


"Zaubern ist etwas Besonderes. Wenn man einen Trick beherrscht, kann man noch lang nicht zaubern. Der Trick ist nur die Voraussetzung. Bei unserem Beruf geht es darum, Leute zu unterhalten, zum Lachen und Staunen zu bringen. Ein wenig Schauspielerei gehört dazu. Wir treten auf bei Hochzeiten, Messen und anderen Veranstaltungen", sagt Tanjano Hassio.

Es gibt viele verschiedene Sparten in der Zauberei, beispielsweise Gegenstände verschwinden lassen oder das Arbeiten mit Seilen und Ringen. "Mein Lieblingsbereich ist die Mentalmagie, wie Gedanken lesen oder einen Gegenstand erraten, an den eine Person gerade gedacht hat", sagt Judith Asal.



Arbeitszeiten

Um das Zauberhandwerk zu beherrschen, muss man einige Zeit fürs Üben aufbringen. Judith und Tanjano üben etwa 20 Stunden in der Woche.
Meist arbeitet man als Zauberer am Wochenende und abends. In jeder Woche ist die Arbeitszeit unterschiedlich. Die Menge der Arbeit ist stark saisonabhängig, in der Weihnachtszeit beispielsweise herrscht größere Nachfrage.

"Manchmal haben wir auch vormittags einen Auftritt, beispielsweise an Schulen. Das ist aber eher selten und auch etwas komisch. Um 9 Uhr morgens zaubern, das ist wie Wein zum Frühstück, das passt irgendwie nicht", sagt Tanjano und lacht.

Werdegang

Tanjano Hassio ist vor 22 Jahren der Zauberei erstmals auf der Zeil in Frankfurt begegnet. "Dort war ein Typ, der hat Fünfmarkmünzen unter einem Metall-Zylinder verschwinden und an einer anderen Stelle wieder auftauchen lassen. Er hat den Trick für 20 Mark verkauft. Ich war total begeistert und habe ihm den Trick abgekauft. Dann habe ich den Zaubertrick meinen Freunden gezeigt, die waren total platt", erzählt Hassio.

So begann seine Karriere als Zauberer. Tanjano las viele Bücher übers Zaubern. Die neu erlernten Tricks zeigte er stets seinen Freunden. "Zaubern lernen fordert viel Konzentration, Aufmerksamkeit und Geduld."

Die Partnerin von Tanjano, Jutih Asal, hat das Zaubern vor zwei Jahren entdeckt und ihr Können von Tanjano gelernt. Heute treten sie gemeinsam auf.



Honorar eines Zauberers

Den Verdienst eines Zauberers kann man nicht pauschalisieren. Die beiden unterscheiden zwischen Privaten- und Business-Events, außerdem wird zwischen Auftritten vor Erwachsenen und vor Kindern unterschieden. Es kommt auch auf die Bedingungen an: wieviele Personen anwesend sind, wie lange der Auftritt sein soll und so weiter. Bei einem Business Event liegt die Gage zwischen 500 und 2000 Euro, bei einem Kindergeburtstag zwischen 100 und 250 Euro, bei Hochzeiten verlangen die beiden um die 10 Euro pro Zuschauer.

Ausbildung

Es gibt verschieden Wege, das Zaubern zu erlernen. Viel kann man aus Büchern und DVDs lernen. "Am meisten kann man natürlich von einem Zauberer selber lernen, denn einem Buch kann man keine Fragen stellen", sagt Tanjano. Das Zauberpärchen bietet auch Workshops an. Es gibt auch Zauberschulen, beispielsweise die Zauberschule Nürnberg. Dort kann man einmal in der Woche in vier Semestern das Zaubern lernen. Eine Art Abschlussprüfung stellt die Aufnahmeprüfung in den magischen Zirkel dar.

Wie lange braucht man, um die Zauberei zu erlernen? "Es kommt darauf an, für welchen Zweck jemand Zaubern lernen möchte, ob man nur ein paar Tricks auf einer Privatparty zeigen will oder ob man das Zaubern als Beruf ausüben will. Desweiteren ist wichtig, ob jemand Talent und Eifer hat", sagt Judith. Man sollte im positiven Sinne geltungssüchtig sein und nicht schüchtern.

"Der Anfang war für mich recht einfach, da ich die Tricks recht schnell beherrscht habe. Erst später habe ich gemerkt, dass die Tricks nicht alles sind. Man muss lernen, sein Publikum einzuschätzen und mit ihm zu spielen", sagt die Zauberin. Menschenkenntnis sei wichtig und die Gabe, seine Tricks emotional vorzuführen.



Der magische Zirkel

...ist eine internationale Vereinigung von Zauberkünstlern. Der Zirkel organisiert mehrmals im Jahr Zauberveranstaltungen, etwa die Deutsche Meisterschaft der Zauberkunst oder den Straßenzauberwettbewerb. Einmal im Jahr findet der Zauberkongress in Sindelfingen statt. Dort treffen sich Zauberer, um sich auszutauschen und neue Zaubertricks zu präsentieren. Außerdem ist der Kongress auch eine Art Börse, bei der sich Zauberer mit speziellen Utensilien eindecken können.

Schöne Seiten des Berufs

"Wohin wir auch kommen, die Leute haben immer gute Laune und sind meist am Feiern. Sie freuen sich über unser Kommen. Das ist das Schönste an unserem Job", sagt Judith. "Außerdem macht das Zaubern großen Spaß. Man kann den Leuten viel geben und bekommt dafür jede Menge Energie zurück."Beide hatten früher normale Jobs, Judith war chemisch-technische Assistentin und Tanjano Sozialarbeiter."Als Sozialarbeiter arbeitet man oft mit Menschen zusammen, die große Probleme haben. Als Zauberer macht man die Menschen glücklich und bringt ihnen Spaß, das ist etwas Besonderes", so Tanjano.



Was nervt?

"Dass Frauen in diesem Beruf oft noch nicht richtig anerkannt werden. Vor allem bei der älteren Generation hat ein Zauberer männlich zu sein und ich werde automatisch als Assistentin angesehen." Aber ansonsten hat sie nichts zu mäkeln.

Stolz erzählt Judith, dass sie im Dezember mit einem Fernsehteam in Kinderkrankenhäusern und Altenheimen unterwegs sein wird. "Ich besuche Menschen, die nicht so viel zu lachen haben in ihrem Leben und versuche, ihnen ein wenig Freude zu bereiten. Das Kamerateam begleitet mich dabei."

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