Wie werde ich Trainerin im Westernreiten?

Saskia Scherer

Viele Mädchen wollen "irgendwas mit Pferden" machen - Gabriele Zipfel vom Erlenhof in Buchenbach hat sich diesen Kindheitstraum erfüllt. Sie ist Trainerin im Westernreiten und leitet einen Reitschulbetrieb mit knapp 50 Pferden. Angefangen hat sie zwischen Kühen und Schweinen - auf dem Rücken von Kälbern.



Ungeduldig wartet Easter Berry King auf seine Besitzerin. Der Quarter-Horse-Wallach - eine amerikanische Pferderasse - drängt sich gegen die Boxentür und schaut ihr entgegen. Als Gabriele Zipfel den Stall betritt, freut er sich, sie zu sehen und will schmusen. "Na Bub", sagt sie, streichelt seinen Hals und geht dann zu ihm in die Box. Als sie diese kurz darauf wieder verlässt, möchte er gleich hinterher - doch sie vertröstet ihn auf später. "Er ist immer bereit", erklärt sie anschließend und erzählt, dass er stets aufmerksam ist und wenn irgendetwas nicht stimmt, ein Riesentheater macht. "Du bist halt der Chefin ihr Pferd!", sagt sie. Man merkt, dass sie stolz auf ihn ist.


Der Erlenhof ist eine Reitanlage im Himmelreich in Buchenbach, auf der Familie Zipfel und knapp 50 Pferde leben - Quarter-Horses, Haflinger, Shetlandponys und noch einige andere Rassen. Etwa 80 Kinder und 30 Erwachsene nehmen hier jede Woche Reitstunden. In den Ferien bieten die Zipfels Kinderfreizeiten an. Die Sommerferien sind komplett ausgebucht. Wichtig für Gabriele ist, dass ihre Reitschüler nicht aufs gesattelte Pferd gesetzt werden. "Der Kontakt zum Pferd gehört dazu", sagt sie. Es liegt ihr am Herzen, dass die Leute putzen und pflegen ebenfalls lernen.

Gabriele Zipfel ist auf einem kleinen Bauernhof in Buchenbach aufgewachsen. Tiere hat sie schon immer gemocht. "Wir hatten Kühe und Schweine, aber ich habe um ein Pony gebettelt", erinnert die 48-Jährige sich. Aber ihr Vater hat es ihr nicht zugetraut und befürchtet, die ganze Arbeit bleibe später an ihm hängen. Also gab es kein Pony. Für Gabriele hieß das Plan B: "Ich bin dann ganz einfach auf den Kälbern geritten." Zu groß war die Sehnsucht nach einem Pony. Als auch das nicht reichte, bearbeitete die kleine Gabi ihre Mutter so lange, bis sie mit ihrem Meerschweinchen nach Kirchzarten zu einer Tierärztin fuhren, die eigene Pferde hatte. So lernte sie nach und nach, Pferde zu pflegen, zu longieren oder für Turniere vorzubereiten. Gleichzeitig machte sie dort ihre Lehre zur Tierarzthelferin. Richtig reiten lernte sie mit 14 Jahren in einer Reitschule.

Zum Glück helfen ihre Kinder viel mit

Gabrieles Arbeitsalltag besteht vor allem darin, die Reitschule zu managen und nach der Gesundheit der Pferde zu schauen. Sie gibt auch Kurse für den Erwerb des Basispasses oder des Reitabzeichens. Nebenher bringt sie der Auszubildenden etwas bei. Zum Glück helfen ihre Kinder viel mit. Ihre Tochter Anita reitet zum Beispiel Jungpferde ein, da sie auch ein bisschen züchten.

Heute bringt Gabriele anderen bei, wie man reitet. In der Reithalle nimmt ihre Auszubildende für die nahende Abschlussprüfung eine Reitstunde. Hier bleibt Gabriele ein paar Minuten stehen und schaut zu. "Sieht schon viel besser aus", sagt sie. Sie freut sich.

Ihr Mann, Gerhard Zipfel, wohnt seit jeher auf dem Erlenhof, den er von seinem Vater geerbt hat. Nachdem Gabriele ihn kennengelernt hatte, nahm Gerhard sie regelmäßig mit auf den Hof. Dort durfte sie das Pferd eines Einstellers pflegen durfte, der sein Pferd bei ihnen im Stall untergebracht und zu wenig Zeit hatte. Dann bekam Gabriele endlich ihr erstes eigenes Pferd: die Stute Tanja. Schon damals hat sie begonnen, die Kinder von Gästen herumzuführen. Bald standen ihr Mann und sie vor einer Entscheidung: Sie hatten 30 Milchkühe und zehn Pensionspferde und haben sich gefragt, auf was sie sich konzentrieren sollen. Da zu dieser Zeit die BSE-Krise aufkam, entschieden sie sich, den Kuhstall zu einem großen Pferdelaufstall umzubauen.

Die Pferde, die dort stehen, tragen Halsbänder mit Chips, mit denen sie die Futterständer aktivieren können, sodass ihr eigenes Futter ausgeschüttet wird. Eine Arbeitserleichterung. "Das heißt aber nicht, dass wir gar nichts mehr machen müssen", sagt Gabriele. Die Anlage muss kontrolliert und regelmäßig aufgefüllt werden.

Die Vorfreude der Kinder ist greifbar

2001 hatten die Zipfels einen Architekten damit beauftragt, ihnen eine Reitanlage zu entwerfen - mit einem Stall mit 24 Boxen mit Paddock (einem Auslauf), einer Reithalle und ein Service-Gebäude samt Toiletten und Sattelkammer. "Unser Motto: Alle sollen sich wohlfühlen", sagt Gabriele. Es sieht so aus, als ob das funktioniert.

Gabriele schaut bei einer Kinderfreizeit nach dem Rechten. Die Kinder putzen und satteln die Pferde gerade für den Ausritt: Willy, Lisa, Lucky, Sky, Marco und Co. Die Vorfreude der Kinder ist greifbar, sie laufen aufgeregt um die Pferde herum. Bevor es ins Gelände geht, darf jedes Pony noch einen Schluck trinken. Es gibt ein bisschen Gerangel an der Tränke, und vor allem Sky hat keine Lust auf Lisa und legt sofort die Ohren an. Zum Glück sind viele erfahrene Hofmädels dabei, um den Kindern zu helfen.



Gabriele hat sich zunächst selbst fortgebildet und vor allem vom traditionellen Englisch- aufs Westernreiten umgestellt - einer Reitweise, die der Arbeit eines Cowboys ähnelt. "Ich fand es toll, anders mit Pferden zu reiten", sagt sie. 2004 machte sie ihren Trainerschein, um eine Reitschule halten zu dürfen. Gabriele ist C-Trainerin, das ist die erste Stufe. Es gibt auch noch B- und A-Trainer. C-Trainer dürfen eine Reitschule führen, Kurse für Abzeichen ausrichten und selbst die "Hufeisen"-Prüfungen abnehmen - eine Motivationsprüfung für Kinder und Jugendliche mit praktischen und theoretischen Aufgaben.

Als C-Trainerin hat sie unter anderem gelernt, Gruppen zu unterrichten. Außerdem musste sie eine schriftliche Lehrprobe abgeben, also ein Programm für eine Reitstunde, und einen Teil davon zeigen. Auch ein Trainingsplan für ein Pferd stand auf dem Programm. Und viel Theorie, zum Beispiel über den Muskelaufbau. Damit sie den Trainerschein überhaupt machen durfte, musste Gabriele schon viele Voraussetzungen erfüllen. Man braucht den Basispass, das Reitabzeichen in Klasse 4 und 3, den Trainerassistent und das Longierabzeichen. Außerdem muss man ein Führungszeugnis vorlegen. "Man braucht also eine weiße Weste", sagt Gabriele.

Unzählige Schleifen

Mit der Zeit kauften die Zipfels immer mehr Schulpferde dazu und bauten sich nach und nach eine Westernreitschule auf. Außerdem haben sie eine Voltigiergruppe. "Und die ist richtig gut", sagt Gabriele. "Sie belegen auf Turnieren meistens den ersten oder zweiten Platz."

Sie selbst fährt am Wochenende gern aufs Turnier, weshalb auch das Training mit ihrem eigenen Pferd Easter Berry King nicht zu kurz kommt. Derzeit startet sie mit ihm in Leistungsklasse 2 - das ist die zweithöchste. Die unzähligen Schleifen, die sie mit Berry bereits gewonnen hat und die am Haus hängen, sprechen für ihren Erfolg. Damit samstags trotzdem Ausritte für Reitschüler stattfinden können, werden diese von einer Berittführerin geleitet.

Als Gabriele ihren Berry auf den Hof holt, gibt es noch eine besondere Attraktion. Sie setzt Hofhündin Jacky, ein Jack Russell Terrier, der ihr nie von der Seite weicht, auf den Pferderücken. Die Hündin darf reiten - und macht das gelassen wie ein Profi. Wallach und Hündin sind ein eingespieltes Team. "Bei Berry darf man das", sagt Gabriele. Andere Pferde hätten vielleicht etwas gegen die spitzen Hundekrallen. Die Kinder schauen vom Putzplatz rüber. "Süüüüüß", ertönt es wie in einem Chor. Und Gabriele Zipfel freut sich.

Mehr dazu: