Wie werde ich Tatortreiniger?

Helena Barop

Blutlachen, Fliegenplagen, Leichengestank. Der Arbeitsplatz eines Tatortreinigers ist nicht besonders gemütlich. Die Berliner Reinigungsfirma Heistermann hat sich aufs Blutwegputzen spezialisiert und bietet jetzt auch Ausbildungsplätze an. Florian Franz (20) ist im zweiten Lehrjahr und findet seine Ausbildung total spannend. Wir haben ihn gefragt: Wie wird man Tatortreiniger?



Wie wird man Tatortreiniger?

Eigentlich wollte ich Gebäudereiniger werden. Auf der Berufsschule lerne ich die Grundlagen, Tatortreinigung ist da aber erstmal nicht dabei. Dann hat der Chef angefangen, diese Schulungen anzubieten, wo wir Erfahrungen sammeln können. Da werden dann zum Beispiel Tatorte nachgestellt.

Einmal hat der Chef zum Beispiel ein Paar Schweinereste und Blut organisiert und wir mussten den Übungstatort dann reinigen. Da haben wir dann die einzelnen Schritte gelernt: Welche Reinigungsmittel man benutzt, wie man die Kunden betreuen muss und alles, was dazu gehört.



Was muss ein Tatortreiniger wissen?

Zum Beispiel, wie man Blut entfernt. Das ist sehr schwer, man braucht ganz spezielle Reiniger. Außerdem muss man sich um die Schädlinge kümmern, da sind Maden, Fliegen, alles was so kreucht und fleucht.

Ist das nicht widerlich?

Ja, auf jeden Fall, am Anfang schon, aber ... naja, sind ja nur Tiere ... es gibt Leute, die essen sowas (lacht). Ach, man gewöhnt sich an alles, irgendwie. Muss ja.

Wie war dein erster Tatorteinsatz?

Mein erster Tatorteinsatz war ziemlich krass. Das war in einer Messiewohnung. Der Gestank. Der Müll. Der stechende Leichengeruch. Das war schon echt hart. Ohne Gesichtsmaske ging da gar nichts. Der Geruch ist wirklich das Schlimmste. Das kann man gar nicht wirklich beschreiben. Das hat richtig gestochen in der Nase.

Als ich danach in der Bahn saß, hab ich wirklich gedacht, dass die ganzen Leute um mich herum alles gerochen haben. Ich dachte, ich stinke nach der Leiche und nach dem Müll und so. Aber später haben mir Freunde gesagt, sie hätten gar nichts gerochen. Das hat halt immernoch in der Nase gesteckt.

War es Mord?

Nein, nur ein Magendurchbruch.

Hast du Spaß an der Arbeit?

Was heißt Spaß... sowas sieht man eben nicht alle Tage. Es ist einfach spannend, jeder Tatort ist anders. Als diese zusätzlichen Schulungen angeboten wurden, da war ich sofort dabei. Bei uns in der Berufsschule ist das ja eigentlich kein Lernfach. Man kann was erzählen, man hat was erlebt.

Wenn ich die anderen höre, die werden Maurer oder Maler oder so. Die erzählen: "Ich hab heute wieder 'ne Decke gemalt". Dann kann ich sagen: "Ich war heut wieder auf nem krassen Tatort."

Die Geschäftsidee



Florians Chef ist der Geschäftsführer und Meister Christian Heistermann (38, Bild). Er hat die neue Geschäftsidee aus einer Reportage über professionelle Tatortreinigung in den USA. Seit vergangenem Sommer bietet seine Firma in Berlin Mahlsdorf die neue Dienstleistung an und bildet sieben junge Leute zu professionellen Tatortreinigern aus. 

Herr Heistermann hat eine Marktlücke entdeckt.

Bisher lassen Polizei, Bestatter und Feuerwehr die Hinterbliebenen in Todesfällen häufig mit dem Dreck zurück. Auch in Freiburg bleibt die unerfreuliche Arbeit an Leuten hängen, die nicht dafür ausgebildet sind. Hausmeister und Putzfrauen sind von den Reinigungsarbeiten oft überfordert, denn Blutwegputzen ist nicht nur nichts für schwache Nerven und gefährdet durch mögliche Infektionen die Gesundheit. Es erfordert auch spezielle chemische Reinigungsmittel, die nicht für jeden im Handel erhältlich sind. Herr Heistermann hofft, dass sich sein professionelles Angebot in Berlin herumspricht, damit er Teil der Dienstleistungskette wird, die von Todesfällen leben.