Wie werde ich Steinmetz? (8)

Dana Hoffmann

Jan-Phillip Acker (Bild rechts) ist einer von drei Lehrlingen der Freiburger Münsterbauhütte. Dort arbeiten ein Meister, elf Gesellen und zwei Bildhauer mit Knüpfel, Scharriereisen und Meißel daran, das Münster und seinen Sandstein in voller Pracht zu erhalten. Dana war für fudder vor Ort.



"Für den Job braucht man auf jeden Fall körperliche Kraft", sagt Jan-Philipp Acker und wuchtet einen gut 50 Kilo schweren Sandsteinklotz auf die Arbeitsfläche. "Ein dünner Hering sollte man jedenfalls nicht sein." Philipp wirkt wenig angestrengt, als er damit anfängt den Stein mit Klüpfel und Scharriereisen zu bearbeiten. "Ich wollte eigentlich schon immer was Handwerkliches machen, wusste aber nicht so richtig, was."


Deshalb hat er sich nach dem Abi auch erst mal an der Uni Freiburg eingeschrieben, hat sich „ohne Sinn und Verstand reingestürzt“, wie er jetzt sagt. Nordgermanische Philologie, Anglistik und Germanistik waren ihm aber zu theoretisch, er hätte sich mehr Praxisbezug gewünscht. Nach zwei Jahren Altnordisch und Linguistik verließ der 24-Jährige die Uni, um direkt mit der Lehre zum Steinmetz in der Münsterbauhütte in Freiburg an zu fangen.

"Ich habe schon während ich noch studiert habe Praktika gemacht, zum Beispiel in einer Schreinerei, in einem Maurerbetrieb und als Landschaftsgärtner." Schließlich hat sich der Sohn eines Antiquitätenhändlers dann für das härtere Material entschieden: "Die Arbeit mit Holz kannte ich schon aus der Restaurationswerkstatt meines Vaters, ich wollte aber lieber was anderes machen." Bei der Restauration ist er trotzdem geblieben und darüber auch ganz froh: "Normalerweise machen Steinmetze viel Auftragsarbeit wie zum Beispiel Grabsteine oder einfach Bodenplatten verlegen. Mir macht die Arbeit am Münster mehr Spaß, weil ich so mithelfe, die alte Substanz zu erhalten oder eben zu ersetzen."



Heute, kurz vor Ende des ersten Lehrjahrs bereut er seinen Entschluss, die Uni ab zu brechen nicht: "Der Betrieb ist spitze, ich hab hier im letzten Jahr mehr gelernt als in der Uni in zwei Jahren", schwärmt er. Das liege auch an dem Ausbildungskonzept: Pro Jahr gibt es drei Berufsschulblöcke, nach vier Wochen Bauphysik, Mathe und Stilkunde geht’s dann wieder zurück in den Betrieb.

Philipp hat Glück, die Reise zur Schule ist für den Freiburger nicht länger als an anderen Tagen zur Arbeit. Viele der Schüler in den vier Klassen wohnen während der Schulzeit im Lehrlingswohnheim – In Freiburg gibt es die einzige Berufsschule für Steinmetze in ganz Baden-Württemberg. "Jedes Jahr hat man dann auch noch vier Wochen überbetriebliche Ausbildung und lernt dabei noch ganz andere Sachen, als in Freiburg." Diese vier Wochen verbringen Philipp und andere Lehrlinge im Kolpinghaus in Mainz, die dortige Handwerkskammer bietet solche Lehrgänge an. "Man kriegt dann ganz spezielle Aufgaben, zum Beispiel Buchstaben aus dem Stein heraus meißeln." Bis jetzt muss Philipp in der Münsterbauhütte vor allem so genannte Profile anfertigen, die zum Schutz um die runden Öffnungen in der Außenwand des Münsters angebracht sind: Steine, an einer Seite mit einem leicht wellenförmigen Profil, die die glaslosen Fenster schmücken und vor Regenwasser schützen sollen.



"Schwierigere Sachen darf ich erst später machen", meint er und deutet auf eine Turmspitze. Ein Geselle arbeitet an so einer trotz elektrischem Meißel drei Monate, insgesamt rund 500 Stunden. "

Aber die Profile sind schon anstrengend genug, immer muss man die Seiten vergleichen und anpassen." Er habe zwar eine Schablone, aber man müsse eben doch viel mit Augenmaß arbeiten.



Beschädigte oder brüchige Steine werden, nachdem das Denkmalamt entsprechend entschieden hat, mit Pressluft aus der Mauer heraus gedrückt und dann in die Werkstatt zwischen Münster und Schlossbergring gebracht.

Kann man eine Figur nicht mehr vor dem Verfall retten, wird sie komplett in neuen roten Sandstein gehauen, der regelmäßig aus dem Steinbuch in Lahr geliefert wird. Kleinere kosmetische Arbeiten werden zum Teil sogar vor Ort am Münster vorgenommen.

"Wir arbeiten gerade recht viel auf der Südseite, für den großen Turm an der Nordseite gibt es ein eigenes Turmteam." Auf das Gerüst, das den Münsterturm im Moment umgibt, durfte Philipp bis jetzt nur ein Mal, zu Beginn seiner Ausbildung. "Wir mussten Holzreste wegräumen, die der Zimmermann liegen gelassen hatte", erzählt er etwas enttäuscht. Aber er hofft, dass er die fünfminütige Fahrt mit dem Baufahrstuhl auf 116 Meter Höhe bald noch mal machen darf.

Außer Schwindelfreiheit sind auch andere Eigenschaften wichtig, die ein Steinmetzlehrling der Münsterbauhütte mitbringen sollte: Handwerkliches Geschick ist Grundvoraussetzung, aber auch ein starkes Kreuz und gute Augen sind wichtig. "Außerdem muss man Geduld haben, die Arbeiten dauern oft lange und wenn man hektisch wird, bricht am Ende noch eine Ecke ab und dann kann noch mal von vorne anfangen."
Jedes Jahr bewerben sich gut 30 Schulabgänger auf die zwei Ausbildungsplätze, ein gutes Realschulzeugnis, räumliches Vorstellungsvermögen und ein gewisses Zeichentalent sind nach dem Werkmeister Christian Leuschner von Vorteil.

Zwei Jahre bleiben Philipp noch in der Münsterbauhütte, danach möchte er gerne Restauration studieren, um danach nicht nur Grabsteine in Form hauen zu müssen, sondern anspruchsvollere Arbeiten wie zum Beispiel am Münster übernehmen zu können.


 

Mehr dazu:

  • Münsterbauverein Freiburg: Website
  • Handwerkskammer Freiburg: Website