Wie werde ich Priester? (2)

David Weigend

Bruno Hünerfeld, 28 und aus der Wiehremer Pfarrei St. Cyriak und Perpetua, ist Diakon und wird am 13. Mai im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Momentan bereitet er sich im Collegium Borromaeum auf die Weihe vor. Für fudder nimmt er sich Zeit, um Fragen zum Priesterberuf zu beantworten.





Gedanken vorab

Eigentlich wollte ich schon seit der Grundschule katholischer Priester werden. Während dem Zivildienst 1998/99 im Lorettokrankenhaus habe ich mich dann endgültig für diesen Beruf entschieden.

Die Ausbildungszeit beträgt etwa acht Jahre. Vorab oder am Anfang des Studiums kann man sich fragen: Möchte ich ein Freund Jesu werden? Habe ich Freude am Gebet? An der Liturgie? Habe ich Freude an der Arbeit mit Menschen?

Eine wichtige Frage ist natürlich auch, ob man mit dem Zölibat, dem Versprechen der Ehelosigkeit, leben kann. Wer aber ins Collegium Borromaeum eintritt, muss weder alles können noch sich endgültig entschieden haben. Die Zeit im Priesterseminar ist zunächst eine Zeit der eigenen Prüfung und des Lernens.

Studium

Ich habe dann in Frankfurt-St. Georgen katholische Theologie studiert und dort 2001, nach zwei Jahren, das Vordiplom gemacht. Dann bin ich nach Freiburg zurückgekehrt und ins Collegium Borromaeum eingetreten. Dort beginnt die Ausbildung mit dem Propädeutikum. Das besteht unter anderem aus einem Sozialpraktikum in einer caritativen Einrichtung (drei Monate) und aus einer Bibelschule (zwei Monate), die mit einer Reise verbunden ist. Wir sind in die Türkei gefahren und haben dort neun Wochen in Antakya - dem antiken Antiochien - gelebt, die Spuren des Apostels Paulus verfolgend.

2004 habe ich mein Theologiestudium abgeschlossen. Die Abschlussarbeit habe ich im Fach Ökumene geschrieben, über die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung".

Frankreich

Nach der Abschlussarbeit wollte ich eine neue Sprache lernen, eine neue Form von Kirche kennen lernen und bin für ein Jahr nach Frankreich gegangen: nach Nancy und später in die Normandie, in einen kleinen Ort in die Nähe von Rouen.

Dort habe ich eine ganz spezielle Art von Frömmigkeit kennengelernt. In Nancy etwa gibt es die Gemeinschaft Emanuel, die sehr charismatisch ist. Man betet dort auch mit offenen Armen, spielt rhythmische Musik und betet viel um den Beistand des Heiligen Geistes. Ich habe bei dem Pfarrer, mit dem ich dort gewohnt habe, starke Brüderlichkeit erlebt - das hat mich stark beeindruckt.



Unterbrochene Trauerfeier

Nach einem Vorbereitungskurs im ehemaligen Priesterseminar in St. Peter habe ich am 18. Dezember 2005 die Diakonweihe empfangen. Ab diesem Zeitpunkt durfte ich trauen, taufen und Beerdigungen vorstehen. Bei der Weihe zum Diakon verpflichte ich mich zu einigen, wichtigen Dingen: Ich habe versprochen, ein Mann des Gebets zu werden, also das tägliche Stundengebet zu beten. Außerdem versprach ich Treue gegenüber dem Bischof; das Zölibat habe ich versprochen; außerdem, dass ich mich einsetzen möchte für die Armen und Kranken.

Das anschließende Diakonatsjahr habe ich in zwei Karlsruher Pfarreien verbracht. Die ersten Taufen, das war sehr aufregend für mich. Besonders schön war, mit den Familien dieses Fest vorzubereiten. Man spricht dort über das Geschenk der Geburt, über Fragen des Glaubens und sucht auch ganz konkret Lieder und Texte für die Taufe aus.

Bei einer Trauerfeier für ein afrikanisches Kind, das plötzlich gestorben ist, hat die Mutter sehr stark geweint. Der Sarg war offen. Die Mutter ist niedergekniet, hat das Kind umschlungen und exaltierend laut geschrien. Da musste die Trauerfeier unterbrochen werden.

Zum Dienst des Diakons gehört auch das Predigen. Das werde ich im Münster machen. Meine Predigt bezieht sich auf eine Stelle aus dem Markusevangelium: Jesus heilt die verdorrte Hand. In der gesamten katholischen Welt ist heute dieser Text dran. Meine Predigt nach der Verkündigung schreibe ich aber selbst. Ich will einen kurzen, geistlichen Impuls geben.

Vor der Priesterweihe

Momentan mache ich den Presbyteratskurs als Vorbereitung auf die Priesterweihe. Da werden sehr praktische Fragen behandelt, etwa: wie feiert man die Liturgie? wir lernen etwas über Kirchenrecht und was man braucht, um den Beruf des Priesters ausüben zu können.

Wir haben einen Stundenplan von 9 Uhr bis 12.30 Uhr mit Referenten, dann gibt's Mittagessen im Collegium Borromaeum, in dem ich auch wohne. Nachmittags geht es weiter mit Unterricht. Sechs Männer sind in meinem Jahrgang. Für jeden kann man nur dankbar sein. Angesichts der Erfordernisse unserer Diözese ist das eigentlich viel zu wenig.

13. Mai im Münster

Da wird meine Priesterweihe stattfinden. Nach der Predigt wird es eine Unterbrechung geben. Der Gemeinde bittet um die Herabkunft des Heiligen Geistes. Dann werden wir wieder Versprechen ablegen. Ich erkläre die Bereitschaft, mich ganz in den priesterlichen Dienst der Diözese nehmen zu lassen.

Der Weiheakt: Der Bischof legt einem die Hände auf und spricht danach ein Gebet. Ich trage dann meine zugeschnürte, weiße Diakonenstola. Ein befreundeter Priester wird sie dann symbolisch öffnen. Die Hände werden mir zum Zeichen der priesterlichen Würde mit Chrisam gesalbt. Ab dann darf ich die Heilige Messe feiern und die Beichte hören.



Berufsperspektiven

Mein Einsatz in der Pfarrei orientiert sich am Schuljahr. So werde ich wohl ab September von der Erzdiözese Freiburg als Vikar eingesetzt werden. Vorher mache ich Ferienvertretungen. Ich werde auch an einer Grund- oder Hauptschule katholische Religion unterrichten. Die Priestergehälter sind am Lehrergehalt orientiert, sie liegen so im Durchschnitt wohl zwischen 1800 bis 3000 Euro.

Nach der Priesterweihe kann man verschiedene Funktionen ausüben. Die klassische Funktion ist die des Pfarrers. Manche arbeiten aber auch in der Verwaltung, manche werden Professoren, manche ausschließlich Lehrer. Alle sind Priester, aber eben in unterschiedlichen Funktionen. Als Pfarrer kann ich mich später auch auf Stellen bewerben.

Herausforderung

Man muss sein Leben in Gottes Hand geben. Die innere Freude am Glauben ist das Lebenselexir, ohne sie kann ich nicht Priester sein. Ich hoffe, diese Freude nie zu verlieren. Ausserdem gilt es, sich mit der Kirche von Freiburg und mit der Weltkirche identifizieren.

Die Pfarreien stehen vor großen Veränderungen und sie müssen miteinander kooperieren. Doch in allem hoffe ich, dass auch in dieser Zeit Gott uns begleiten wird.

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