Wie werde ich Polizist? (6)

Eva Hartmann

"Ein Beruf so interessant wie das Leben!" - mit diesem Slogan wirbt die Polizei um Berufsanwärter. Was die Arbeit bei der Polizei so interessant macht, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um Polizist werden zu können und was in diesem Beruf alles so auf einen zukommt - Eva hat nachgefragt.



Wer zur Polizei will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder, und das ist die Regel, einen Realschulabschluss. In beiden Fällen muss ein Gesamtnotendurchschnitt von 2,5 erreicht werden. Abgesehen davon sind dann eine ganze Reihe von körperlichen und charakterlichen Vorraussetzungen zu erfüllen.


Die Mindestgröße von 160 cm, der maximale BMI von 25, körperliche und seelische Unversehrtheit und Belastbarkeit und ein einwandfreies Führungszeugnis sind nur einige wenige davon.
Wer all diese Anforderungen erfüllt, muss aber trotzdem zuerst noch einen Eignungstest bestehen: Sprachliche und mathematische Fähigkeiten, Intelligenz, körperliche Fitness und medizinische Eignung werden dort intensiv überprüft und wer das besteht, kann seine Ausbildung bei der Polizei beginnen.



Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert 30 Monate. Sie schließt verschiedene Grund- und Aufbaukurse, sowie zwei dreimonatige Praktikumsphasen bei einem Polizeirevier ein. Der Unterricht umfasst zahlreiche berufsspezifische Fächer, die sich im wesentlichen in die Bereiche Theorie/Recht und Praxis/Handlungtraining unterteilen. In Rollenspielen werden verschiedenste Einsatzsituationen nachgestellt, um Theorie und Praxis realitätsnah miteinander zu verknüpfen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist Sport - vier mal pro Woche steht der auf dem Stundenplan. Zwischen den einzelnen Ausbildungsphasen sind immer wieder Prüfungen zu bestehen.

Wer die Ausbildung abgeschlossen hat, kann je nach Leistung eine weiterführende Ausbildung für den gehobenen oder höheren Dienst machen und je nach Neigung beispielsweise auf einen Dienst bei der Hundestaffel, der Wasserschutzpolizei oder auch in einem Sondereinsatzkommando spezialisieren - "zu Lande, zu Wasser und in der Luft" stehen die verschiedensten Positionen offen.

Entsprechend unterschiedlich sind die Verdienstmöglichkeiten. Abhängig von Alter, Familienstand und Dienstgrad kann man als Polizist zwischen ca. 850 Euro im ersten Ausbildungsjahr und gut 2.500 Euro als Polizeihauptkommissar/in verdienen. Ein Polizeimeister im Streifendienst verdient knapp 1.800 Euro.



Aber was erwartet einen in diesem Beruf? Diese und weitere Fragen beantwortet mir mein Gesprächspartner Daniel S. Er absolviert gerade seine zweite Praktikumsphase. Bevor er sich entschloss, zur Polizei zu gehen, hat er bereits in einem anderen Beruf gearbeitet, aber "immer nur im Büro, jeden Tag das Gleiche, das wurde irgendwann langweilig." Bei der Polizei, erzählt er, liebt er die Abwechslung. Jeder Tag verläuft hier anders. Man wird ständig mit neuen Situationen und konfrontiert und es lässt sich nie voraussagen, was passieren wird. Das macht den Beruf spannend und eben, wie S. bekräftigt, tatsächlich "so interessant wie das Leben" selbst. Aber es bedeutet auch, dass man in der Lage sein muss, mehrmals am Tag von einer Situation auf die nächste umzuschalten.

Auf die Frage, weshalb er Polizist werden will, antwortet Daniel S.: "Weil es schön ist, etwas bewirken und helfen zu können, wenn man gebraucht wird" - und als ich ihn frage, weshalb er gerade bei der Polizei und nicht etwa beim Roten Kreuz oder der Feuerwehr helfen wollte, gibt er zu "ich wollte schon als kleiner Junge Polizist werden". Ein Kindheitstraum also - und auch, wenn das beinahe schon niedlich klingt, so bedeutet es doch, dass Daniel genau das mitbringt, was die Informationsbroschüre als wichtige Grundvoraussetzung für den Beruf des Polizisten nennt - "nämlich eine ganze Portion Berufung".



Sein Umfeld, erzählt der angehende Polizist, hat mit geteilten Meinungen auf seine Berufswahl reagiert: Während die Freunde seinen Plan von vorne herein gut fanden, hatten Eltern und Oma "Angst um den Bub" - und das bringt mich zu meiner nächsten Frage: Was ist denn das Schlimmste, das einem Polizisten passieren kann? - "Das ist natürlich so etwas, wie das, was vor Kurzem in Heilbronn pasiert ist", antwortet S.

Als Polizist steht man eben oft zwischen den Fronten und des Risikos, bei einem Einsatz verletzt oder gar getötet werden zu können, muss man sich bewusst sein. Direkt an zweiter Stelle nennt der junge Polizist Unfälle und Leichenfunde

Das Schönste an seinem Beruf findet Daniel das gute Gefühl, helfen zu können und dafür positive Rückmeldung zu bekommen. Besonders begeistert ist er außerdem vom Arbeitsklima bei der Freiburger Polizei: "Es macht richtig Spaß, hier dabei zu sein, wir sind ein tolles Team!".



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